Paul Grasse ist neuer berufspolitischer Sprecher des VDR

Paul Grasse ist seit Anfang Juni beim VDR auf der neu eingerichteten Stelle eines berufspolitischen Sprechers mit 20 Wochenstunden angestellt. Herr Grasse ist Politikwissenschaftler mit Diplom von der Freien Universität Berlin. Die letzten zehn Jahre arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent in einem Abgeordnetenbüro des Deutschen Bundestages. Mit Paul Grasse sprach Gudrun von Schoenebeck […]

Paul Grasse ist seit Anfang Juni beim VDR auf der neu eingerichteten Stelle eines berufspolitischen Sprechers mit 20 Wochenstunden angestellt. Herr Grasse ist Politikwissenschaftler mit Diplom von der Freien Universität Berlin. Die letzten zehn Jahre arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent in einem Abgeordnetenbüro des Deutschen Bundestages.
Mit Paul Grasse sprach Gudrun von Schoenebeck von der Online-Redaktion des VDR.

Herr Grasse, wie waren die ersten Wochen beim VDR für Sie?

 

Paul Grasse ist der berufspolitische Sprecher des VDR und hat sein Büro in Berlin.

 

Grasse: Sehr spannend, ich habe viel gelernt. Zum Beispiel, dass ich es mit einer enorm qualifizierten Berufsgruppe zu tun habe, die das praktisch-handwerkliche mit dem theoretisch-wissenschaftlichen verbindet. Die Restauratoren sind sehr gut ausgebildet, haben hohe Ansprüche an ihre Arbeit und identifizieren sich stark damit. Da steckt viel Herzblut drin, das einen mitnimmt. Ich habe aber auch festgestellt, dass Ausbildung und Kompetenz vieler Restauratoren nicht von deren sozialer Situation widergespiegelt wird. Das klafft auseinander, wie es leider so häufig in vorwiegend weiblich besetzten Berufen der Fall ist.

Ansonsten bin ich sehr gut und freundlich aufgenommen worden. Ich finde die Arbeitsatmosphäre wirklich toll und freue mich, für einen Verband arbeiten zu dürfen, in dem man so respektvoll miteinander umgeht und gemeinsam an einem Strang zieht.

Wie haben Sie früher, vor der Tätigkeit beim VDR, die Restauratoren als Berufsgruppe wahrgenommen?

Grasse: Ich hatte eine genaue Vorstellung von einem Restaurator und merke nun, dass diese mit der Wirklichkeit sehr wenig zu tun hatte. Ich glaube, mit meiner Fehleinschätzung bin ich nicht alleine. Jüngst hatte ich ein Gespräch mit meinem Vater darüber. Ein Restaurator ist für ihn ein älterer Herr in Latzhose, der etwas verschroben in seiner Werkstatt bastelt. Meine Wahrnehmung war ähnlich. Das habe ich schon mal gründlich revidiert.

Welches sind aus Ihrer jetzigen Sicht die wichtigen berufspolitischen Themen für den VDR?

Zentral ist sicherlich der Berufstitelschutz, das steht über allem. Wir haben das Problem, das wir sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene tätig werden müssen. Kultur ist Ländersache und es ist wahrscheinlich erfolgversprechender, wenn wir direkt in den Ländern aktiv werden. Trotzdem sollten wir die Arbeit auf übergeordneter Ebene im Bund nicht komplett vernachlässigen. Es ist letztlich aber auch eine Frage, wie viel Arbeit man hineinstecken kann. Ich sehe meine Aufgabe darin, Kontakte in die Politik zu knüpfen und freundlichen Druck aufzubauen, um für die gute Arbeit der Restauratoren eine gute Bezahlung zu gewährleisten. Das fängt bei der Ausschreibungspraxis an und hört bei der häufig miserablen Eingruppierung im ÖD noch lange nicht auf.

Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) ist jedenfalls auf Bundes- und Landesebene ein Ansprechpartner für mich. Tonangebend sind dort oft die großen verkammerten Berufsgruppen, wie die Ingenieure oder Architekten, mit starker Finanzkraft. Aber es gibt auch viele kleine Verbände, so wie den VDR. Diese Kleinen haben oft ähnliche Themen und Probleme wie der VDR, zum Beispiel haben fast alle Nachwuchssorgen und mit geringer Entlohnung zu kämpfen.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit, die dem VDR zugutekommen?

Grasse: Durch die Arbeit in einem Abgeordnetenbüro habe ich viel Erfahrung mit Politikern und keine übertriebene Ehrfurcht vor ihnen. Außerdem habe ich wenig Scheu, offen und unbefangen auf die Leute zuzugehen. Trotzdem kann man nicht einfach herumgehen und an die Bürotür klopfen. Man muss Kontakte herstellen und Themen sachlich vorbereiten. Wie so etwas funktioniert, dafür habe ich ein gutes Gespür entwickelt.

Um den Zugang zu erleichtern, werde ich mir zum Beispiel einen Ausweis für den Bundestag besorgen. Die Voraussetzung dafür ist ein Büro in der Nähe des Bundestages und das haben wir ab dem 1. August. Der Ausweis macht dann alles etwas leichter, denn ich habe damit Zutritt zu den Räumen des Bundestages.

Mir ist es außerdem sehr wichtig, mit möglichst vielen Menschen im VDR zu sprechen, um ein besseres Bild über den Stand in den Ländern, über die drängenden Fragen und Bedürfnisse und damit auch über Perspektiven zu bekommen. Ich freue mich daher über jeden und jede, die Kontakt mit mir aufnimmt und nehme das auch proaktiv selbst in die Hand.