Nachbericht: Exkursion nach Hannover und Wienhausen

Dr. Gabriele Schwartz (li) und Dipl.-Rest. Eliza Reichel erläutern die praktischen Maßnahmen an der Goldenen Tafel (Foto: T. Simon) Bereits zum zweiten Mal konnte die Fachgruppe Polychrome Bildwerke des VDR einer Einladung von Kollegen in das Landesmuseum Hannover folgen. Seit 2012 wurde dort eines der herausragenden Ausstellungsobjekte, die „Goldene Tafel aus Lüneburg“ in einem dreijährigen […]
Dr. Gabriele Schwartz (li) und Dipl.-Rest. Eliza Reichel erläutern die praktischen Maßnahmen an der Goldenen Tafel (Foto: T. Simon)
Dr. Gabriele Schwartz (li) und Dipl.-Rest. Eliza Reichel erläutern die praktischen Maßnahmen an der Goldenen Tafel (Foto: T. Simon)

Bereits zum zweiten Mal konnte die Fachgruppe Polychrome Bildwerke des VDR einer Einladung von Kollegen in das Landesmuseum Hannover folgen. Seit 2012 wurde dort eines der herausragenden Ausstellungsobjekte, die „Goldene Tafel aus Lüneburg“ in einem dreijährigen Forschungsprojekt kunsttechnologisch untersucht. Direkt im Anschluss begann das Restaurierungsvorhaben. Fünf Restauratorinnen arbeiteten in den vergangenen Jahren unter der Federführung von Dipl.-Rest. Eliza Reichel an den vier großformatigen Tafelgemälden und dem Skulpturenschmuck. Im September dieses Jahres wird die Restaurierung ihren Abschluss finden, sodass nun letztmals die Möglichkeit bestand den Kollegen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.

Ein Exkursionsbericht von Tino Simon

Am 25. Mai 2018 folgten daher 24 Teilnehmer der Einladung in die temporäre Werkstatt und konnten sich vom Fortgang der Arbeiten ein Bild machen. Die Kollegen Dr. Gabriele Schwarz, Dipl.-Rest. Kerstin Binzer, Dipl.-Rest. Dana Jonitz, Dipl.-Rest. Sophia Röllig und Dipl.-Rest. Ewa Kruppa stellten den Besuchern nach einer kurzen Einführung zum historischen Kontext, die durchgeführten Arbeitsschritte näher vor. Sechs Jahre Forschung und Arbeit lassen sich dabei jedoch nur stichpunktartig umreißen. Schnell kam die kleine Gruppe mit Fragen und Diskussionen zu Themen wie Oberflächenreinigung, Retusche und Ergänzung ins Fachsimpeln.

Die Teilnehmer beim Rundgang durch die Ausstellung „Schatzhüterin 200 Jahre Klosterkammer Hannover“ (Foto: T. Simon)
Die Teilnehmer beim Rundgang durch die Ausstellung „Schatzhüterin 200 Jahre Klosterkammer Hannover“ (Foto: T. Simon)

Im zweiten Teil des ersten Tages erhielten die Besucher eine Führung durch die Sonderausstellung „Schatzhüterin 200 Jahre Klosterkammer Hannover“. Die sehenswerte Schau ist noch bis zum 12. August 2018 geöffnet und präsentiert deren Geschichte. Die einmalige Institution widmet sich als Landesbehörde dem Erhalt und der Bewahrung des reichen kulturellen Erbes der niedersächsischen Klöster. Museumspädagogin Monika Hegenberg führte die Teilnehmer und gab einen kurzen geschichtlichen Abriss über die historische Entwicklung der Klosterkammer bis hin zu ihrer heutigen Funktion und den Aufgaben. Dipl.-Rest. Johannes Mädebach und Dipl.-Rest. Christiane Adolf erläuterten den Gästen anhand zweier bedeutender Skulpturen Untersuchungsergebnisse, die im Vorfeld der Ausstellung noch gewonnen werden konnten. Zu sehen waren aber auch zahlreiche Alltagsgegenstände, die vom Leben und Wirken der ehemaligen Bewohner zeugen.

Mit kulinarischen Tatsachen ging dieser erste Exkursionstag zu Ende. Auf der Terrasse „Bei Mario“ am Ufer der Leine und strahlendem Sonnenschein konnten die Teilnehmer das Gesehene Revue passieren lassen.

 

Geführter Rundgang der Exkursionsgruppe durch die Anlage des Klosters Wienhausen (Foto: T. Simon)
Geführter Rundgang der Exkursionsgruppe durch die Anlage des Klosters Wienhausen (Foto: T. Simon)

Der folgende Tag führte die Gäste ins Hannoveraner Umland. Knappe 50 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt liegt die Ortschaft Wienhausen mit ihrem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster. Trotz Reformation, Säkularisation und zahlreichen Krisen im Laufe seiner 800 jährigen Geschichte hat es bis heute ununterbrochenen Bestand. Ein Umstand, der auch auf die Gründung der Klosterkammer Hannover zurückzuführen ist. Heute leben in den historischen Mauern eine Äbtissin und zwölf Konventualinnen. Das Kloster verfügt über eine außerordentliche Fülle an christlichen Kunstwerken aus dem Mittelalter bis in die Neuzeit. Manche dienten kontinuierlich religiösen Zwecken, viele wurden in den vergangenen 150 Jahren „wiederentdeckt“. Zusammen mit den Gebäuden bilden sie ein einmaliges Gesamtkunstwerk, was es zu entdecken galt.

Bei einem geführten Rundgang durch die Räumlichkeiten konnten nicht nur das berühmte Heilige Grab, der Nonnenchor mit seinem Wand- und Deckenmalereien oder die ehemaligen Zellen der Bewohnerinnen besichtigt werden. Größter Schatz der Klosteranlage sind jedoch die Textilien, sodass auch hier der Fokus der Führung lag. Großformatige, gotische Bildteppiche erzählen in unglaublicher Farbenpracht und mit zahlreichen amüsanten Details die Legende von Tristan und Isolde oder berichten über das Leben der Heiligen Elisabeth. Ein näherer Blick lohnt, zumal die Tradition der Stickerei in den Räumen des Klosters bis in die heutige Zeit weitergeführt wird. Derart kunsterfüllt und mit zahlreichen spannenden Eindrücken versehen, konnten die Teilnehmer den Heimweg wieder antreten.
Wir möchten den Organisatoren der Exkursion nochmals unser herzliches Dankeschön für die perfekte Organisation und das eindrucksvolle Programm ausdrücken.