Exkursion der FG Polychrome Bildwerke nach Regensburg – ein Bericht

Über 30 Teilnehmer trafen sich am 18. März 2017 zur Exkursion im Historischen Museum in Regensburg, um gemeinsam in der Ausstellung „Rudolf Maison – Bildhauer für König, Kaiser und andere kunstliebende Laien“ den Künstler und seine Arbeiten kennen zu lernen. Ein Bericht von Cornelia Saffarian, Mai 2017 Annette Kurella, Restauratorin des Museums, stellte anhand der […]

Über 30 Teilnehmer trafen sich am 18. März 2017 zur Exkursion im Historischen Museum in Regensburg, um gemeinsam in der Ausstellung „Rudolf Maison – Bildhauer für König, Kaiser und andere kunstliebende Laien“ den Künstler und seine Arbeiten kennen zu lernen. Ein Bericht von Cornelia Saffarian, Mai 2017

Annette Kurella, Restauratorin des Museums, stellte anhand der Ausstellung den Werdegang des Künstlers vor und präsentierte die Ergebnisse der etwa dreijährigen Vorbereitung für die Ausstellung.

Teilnehmer um Annette Kurella (mit Buch) in der Ausstellung

Das Historische Museum besitzt von Maison eine Sammlung plastischer Werke, die hier zum ersten Mal in dieser umfassenden Zusammenstellung präsentiert wurden. Ein Glücksfall bereicherte die Ausstellung mit dem persönlichen Nachlass Maisons, durch den die Kuratoren und Restauratoren tiefere Einblicke in Maisons Leben und Wirken erhielten. Rudolph Maison wurde 1854 als Sohn eines Schreinermeisters geboren und erlernte das väterliche Handwerk. Sein künstlerisches Können eignete er sich als Autodidakt an. Als Künstler schuf Maison vornehmlich Gipsplastiken, deren Oberflächen häufig in intensiver Arbeit polychrom gefasst wurden. Er fertigte die Bildwerke sowohl nach Auftrag – z.B. als Modell für monumentale Werke – als auch frei an. Jedoch war der Entwurf, also das Modell, nach Maisons Auffassung der künstlerische Akt, unabhängig davon, ob, wie oft oder in welchem Material Nachbildungen erfolgen sollten.

Rudolph Maison, Der Athlet

Ein besonderer künstlerischer Griff Maisons ist die Materialillusion, die er mit der polychromen Gestaltung seiner Bildwerke schuf. In einer beeindruckenden Vielschichtigkeit kombinierte Maison verschiedene Materialien, wie Metall und Haar aber auch verschiedene Farb-Materialien. Er malte mit Ölfarbe, „Tempera“ und Wachsfarben, die er zum Teil nass-in-nass vertrieb, zum Teil auch in Schichten auftrug. In überraschenden Kombinationen arbeitete er beispielsweise wässrig auf einer Ölfarbe. Doch genau mit dieser mutigen Vorgehensweise erzielte er spannende Effekte. Angespornt vom Versuchseifer Maisons führte auch Annette Kurella fasstechnische Versuche aus, die die Ergebnisse der kunsttechnischen Untersuchung bestärken.

Doch nicht nur die farbige Gestaltung der Bildwerke faszinierte die Teilnehmer. Auch die teils spektakuläre plastische Gestaltung ruft Staunen hervor. Wie Maison einzelne Elemente zu ganzen Bildwerken zusammen-setzte, zeugt zudem vom Geschick sowie der ausgesprochen freien künstlerischen Umgangsweise Maisons mit dem Material. Wie detailliert die Analyse der Zusammensetzung erfolgen kann, präsentierten Ronja Emmerich und Christian Kaiser anhand eines Brunnen-Modells, das in einer Projektarbeit an der TU München untersucht wurde. Zu danken ist an dieser Stelle auch den Kollegen der Firma Preis und Preis, die uns Einblicke in die Konservierung und Restaurierung gaben, sowie Herrn Heimler von der Firma Haber und Brandner, der uns an seinem reichen Wissen um die in Metall ausgeführten Großplastiken Maisons teilhaben lies. So entstand eine anregende Diskussion vor den Kunstwerken. Ein großzügiges, gesponsertes Catering des Museums sorgte zudem für das leibliche Wohl in der Pause.

Herr Freitag, der Stadtführer von Regensburg führt durch die Schnupftabakfabrik

Abschließend bot sich den Teilnehmern trotz Regenwetters noch die Möglichkeit, an einer Stadtführung der besonderen Art teilzunehmen. Der Stadtführer Herr Freitag vermittelte einen Eindruck von Regensburg, indem er uns nicht nur Einblicke in das Regensburg des 19. Jahrhunderts ermöglichte, sondern auch zahlreiche spannende – und trockene – Stationen auf dem Rundgang vorstellte. So erfuhren wir nicht nur Wissenswertes über die historische Stadt, sondern erlebten auch den Umgang der Einwohner mit ihrem reichen Schatz. Der Abend klang in einem wohligen Wirtshaus bei Regensburger Spezialitäten und mit weiteren fröhlichen und interessanten Gesprächen aus.

Nicht genug zu danken sei noch einmal Annette Kurella für die hervorragende Organisation sowie allen Kolle-gen, die ihr Wissen miteinander teilten und angeregte Gespräche ermöglichten.

P.S.: Die interessanten Ergebnisse zur Kunsttechnik und Konservierung/Restaurierung sind in dem Ausstellungskatalog „Rudolf Maison (1854–1904), Regensburg – München – Berlin“ wiedergegeben. Weiterführende Informationen finden sich auf www.rudolf-maison.de/.