Gastforscher erhalten Zugang zu Neutronenforschung

Das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) in München Garching bietet Gastwissenschaftlern einzigartige Verfahren der Neutronenforschung zur zerstörungsfreien Untersuchung von Kulturgütern. Damit lassen sich Inhaltsstoffe analysieren, die etwa Hinweise auf den Ursprung der erhaltenen Substanz hindeuten. Auch lassen sich verborgene Strukturen aufzeigen, was beispielsweise Rückschlüsse auf die Herstellungsweise von Gegenständen zulässt. Somit unterstützen die Neutronen Restauratoren, Historiker […]

Das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) in München Garching bietet Gastwissenschaftlern einzigartige Verfahren der Neutronenforschung zur zerstörungsfreien Untersuchung von Kulturgütern.

Damit lassen sich Inhaltsstoffe analysieren, die etwa Hinweise auf den Ursprung der erhaltenen Substanz hindeuten. Auch lassen sich verborgene Strukturen aufzeigen, was beispielsweise Rückschlüsse auf die Herstellungsweise von Gegenständen zulässt. Somit unterstützen die Neutronen Restauratoren, Historiker und Geologen bei der Provenienzforschung, Konservierung und Restaurierung, Echtheitsermittlung und Analyse der Herstellungsverfahren.

Untersuchungen von Fossilien mittels Tomographie sind am Instrument ANTARES am Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) möglich. Im Unterschied zur Röntgen CT bieten Neutronen häufig bessere Kontraste zwischen Gestein und Fossil. © B. Ludewig
Untersuchungen von Fossilien mittels Tomographie sind am Instrument ANTARES am Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) möglich. Im Unterschied zur Röntgen CT bieten Neutronen häufig bessere Kontraste zwischen Gestein und Fossil. © B. Ludewig

Zur Verfügung stehen das Instrument STRESS-SPEC zur Materialanalyse von vor allem Metallen, die radiologischen bildgebenden Instrumente ANTARES und NECTAR, die beispielsweise bereits an sakralen Holzfiguren in Schleswig-Holstein dabei halfen, die Verteilung eines früher eingebrachten Holzschutzmittels zu ermitteln und gezielt zu entfernen. Zudem ist auch die Elementanalyse mit der Gamma-Aktivierungsanalyse PGAA möglich.

Angestellte und selbstständige Restauratoren können Messzeiten beantragen. Dabei ist eine Nutzung der Instrumente kostenlos, wenn Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Rahmen veröffentlicht werden. Hierfür sollten Bewerber ein Proposal über das User Office einreichen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, Messzeit zu kaufen; hier richtet sich der Preis nach dem Aufwand. Bei Anfragen bzgl. Messzeitvergabe und Antragstellung ist Frau Dr. Ina Lommatzsch aus dem User Office des MLZ (useroffice[at]mlz-garching.de) sehr gerne behilflich.

Alle Informationen sind gebündelt unter www.mlz-garching.de zu finden.

Italienische, britische und deutsche Forscher untersuchten die Mikrostruktur historischer europäischer Schwerter. Damals wie heute nutzten Waffenschmiede die jeweils neuesten metallurgischen Verfahren. Die Ergebnisse lassen deshalb Rückschlüsse auf die Entwicklung und die Verbreitung dieser Technologien zu. © kleines Bild: F. Grazzi;  © großes Bild: J. Kreutner, Bayerisches Nationalmuseum, München
Italienische, britische und deutsche Forscher untersuchten die Mikrostruktur historischer europäischer Schwerter. Damals wie heute nutzten Waffenschmiede die jeweils neuesten metallurgischen Verfahren. Die Ergebnisse lassen deshalb Rückschlüsse auf die Entwicklung und die Verbreitung dieser Technologien zu. © kleines Bild: F. Grazzi; © großes Bild: J. Kreutner, Bayerisches Nationalmuseum, München
Zwei Holzfiguren aus dem beginnenden 18. Jahrhundert der der St. Laurentiuskirche in Tönning/Schleswig-Holstein waren durch eine frühere Holzschutzmittel-Behandlung entstellt. Neutronenradiografie am NECTAR zeigte den Experten vom Rathgen-Forschungslabor, wie das giftige Carbolineum im Holz verteilt war, sodass sie dieses gezielt entfernen konnten. © kleines Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Rathgen-Forschungslabor; © großes Bild:SMB-SPK, Foto A. Nusser
Zwei Holzfiguren aus dem beginnenden 18. Jahrhundert der der St. Laurentiuskirche in Tönning/Schleswig-Holstein waren durch eine frühere Holzschutzmittel-Behandlung entstellt. Neutronenradiografie am NECTAR zeigte den Experten vom Rathgen-Forschungslabor, wie das giftige Carbolineum im Holz verteilt war, sodass sie dieses gezielt entfernen konnten. © kleines Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Rathgen-Forschungslabor; © großes Bild:SMB-SPK, Foto A. Nusser

Weitere Forschungsmöglichkeiten über IPERION HS
Seit April beteiligt sich das MLZ auch am Konsortium des EU-Projektes „Integrated Platforms for the European Research Infrastructure ON Heritage Science“ – kurz IPERION HS. Das Projekt bietet neben dem oben beschriebenen Neutronenverfahren Zugang zu weiteren Analysemethoden und Archiven an anderen Standorten. In Deutschland sind neben dem MLZ auch das Institut für Technische und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen, das Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, das Fraunhofer-Institut für Bauphysik, das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim, das Competence Center Archaeometry Baden-Württemberg der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie das Deutsche Archäologisches Institut in Berlin beteiligt. Interessierte können sich unter www.iperionhs.eu für die Teilnahme bewerben.