Report aus dem Präsidium Dezember/2020

Ehe wir uns dem Rückblick auf ein ganz besonderes Jahr widmen, möchte ich Ihnen im Namen des Präsidiums zuerst einmal für Ihre Treue danken! Es freut uns sehr, dass Sie in diesen schwierigen Zeiten an unserer Seite geblieben sind und der Berufsverband für Sie in der Krise von Bedeutung ist. Danke für Ihre Treue und […]

Ehe wir uns dem Rückblick auf ein ganz besonderes Jahr widmen, möchte ich Ihnen im Namen des Präsidiums zuerst einmal für Ihre Treue danken! Es freut uns sehr, dass Sie in diesen schwierigen Zeiten an unserer Seite geblieben sind und der Berufsverband für Sie in der Krise von Bedeutung ist.

Danke für Ihre Treue und Ihr Interesse!

Wir konnten tausende Klicks auf unserer Website zum Corona-Service verzeichnen. Sie haben sich immer wieder über die verschiedensten Hilfsmaßnahmen informiert, verfolgten unsere Serie #sogehtesweiterbei, beteiligten sich am Europäischen Tag der Restaurierung, nahmen aktiv mit vielen Fragen am ersten Webinar des VDR teil und hörten unsere neu ins Leben gerufene VDR Podcasts „Restauratoren-O-Ton“. Interessiertere Mitglieder kann sich unser Berufsverband nicht wünschen, dafür unser ausdrückliches Dankeschön! Für die verbleibende Zeit des Jahres wünschen wir Ihnen, dass Sie diese so gut wie möglich genießen und eine besinnliche und friedvolle Weihnachtszeit verbringen können.

Corona-Präsidium

Ende November letzten Jahres, nach der Wahl unseres Präsidiums auf der Mitgliederversammlung in Köln, wussten wir nicht, was 2020 auf uns zukommen würde. Julia Brandt, Dirk Sturmfels und ich wurden Ende 2019 neu gewählt, Gisela Gulbins ist im dritten Jahr dabei und Susanne Danter nach einer Pause als Vizepräsidentin wieder im Präsidium zurück. Die fast vollständige Neubesetzung des Präsidiums ist ungewöhnlich in der Geschichte des VDR und war spannend für uns alle. Hätte man uns damals im Messesaal gesagt, dass wir das „Corona-Präsidium“ werden, hätten wir das nicht verstanden. Wir hätten auch inzwischen völlig geläufige Sätze wie „Am Wochenende war ich auf einer Zoom-Party“ und „Wieviele Haushalte sind wir denn?“ nicht verstanden. Innerhalb eines Jahres sind wir durch die Herausforderungen mit Einbruch der Coronakrise nicht nur sehr schnell als Team im Präsidium zusammengewachsen, sondern auch unser Blickwinkel auf die Welt hat sich nachhaltig verändert. Prioritäten und Kommunikationswege verschieben sich fortwährend.

Auf Sicht gefahren

Seit Anfang März 2020 fällen wir im Präsidium fast jeden Tag Entscheidungen. Am 12. März wartete ich in Dresden bereits auf den Abflug nach Köln/Bonn, als wir beschlossen die Vorstandssitzung  abzusagen. Denn im Minutentakt kamen Nachrichten von Grenzschließungen und dem Verbot von Großveranstaltungen aufs Handy. Wir wollten nicht verantworten müssen, dass unser 37 Personen umfassender Vorstand mit der VDR-Geschäftsstelle an einem Ort zusammenkommt und der VDR durch diese Versammlung mit 50 Menschen aus allen Teilen Deutschlands zum „Super Spreader“ würde. Also tagten wir stattdessen in kleiner Präsidiumsrunde, ein intensives Treffen, bei dem wir erste Strategien festlegten, die wir im Laufe des Jahres immer wieder den veränderten Gegebenheiten anpassten. Wir fuhren – wie alle anderen auch – auf Sicht.

