Kompetenz für Kulturgutschutz nutzbar machen

Nadine Thiel wurde im November 2021 zum Präsidiumsmitglied gewählt. Sie engagiert sich seit 2020 im VDR-Arbeitsausschuss Kulturgüterschutz und ist als Expertin für die Notfallplanung weithin bekannt. An dieser Stelle stellt […]

Nadine Thiel wurde im November 2021 zum Präsidiumsmitglied gewählt. Sie engagiert sich seit 2020 im VDR-Arbeitsausschuss Kulturgüterschutz und ist als Expertin für die Notfallplanung weithin bekannt. An dieser Stelle stellt sie sich vor:

Als mich Sven Taubert gefragt hat, ob ich mir vorstellen kann, auch im Präsidium für unseren Verband zu arbeiten, musste ich nicht lange überlegen.

Seit mehr als zehn Jahren leite ich das Sachgebiet für Bestandserhaltung im Historischen Archiv der Stadt Köln. Zu meinen Aufgaben gehört die direkte Beratung der Amtsleitung zu allen Fragen in der Bestandserhaltung und des Wiederaufbaus, der Bestände seit dem Einsturz und nach der Bergung sowie die Budget- und Personalplanung für die Bestandserhaltung. Das heißt für mich, dass ich als Restauratorin und Konservatorin ein großes Team leite. Mein Fokus liegt also auf Prozessen und Abläufen und darauf, diese zu einem auch restauratorisch guten Ergebnis zu bringen.

Mit der Übernahme dieser Aufgabe haben sich mir auch immer wieder Fragen nach Gegenwart und Zukunft unseres Berufsbildes gestellt. Wie können wir Mengenprozesse definieren, planen und sie inhouse oder mit freiberuflichen Kolleg:innen umsetzen? Welche Kompetenzen sollten wir Restaurator:innen dafür zusätzlich erwerben? Fest steht für mich, dass Kommunikation und das Knüpfen von Netzwerken innerhalb der Fachcommunity, aber auch mit Expert:innen aus benachbarten Fachrichtungen, den Ausbildungsinstituten, Dienstleistungsunternehmen usw. ein zentraler Aspekt unseres Berufes ist. Als Restaurator:innen sollten wir uns als Teil eines Ganzen verstehen, um die Jahrhundertaufgabe der Erhaltung unseres kulturellen Erbes zu lösen.

Diese Erkenntnis und meine von einer Katastrophe geprägte Berufsbiographie haben zudem dazu geführt, dass ich mich gern und mit viel Kraft für den Kulturgutschutz gerade in Extremsituationen einsetze. Dies ganz praktisch, wie im Sommer 2021, als wir mit dem Notfallverbund Kölner Archive und Bibliotheken Unterstützung für von der Flut betroffene Einrichtungen in Ahrweiler und Stolberg leisten konnten. Diese Erfahrungen bringe ich gern in die Verbandsarbeit ein.

Im VDR findet sich gebündelt genau die restauratorisch-konservatorische Kompetenz, die für die Reaktion auf lokale und große, nationale und internationale Kulturgutschäden entscheidend ist. Ich möchte mich daher dafür engagieren, diese Kompetenz nutzbar zu machen. Hierzu möchte ich die Kooperation des VDR mit weiteren Institutionen, wie der Deutschen Gesellschaft für Kulturgutschutz, Blue-Shield-Deutschland, dem THW, dem DAI oder dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vorantreiben.

 

 

rpt

Zur Vita:

Studium der Restaurierung und Konservierung von Kulturgut (Fachrichtung Schriftgut, Grafik, Fotografie und Buchmalerei) an der Fachhochschule (jetzt: Technische Hochschule) Köln. Abschluss als Diplom-Restauratorin 2007.

Nach Tätigkeiten für die Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) in Köln und Leitung der Restaurierung am Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr seit 2008 Leiterin der Restaurierung am Stadtarchiv Köln. Nach dem Archiveinsturz 2009 Koordination der Bergungsarbeiten vor Ort. 2010 Übernahme der Sachgebietsleitung für Bestandserhaltung im Stadtarchiv Köln mit derzeit ca. 70 Fach- und Assistenzkräften.

Arbeitsschwerpunkte bilden innovative Prozesse im Bestandserhaltungsmanagement sowie Notfallvorsorge und Katastrophenmanagement. In diesem Zusammenhang Teilnahme an der UNESCO-Mission nach Rio de Janeiro (Sept. 2018), Teilnahme an nationalen und internationalen Fachtagungen, verschiedene Beraterfunktionen u.a. KulturGutRetter und “Aufbauhilfe 2021”.

Mitgliedschaften: AK NRW Papierrestauratoren (seit 2008; derzeit Vorsitzende), Notfallverbund Köln, Blue Shield Deutschland (seit 2019).