Teil 17 der Serie „Mit Kalkül“: Gut krankenversichert als Restaurator:in

Wie alle Bürger im Land sind auch Freiberufler verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Dies ist seit 2007 in Deutschland Gesetz. Welche Versicherung man am besten wählt oder überhaupt wählen darf, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf sehr viele Kriterien an, so dass es sinnvoll ist, einen kostenlosen und unverbindlichen Vergleich zwischen privaten (PKV) und […]

Wie alle Bürger im Land sind auch Freiberufler verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Dies ist seit 2007 in Deutschland Gesetz. Welche Versicherung man am besten wählt oder überhaupt wählen darf, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf sehr viele Kriterien an, so dass es sinnvoll ist, einen kostenlosen und unverbindlichen Vergleich zwischen privaten (PKV) und gesetzlichen (GKV) Versicherungen entsprechend der eigenen Lebenswirklichkeit zu machen. Im Internet werden diese Tests vielfach angeboten. Dabei ist Ihr momentaner Status immer von Belang: Es ist wichtig zu beachten, ob Sie gerade familienversichert sind, ob Sie als Angestellter gesetzlich oder ob Sie bereits privat versichert sind, sei es als Selbstständiger oder Studierender.

Wichtig am Beginn der Selbstständigkeit: Verlassen Sie die gesetzliche Krankenkasse nicht leichtfertig!

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen, müssen Sie – unbedingt ehe Sie Veränderungen an Ihrem Versichertenstatus vornehmen – einiges dringend beachten. Denn wenn Sie gesetzlich versichert sind, können Sie als Restaurator und Freiberufler zwar selbst entscheiden, ob Sie künftig als Selbstständiger in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) bleiben oder in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln. Einmal selbstständig und mit dem Wunsch dies auch zu bleiben, ist der Weg zurück in die gesetzliche Krankenkasse jedoch schwierig. Schon als privat versicherter Studierender haben Sie eine entscheidende Wahl getroffen.

Eine Rückkehr zur gesetzlichen Krankenversicherung ist in der Regel nur dann möglich, wenn Sie ein sozialversicherungspflichtiges Angestellten­verhältnis eingehen und Ihr Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt. Viele machen sich diese Konsequenz zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit nicht bewusst und bereuen den Wechsel zur PKV. Ganz wichtig ist es daher gleich zu Anfang, mit spitzem Bleistift zu rechnen, welches – auch mittel- und langfristig – die passende Versicherung für Sie ist.

Der Beitrag in der GKV bemisst nach Ihrem Einkommen, weshalb vor allem Gründer und Selbstständige mit geringem Einkommen oft freiwillig in der GKV bleiben. Der Krankenkassen-Beitragssatz beträgt für freiwillig versicherte Selbstständige 14 Prozent des Einkommens plus Zusatzbeitrag. Der Beitragssatz für hauptberuflich Selbstständige, die einen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit gewählt haben, liegt bei 14,6 Prozent.

Sie können als Restaurator:in grundsätzlich in jede gesetzliche Krankenversicherung eintreten, auch zwischen den gesetzlichen Versicherungen wechseln und sich so am günstigsten Zusatzbeitrag, den die gesetzlichen Krankenkassen individuell festlegen dürfen, orientieren.

Entlastungen für Selbstständige freiwillig gesetzlich Versicherte seit 2019

Weil in den vergangenen Jahren hohe Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse viele Solo- und Kleinselbstständige überforderten, trat mit Beginn des Jahres 2019 das sogenannte Versicherungsentlastungsgesetz in Kraft. Freiwillig versicherte Selbstständige, die sich gesetzlich versichern möchten, sind inzwischen bei den Mindestbeiträgen den übrigen freiwillig Versicherten gleichgestellt, das heißt es existiert seither eine einheitliche Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig Versicherte und Selbstständige, die unter 1.100 Euro monatlich liegt. Damit wurde der Mindestbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung, der vor 2019 bei 350 Euro lag, nahezu halbiert und liegt bei unter 200 Euro monatlicher Belastung. Bis 2012 waren vor allem Gutverdienende selbstständig, inzwischen gibt es aber mehr als zwei Millionen Solo-Selbstständige in Deutschland, die durchschnittlich rund 1.600 Euro netto verdienen und für die diese 350 Euro Mindestbeitrag zu hoch waren.

Selbstständige und Freiberufler, deren monatliche Bruttogewinne unterhalb von den rund 2.300 Euro liegen – die vor 2019 als Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig Versicherte galt – profitieren vom Versichertenentlastungsgesetz, auch wenn sie den Zusatzbeitrag nach wie vor allein zu tragen haben.

Wer als Selbstständiger mit einem privat versicherten Partner verheiratet ist, hat keinen Vorteil von den Entlastungen. In diesem Falle gilt weiterhin die Regel, wonach zur Bemessung des GKV-Krankenkassenbeitrages jeweils die Hälfte des eigenen Einkommens und die Hälfte des Partnereinkommens herangezogen werden. Selbst wer deutlich weniger als das Mindesteinkommen verdient, muss unter Umständen einen Betrag von mehr als 400 Euro an die Krankenkasse abführen.

