Nur Mut! Eindrücke vom Seminar „Rund ums Gründen – Basiswissen für Restaurator:innen“

Am 24. und 25. September lud die Interessengruppe Selbstständige Freiberufler zum Seminar über Selbstständigkeit und Existenzgründung ein. Für die 60 Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurde erstmals online ein abwechslungsreiches Programm mit […]

Am 24. und 25. September lud die Interessengruppe Selbstständige Freiberufler zum Seminar über Selbstständigkeit und Existenzgründung ein. Für die 60 Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurde erstmals online ein abwechslungsreiches Programm mit verschiedenen Vorträgen, Workshops und viel Raum zum Erfahrungsaustausch geboten.

Aller Anfang... will gut geplant sein

Schon vorab wurden wir auf das Seminar eingestimmt. In der Post befand sich in der Woche vor der Online-Veranstaltung eine üppig gepackte Mappe mit dem Programm sowie weiteren Informationen, die zwei spannende und lehrreiche Seminartage versprachen. Einen Tag vor Veranstaltungsbeginn wurde der Zugangslink für das Online-Portal zugeschickt mit einer Vielzahl von weiterführender Lektüre zum Thema Existenzgründung und Fördermöglichkeiten. Leider war es kaum möglich, sich in die mitgeschickte Lektüre vor Seminarbeginn einzulesen, doch als Input zur Nachbereitung sind die Unterlagen eine gute Unterstützung.

2021-09_Exsem_Nachbericht_01

Die beiden Seminartage gliederten sich in verschiedene Blöcke aus Vorträgen sowie Workshops und Mentorengesprächen mit etablierten Selbstständigen.

Der Einstieg in das Seminar wurde durch drei Vorträge mit einer großen thematischen Bandbreite gestaltet. So bekamen die Teilnehmer:innen erste Impulse, welche Schritte und Entscheidungen beim Weg in die Selbstständigkeit wichtig sind, welche finanziellen Fördermöglichkeiten sinnvoll sein können und auf welche Soft Skills es ankommt. Die Vorträge zeigten: Der Start in die eigene Existenzgründung ist für jede und jeden abhängig von der eigenen Ausgangssituation und pauschale Antworten lassen sich nicht aussprechen. Eine Hilfestellung für die wichtigsten Schritte klang in der einen oder anderen Präsentation an, aber eine beispielhafte „Checkliste“ für den Start könnte im Gründungs-Wirrwarr eine lohnenswerte Ergänzung zu den Vorträgen sein.

PXL_20210925_104131272
PXL_20210924_052152434

Perspektivwechsel – Erwartungen und Rahmenbedingungen

Damit sich Restaurator:innen auf dem freien Markt behaupten können, ist es nützlich, die Erwartungen und Bedingungen ihrer Auftraggeber:innen zu kennen. Stellvertretend für die Denkmalpflege lieferte die Hauptkonservatorin des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege Einblicke in dessen Arbeitsweise. Schnell wurde klar: Auf die Akquise kommt es an. Als frische Existenzgründer:in sollte die persönliche Vorstellung in den Denkmalschutzbehörden nicht gescheut, sondern aktiv als Eigenwerbung genutzt werden. Auch in der Zusammenarbeit mit planerisch Tätigen wie Architekt:innen oder Ingenieur:innen ist Kommunikation ein wichtiger Türöffner.

In drei verschiedenen Workshops zu den Themen Akquise, Ateliergründung und Kalkulation teilten die Referent:innen ihre eigenen Erfahrungen und boten viele Gelegenheiten zum gegenseitigen Austausch. Viele Fragen entspannen sich um das Thema Angebotserstellung und damit zusammenhängende Urheberrechte. Hier wären für viele Teilnehmer:innen konkretere Anschauungsbeispiele oder exemplarische Vorlagen und Tipps zu geeigneter Software hilfreich gewesen. Zu den rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten gerne noch mehr „harte Fakten“ Platz in den Workshops finden können. Angemerkt sei jedoch, dass spezifischen Fragen wie Angebote erstellen oder Kalkulieren in separaten Seminaren des VDR nachgegangen wird.

Von den Erfahrungen selbstständiger Kolleg:innen lernen

Während des gesamten Seminars ergaben sich immer wieder angeregte Gespräche. Sogar in den Pausen wurden die sog. Break-out-Sessions, also verschiedene digitale Konferenzräume, gleichermaßen von Referent:innen wie Teilnehmer:innen zur Diskussion genutzt. So war auch ohne gemeinsame Mittagspause vor Ort ein aktiver Austausch möglich, bei dem man sich öfters kaum vom Bildschirm weg traute, um keine Diskussionen zu verpassen. Zu den abwechslungsreichen Themen trugen auch die Teilnehmer:innen selbst bei. Restaurator:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen und verschiedensten Lebenssituationen, von Studierenden bis zu Kolleg:innen mit langjährigen Angestelltenverhältnissen, sorgten für facettenreiche Gesprächsrunden.

Als besonders positiv und hilfreich wurde auch die offene Kommunikation aller Referennt:innen und Mentor:innen empfunden. Sie waren nie um motivierende Worte verlegen und forderten uns auf, unsere eigene Arbeit wertzuschätzen und selbstbewusst in die Selbstständigkeit zu starten. Manchmal ging durch die große Gesprächsbereitschaft der rote Faden in den Workshops etwas verloren. Während sich die thematischen Abschweifungen für manche als Bereicherung zeigten, fühlten sich andere Teilnehmer:innen von den Inhalten nur wenig angesprochen. Nichtsdestotrotz ist es sehr wertvoll, dass alle offen über ihre Erfahrungen, Probleme und konkrete Zahlen gesprochen haben und wir als frische Existenzgründer:innen von den Erkenntnissen etablierter Selbstständiger lernen können.

Nach zwei informations- und diskussionsreichen Tagen ging das Existenzgründerseminar zu Ende und hinterließ eine gewachsene Motivation für den Start sowie das Gefühl einer sehr kollegialen Gemeinschaft, in der man nie zögern sollte, Kolleg:innen um Rat zu fragen. In diesem Sinne: Nur Mut, liebe Existenzgründer:innen und alle, die es noch werden wollen!

 

Eike Stöcker, Teilnehmerin
Dresden, 22.10.2021