Mit Musik im Ohr – vom Treffen der Fachgruppe Musikinstrumente in Wien

Mit Musik im Ohr – Spannungsfeld Musikinstrumentenrestaurierung Ein Nachbericht zum Fachgruppentreffen von Katja Hiller und Lilian Münch   Das diesjährige Treffen der Fachgruppe Musikinstrumente fand nach 34 Jahren erstmals wieder in Wien statt. Insgesamt 34 Teilnehmer fanden sich hierfür vom 5. bis 7. April 2019 in der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums in Wien […]

Mit Musik im Ohr – Spannungsfeld Musikinstrumentenrestaurierung
Ein Nachbericht zum Fachgruppentreffen von Katja Hiller und Lilian Münch

 

Das diesjährige Treffen der Fachgruppe Musikinstrumente fand nach 34 Jahren erstmals wieder in Wien statt. Insgesamt 34 Teilnehmer fanden sich hierfür vom 5. bis 7. April 2019 in der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums in Wien ein. Das Treffen bildete damit auch eine letzte Einladung des leitenden Restaurators Alfons Huber an die Fachgruppe in die Sammlung, die er über drei Jahrzehnte betreute, bewahrte und erfahrbar gemacht hat. Im Oktober geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Neben der Sitzung war ein spannendes Programm mit Führungen, Vorträgen und einer Exkursion organisiert.

KHM-Museumsverband. Marmorsaal der Sammlung alter Musikinstrumente, 2013
KHM-Museumsverband. Marmorsaal der Sammlung alter Musikinstrumente, 2013

Die Sammlung alter Musikinstrumente

In Wien befindet sich eine der weltweit bedeutendsten Sammlung von historischen Musikinstrumenten. Durch diese führte uns Alfons Huber gemeinsam mit Ina Hoheisel, die dabei einen Überblick über die Restaurierung der Musikinstrumente seit 1983 gaben. Zusammen mit zahlreichen Praktikanten und Studierenden konnte er über die Jahre die Sammlung in den guten Zustand bringen, in dem sie sich heute zeigt. Seit 2003 werden auch an der Akademie der bildenden Künste Wien Restauratorinnen und Restauratoren für Musikinstrumente ausgebildet. So präsentierten auch Absolventen der Akademie, die hier mitgearbeitet haben, ihre Projekte.

Von Ina Hoheisel erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Restaurierung eines italienischen Spinetts von Giovanni Celestini. Das Instrument steht für den seltenen Glücksfall einer stringenten Konservierung, bei der sich, aufgrund des guten Allgemeinzustandes und Vorliegens der technologischen Hintergrundinformation, die Spielbarkeit quasi „von selbst“ ergab. Die „Gesamtinszenierung“ erfolgte nach dem Motto „Innen hui, außen pfui!“.

Alfons Huber führt durch die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums Wien (Foto: Susanne Wittmayer)
Alfons Huber führt durch die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums Wien (Foto: Susanne Wittmayer)

In einigen Fällen war nach der Restaurierung eine spielbare Rekonstruktion des Instruments möglich, wie bei dem von Marianne Siegl präsentierten Tafelklavier (Pantalon) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bei dem mehrmals umgebauten, ältesten erhaltenen Wiener Cembalo wurde unter Mitarbeit von Albrecht Czernin der Erstzustand von 1696 rekonstruiert. Viele der Instrumente werden nicht mehr gespielt und gerade dadurch langfristig für die Forschung erhalten bleiben. So konnte u. a. eine wunderbare Spur bewahrt werden – der durch Glissandospiel partiell entstandene Rost auf den Saiten des 1796 gebauten “Pianoforte pour la parfait Harmonie” von Johann Jakob Könnicke. Auf diesem Instrument sollen schon Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven gespielt haben.

Eine Vielzahl an Restaurierungsentscheidungen wird an der Sammlung sichtbar. Dabei trat immer wieder die Frage in den Vordergrund, ob und wie neben dem Erhalt des Instruments, auch die musikalische Nutzung bewahrt werden kann. Vielfältige Lösungen wurden am Kunsthistorischen Museum gefunden, die immer auf einer Beschäftigung mit dem einzelnen Instrument beruhen.

Musikalisch wurde die Führung von Ines Schüttengruber begleitet, die sich meisterhaft auf die verschiedensten Instrumente eingestellt hat. So war es auch eine akustische Reise durch die Geschichte der Tasteninstrumente von der Renaissance bis zu den Wiener Klavierbauwerkstätten.

Martin Vogelsanger referierte über seine Diplomarbeit an der HdK Bern, den Hammerflügel von Franz Dorn, Wien ca. 1815, hier musikalisch vorgestellt durch die Pianistin Ines Schüttengruber (Foto: Markus Brosig)
Martin Vogelsanger referierte über seine Diplomarbeit an der HdK Bern, den Hammerflügel von Franz Dorn, Wien ca. 1815, hier musikalisch vorgestellt durch die Pianistin Ines Schüttengruber (Foto: Markus Brosig)

Kampf um das richtige Klima

Das Thema, ein gutes Klima für die Kulturgüter zu schaffen, stellte sich immer wieder als zentrale Herausforderung der Arbeit Alfons Hubers am Kunsthistorischen Museum dar. Von der „Dörrkammer“, in der die Instrumente anfangs standen, schaffte er es im Laufe der Jahre durch unermüdliches Engagement, dass sie heute in gutem Zustand ausgestellt werden können.