Private Krankenversicherung als Freiberufler

Wenn man sich als Freiberufler privat krankenversichern möchte, ist dies natürlich ebenfalls möglich. Der Vorteil ist, dass man den Tarif den eigenen Leistungsvorstellungen anpassen kann. Die Beitragsbemessungsgrenze ist dann nicht relevant. Auch der meist größere Leistungsumfang und Zugang zu Chefärzten könnten je nach Anspruch der Versicherten für eine private Krankenversicherung sprechen.

Tritt ein Freiberufler in eine private Krankenversicherung ein, sind das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand, der Beruf und die zu versichernden Leistungen sowie Personen (Familie!) wichtig. So kann es passieren, dass bei bestimmten Risiken oder Erkrankungen ein Zuschlag vereinbart wird oder aber ein Leistungsausschluss erfolgt.

Lediglich im Basistarif spielt all das keine Rolle. Zum Basistarif muss man Sie in die PKV aufnehmen. Generell wurde festgelegt, dass der Basistarif nach Art, Umfang und Höhe mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar sein muss. Von komfortablen privaten Versicherungsangeboten unterscheidet sich das unter Umständen beträchtlich. Einen Mindestbeitrag gibt es hier nicht. Der Höchstbeitrag ist begrenzt auf den der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der Basistarif in der privaten Krankenversicherung beträgt derzeit höchstens rund 770 Euro monatlich, in nachweisbaren Notlagen die Hälfte, also 385 Euro. Ist das zu teuer und Sie würden durch den hohen Beitrag hilfsbedürftig, beteiligt sich das Jobcenter oder Sozialamt am verminderten Beitrag. Der Begriff „Hilfebedürftigkeit“ orientiert sich dabei an § 9 SGB II (Sozialgesetzbuch).

Grundsätzlich ist es als Freiberufler möglich, in der PKV mit einem günstigen Tarif zu starten und später – vor allem, wenn sie unternehmerisch solide aufgestellt sind – in einen umfangreicheren Tarif zu wechseln. Sie können dann verschiedene zahnärztliche, ambulante und stationäre Tarife miteinander kombinieren und ein individuelles Versicherungspaket schnüren. Einige Tarife sehen eine Selbstbeteiligung des Freiberuflers an der Krankenversicherung vor. Zudem werden Teile der Beiträge erstattet, wenn man keine Leistungen in Anspruch genommen hat.

Ein Wechsel von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist – wie zu Beginn angesprochen – eher schwierig und zum Teil gesetzlich ausgeschlossen. Insbesondere ältere Freiberufler (in der Regel über 55 Jahre) und Freiberufler mit Familien sollten kritisch prüfen, ob ein Hin- und Herwechseln überhaupt möglich und wirklich sinnvoll ist.

Krankenkassen-Schulden

Freiberufler mit geringem Einkommen geraten mit den Krankenkassenbeiträgen oft an ihre finanziellen Grenzen, denn sie zahlen aufgrund des nicht vorhandenen Arbeitgeberanteils recht hohe monatliche Summen. Ausstehende Krankenversicherungsbeiträge haben vor allem in der Vergangenheit oft zur Überschuldung und zur Privatinsolvenz geführt, weshalb ab August 2013 das “Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung” rechtskräftig wurde. Demnach werden zum Beispiel die Beiträge ab 2007, als die Krankenversicherung verpflichtend wurde, bis 2011 erlassen, wenn man sich erst 2011 zur Krankenversicherung angemeldet hat. Dienstleistungen der Krankenkasse darf man während dieser vier Jahre allerdings nicht in Anspruch genommen haben.

Wer nicht krankenversichert ist, sollte umgehend in eine Krankenkasse eintreten. Niemand muss mehr fürchten, dass er nachträglich Beiträge aus der Vergangenheit bis ins Jahr 2007 zurück zu zahlen hat, wie dies bis 2013 der Fall war. Diese Krankenkassenbeiträge werden ohne Antrag erlassen.

Dennoch muss jeder lückenlos versichert sein. Es drohen Nachzahlungen, wenn Sie in einem bestimmten Zeitraum keine Beiträge entrichtet haben. Auch werden nicht volle Versicherungsleistungen, sondern nur eine eingeschränkte Versorgung (Notfallbehandlung bei akuten Schmerzen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft)  gewährt, wenn Sie zwei Monate im Rückstand mit den Beiträgen sind. Meist lässt sich durch eine Kooperation mit der eigenen Krankenkasse das Schlimmste verhindern. Man kann Ratenzahlungen vereinbaren, um bestehende Schulden bei der Krankenkasse zu verringern und wieder den kompletten Leistungsanspruch zu haben.


Dr. Christiane Schillig

Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restauratoren für Restauratoren ist. Sie können keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an Ihren Anwalt oder Steuerberater!

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"Mit Kalkül"