Teil 24 der Serie „Mit Kalkül“: Preis und Vertrag aushandeln. Teil 1: Umfang der Leistung klären

Wenn selbstständige Restaurator:innen einen Auftrag ausführen möchten – zum Beispiel die Restaurierung eines barocken Holzaltars in einer Dorfkirche – finden sie sich oft in einer Gemengelage verschiedenster Interessen wieder. Die […]

Wenn selbstständige Restaurator:innen einen Auftrag ausführen möchten – zum Beispiel die Restaurierung eines barocken Holzaltars in einer Dorfkirche – finden sie sich oft in einer Gemengelage verschiedenster Interessen wieder. Die Forderungen der Auftraggeber, der Kirche beispielsweise, können von den Absichten der Architekt:innen und Denkmalpfleger:innen und der eigenen Haltung zum Objekt stark abweichen. Die Restaurator:innen sehen sich Vorstellungen gegenüber, die sie aufeinander abstimmen müssen und äußeren Begebenheiten, die sie einzukalkulieren haben, ehe sie mit der Arbeit beginnen können. Und dabei haben sich viele in das zu bearbeitende Werk schon „verliebt“ und wünschen sich nichts mehr, als endlich zu starten.

Doch das Restaurierungskonzept und die praktische Ausführung sollen zu einem guten, vertretbaren Resultat führen. Das funktioniert nicht ohne Absprachen. Eine erfolgreiche nachhaltige Restaurierung gelingt nur, wenn man die Beteiligten in ein Boot holt.

Reden ist der beste Weg

Viele junge Restaurator:innen, die sich nach dem Abschluss ihres Studiums selbstständig machen, sind auf die teils widerstreitenden Interessen der Bauherren, Denkmalpfleger und Architekten in der Praxis nicht vorbereitet. Unvermittelt müssen Restaurator:innen zu Verfechtern „ihrer Sache“ werden, ihre Restaurierungsmethode erläutern und verteidigen und gegenüber den verschiedenen Parteien behaupten und durchsetzen. Gerade wenn die Restaurierungsleistung nur sehr knapp von den Auftraggebern umrissen wurde – „Restaurierung Holzaltar“ –  müssen Restaurator:innen ihr Konzept und die anschließende Ausführung vor Beginn ihrer Arbeit klar und plausibel für alle darlegen.

Damit es zu einer guten Kooperation kommen kann, sollten sich Restaurator:innen bei Begehungen auf Baustellen oder Begutachtungen eines mobilen Objekts nicht zurückhalten, sondern ihre Position gegenüber Auftraggeber:innen und Denkmalpfleger:innen deutlich vertreten. Nur so kann es in der Folge zu einer harmonischen Vorbereitung der Zusammenarbeit (Vertragsanbahnung) und zu einer eben solchen konfliktfreien Abwicklung des Vertrags kommen. Besprechen sich Restaurator:innen nicht mit den Auftraggebern und gegebenenfalls weiteren Verantwortlichen, sind Probleme im Verlauf der Restaurierung vorprogrammiert. Missverständnisse, distanzierte Haltungen, unvernünftigen Sparwillen oder allgemeines Unverständnis zu überwinden, sind für Restaurator:innen keine leichte Aufgaben. Aber dieses Vermitteln-Wollen und Vermitteln-Können sind unabdingbar für den Erfolg als Selbstständige.

Wenn der sogenannte Leistungsumfang mit den Auftraggeber:innen geklärt ist und darüber Einigkeit herrscht, können sich die Restaurator:innen der weiteren Ausgestaltung ihres Vertrags widmen. Diese Vorarbeit sollte nicht als nachrangig oder notwendiges Übel betrachtet werden, sondern als eine Möglichkeit selbst zu bestimmen, in welcher Art und Weise und in welcher Höhe die Vergütung stattfindet und wie Nachträge und Anpassungen mit ins Vertragswerk eingearbeitet werden. Es erweist sich leider sehr oft als Fehler, sich nicht mit Vertragsvorbereitungen auseinanderzusetzen oder kritiklos Musterverträge zu unterschreiben. Unsere Mitglieder berichten regelmäßig von Konflikten mit Auftraggebern, die in den allermeisten Fällen hätten vermieden werden können, wenn die Parteien von Anfang an alle wichtigen Aspekte der Vertragsgestaltung besprochen hätten.

Kostenvoranschlag oder Angebot zum Festpreis

Worüber Sie sich ebenfalls ganz zu Beginn bewusst werden sollten, ist, wie verbindlich Ihr Angebot hinsichtlich der Vergütung sein soll. Halten Sie auch in dieser Frage die Zügel in der Hand und geben Sie – wenn irgend möglich – selbst vor, welche Konditionen Ihnen am liebsten sind.

Sie können zwischen einer bloßen – dann aber unverbindlichen – Kostenschätzung wählen, einem Kostenvoranschlag oder einem Angebot zum Festpreis. Jedes Angebot kann Vorteile haben, von einer reinen Kostenschätzung aber sei im Allgemeinen abgeraten.

Bei einem Angebot zum Festpreis gilt dieser unabhängig vom Aufwand. Für von den Auftraggeber:innen zusätzlich geforderte Leistungen kann keine zusätzliche Vergütung verlangt werden. Treten unvorhergesehene Schäden zutage, die die Restaurierung sehr viel langwieriger und aufwändiger machen, sieht es ebenfalls schlecht mit Nachträgen aus.

Entscheiden Sie sich für einen Kostenvoranschlag, haben die Auftraggeber:innen das Recht den Vertrag zu kündigen, wenn die Kosten absehbar wesentlich höher werden als Ihr Kostenvoranschlag. Eine wesentliche Überschreitung wird im Allgemeinen (hier gilt die Einzelfallbetrachtung) bei mehr als 15 bis 20 Prozent gesehen.

In der nächsten Folge „Mit Kalkül“ werden die verschiedenen Stadien der Vertragsabwicklung betrachtet, Vergütungsmodelle (Pauschalen, Zeithonorare), das Recht und die Pflicht auf Nacherfüllung bei Mängelrügen, die Haftung für Dritte und Haftungsausschlüsse, die Kündigungsmöglichkeiten eines Vertrags durch Auftraggeber:innen und Auftragnehmer:innen sowie die Abnahme. Eine Checkliste wird die wichtigsten Punkte der Vertragsanbahnung und -durchführung zusammenfassen.

Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restaurator:innen für Restaurator:innen ist. Sie können keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an Ihren Anwalt oder Steuerberater!

Dr. Christiane Schillig

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