Auch hier war die Zusammenarbeit mit der Akademie erfolgreich. Während der Führung stellte Michael Kirchweger die Restaurierung eines Spinetts von Anton Meidting, Augsburg 1587 mit stark gewölbtem Deckel vor. Mit einer weiteren Restaurierung von Klimaschäden beschäftigte sich Josef Rath. Er arbeitete in seiner Diplomarbeit am ältesten erhaltenen Wiener Kontrabass von Nikolaus Leidolff von 1693 mit vielfach gerissenem Korpus.

Aktuelles aus der Musikinstrumentenrestaurierung

In den Vorträgen am Nachmittag wurde zur Restaurierung von Musikinstrumenten von anderer Seite und von anderen Orten berichtet. Die Teilnehmer hörten Beiträge zur Reinigung von schadstoffbelasteten Oberflächen historischer Musikinstrumente mittels CO2-Schneestrahlen (Stefan Ehricht, Stiftung Händel-Haus Halle) und zu einer photographischen Methode der Vermessung von Saitenmensuren (Markus Brosig, Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig). Von den Möglichkeiten, die die Computertomographie in der Restaurierung bietet, berichtete Sebastian Kirsch (Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig), wie etwa der virtuelle Blick in eine Geige oder die spielbare Rekonstruktion einer Knochenflöte.

Des Weiteren stellte Michael Holzer (Akademie der bildenden Künste Wien) seine Diplomarbeit zur Restaurierung einer Bassgeige aus dem 16. Jahrhundert vor. Dabei ging er insbesondere auf mögliche Techniken zur Reinigung und Retusche von stark verdunkelten Kitten in alten Insektenfraßgängen ein. Aus einer weiteren Diplomarbeit stellte Meike Wolters Maßnahmen und Besonderheiten einer Tromba marina (nach 1722) vor – einen Einblick in den Abschluss der Restaurierung gab Klaus Martius (beide Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg).

Eine spannende Einführung in seine Arbeit an der Studiensammlung der Cité de la musique gab Wolfgang Früh (Paris). Dort öffnet sich ein Spannungsfeld zwischen der Zugänglichkeit der Instrumente für die Forschung und deren langfristiger Konservierung.

Erläuterungen zur Restaurierung der Sonnholz-Orgel durch Wolfgang Karner (Mitte) und Alfons Huber (3. v. l.) in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariabrunn, Wien. (Foto: Markus Brosig)
Erläuterungen zur Restaurierung der Sonnholz-Orgel durch Wolfgang Karner (Mitte) und Alfons Huber (3. v. l.) in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariabrunn, Wien. (Foto: Markus Brosig)

Eine Orgel in Mariabrunn

Der Samstagvormittag begann mit einer Exkursion nach Mariabrunn. In der dortigen Pfarr- und Wallfahrtskirche steht eine Barockorgel von Gottfried Sonnholz von 1734, dem berühmtesten Wiener Meister der Barockzeit. Diese wurde von Orgelbaumeister Wolfgang Karner aufwendig restauriert. Obgleich sie im 20. Jahrhundert stark verändert und dem Zeitgeschmack angepasst wurde, blieb ein Großteil des Bestandes von Sonnholz erhalten. Daher konnte sie in den Zustand des 18. Jahrhunderts rückgebaut werden. Die erfolgreiche Restaurierung demonstrierte Konstantin Reymeier durch ein kleines Orgelkonzert, während dem die kleine, aber sehr feine Augustinerkirche besichtigt werden konnte. Neben der Orgel ist ein weiteres Highlight das dortige Theatrum sacrum: Eine barocke Bühne mit Kulissen, die verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu darstellen.

Fachgruppensitzung

Trotz des schönen Wetters fanden sich die Mitglieder in den Räumen des Weltmuseums zur Fachgruppensitzung zusammen. Das Sprecherteam informierte über aktuelle berufspolitische Themen und es fanden Überlegungen statt, wie die VDR-Fachgruppe mit den österreichischen Kolleginnen und Kollegen auch weiterhin einen freundschaftlichen und fruchtbaren Austausch pflegen kann. Weitere Vorüberlegungen und Möglichkeiten für das nächste Treffen der Fachgruppe wurden gesammelt und diskutiert. In der Wahl zum Vorstand der Fachgruppe wurden Meike Wolters und Sebastian Kirsch in ihren Ämtern bestätigt.

Mit Kammermusik bekrönt

Einen runden Abschluss bildete eine Matinée in der Sammlung alter Musikinstrumente, wie sie dort regelmäßig stattfindet. Zu Gast war diesmal das Streichquartettensemble „Quator Mosaïques“, die auf drei Instrumenten von Jakobus Stainer (17. Jahrhundert) sowie auf der Violine aus dem Nachlass von Leopold Mozart, alle im Besitz der Sammlung alter Musikinstrumente, begeisterten. Auf dem Programm standen unter anderem Stücke von Michael Haydn, Joseph Haydn, Leopold und Wolfgang Amadé Mozart. Nebenbei war dies auch eine besondere (musikalische) Einführung in die Familien- und persönlichen Beziehungen der Haydns und Mozarts.

Ein großer Dank für die Organisation geht an Meike Wolters, Ina Hoheisel, Sebastian Kirsch, Alfons Huber und alle Weiteren, die mit der Vorbereitung und ihren Beiträgen dieses Treffen ermöglicht haben.

Potsdam, 24.04.2019
Katja Hiller und Lilian Münch

Gruppenfoto vom Fachgruppentreffen (Foto: Johan Ter Maat)
Gruppenfoto vom Fachgruppentreffen (Foto: Johan Ter Maat)