Viel kommuniziert

Neben der Pandemie begleiteten uns aber auch andere Themen durch das ganze Jahr. Obwohl wir die Engagierten des Deutschen Archäologischen Instituts und von ArcHerNet, des THW und des Auswärtigen Amtes nicht persönlich treffen konnten, tauschten wir uns zum Kulturgüterschutz regelmäßig und ausgiebig aus, haben unter unseren Mitgliedern die Experten im Katastrophenmanagement herausgefiltert und arbeiten nun gemeinsam mit den anderen Partnern daran eine zentrale Stelle für den Kulturgüterschutz in Deutschland einzurichten. Ohne uns zu sehen, sind wir den Partnern bei ArcHerNet nähergekommen, genauso wie unseren Partnern an den Hochschulen mit dem Fachbereich Konservierung-Restaurierung, unserem Dachverband E.C.C.O., ICOMOS, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Bundesverband der freien Berufe. Die Videokonferenzen haben die Wege zu vielen Menschen vereinfacht und verkürzt: Wir sprachen mit Wirtschaftspolitikern aus Deutschland und Europa. Julia Brandt und ich nahmen teil an der internationalen Tagung zur Qualitätssicherung von Restaurierungen, wir loggten uns bei der E.C.C.O-Jahresversammlung ein und bei den Online-Besprechungen eigeninitiativ agierender Konsortien zur Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Der VDR unterstützt deren Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

E.C.C.O. und die Hochschulen

Außerdem hilft der VDR – an der Seite des Deutschen Museumsbundes –  E.C.C.O. beim vierjährigen CHARTER-Projekt, für das sich unser Dachverband 2019 erfolgreich beworben hat. Es geht in dem Projekt darum, den Kulturerbesektor und seine Berufe zu definieren.

Das letzte Drittel des Jahres widmeten wir der Hochschulpolitik und der brennenden Nachwuchsfrage in unserem Fachbereich. Wir arbeiteten sehr konstruktiv mit den Hochschulen zusammen, verfassten Stellungnahmen zur neuen Prüfungsverordnung für die Restauratoren im Handwerk, zu den Ausbildungsinhalten und den Titeln „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ und verbreiteten diese dann in den betreffenden Ministerien und beim Verbraucherschutz.

Stark in der Krise

Wir sehen in der Coronakrise, die viele beruflich und privat leider empfindlich getroffen hat, auch eine Chance. In den digitalen Veranstaltungen konnten wir schnell und unkompliziert viele neue Kontakte knüpfen. Auf Augenhöhe diskutierten wir mit Politikern und Wissenschaftlern, die wir unter normalen Umständen niemals innerhalb eines Jahres hätten treffen können. Dazu hätte weder das VDR- Reisekosten-Budget, noch unsere Zeit als Ehrenamtliche ausgereicht. Diese wertvollen Kontakte, die wir während der Pandemie geknüpft haben, möchten wir 2021 festigen.

Zurzeit noch hinter den Kulissen arbeitet der Arbeitsausschuss Arbeitssicherheit. Hier wird alle Fachkompetenz des Verbandes zu Themen wie „Gefahrstoffe“ und „sichere Arbeitsumgebung“ zusammengetragen und werden Experten von außen hinzugezogen, um Ihnen in einem weiteren Schritt das Wissen zur Verfügung zu stellen. Auch Workshops und Fortbildungen sind angedacht.

Neue Formate für Veranstaltungen

Dass fast alle Veranstaltungen verschoben werden mussten, hat uns sehr traurig gestimmt. Unsere Hoffnung setzten wir auf die Leipziger denkmal-Messe, die mit ihrem Hygienekonzept und viel Zuversicht bis zum Schluss alle Aussteller bei der Stange hielt. Schließlich wurde die Messe dann wegen rasant steigender Coronazahlen Ende Oktober kurzfristig abgesagt. Alle nicht verwirklichten Gestaltungspläne nehmen wir aber mit ins Jahr 2022 und entwickeln sie bis dahin weiter.

Glücklicherweise hatten wir den Europäischen Tag der Restaurierung von Beginn an zweigleisig geplant und mussten niemanden enttäuschen. Die Restaurator:innen konnten ihre Ateliers oder Museumswerkstätten entweder öffnen und Besucher mit Abstand durch die Räume führen, oder sie leiteten sie virtuell durch ihre Häuser. Es entstanden zahlreiche Videos, Podcasts und Blogs, durch die Interessierte auch in Pandemiezeiten Einblicke in die Welt der Kulturgüter und die Bewahrung von Kunstwerken erhielten. Wir freuen uns über dieses gelungene Experiment des VDR.

Um Ihnen trotz der unumgänglichen Absage der Fachtagungen und Weiterbildungsseminare Service und Unterhaltung zu bieten, haben wir unsere Podcast-Reihe „Restauratoren-O-Ton“ und ein Webinar-Format ins Leben gerufen. Freuen Sie sich im kommenden Jahr auf weitere Folgen des Podcasts sowie auf verschiedene lebenspraktische Tipps rund um den Restauratorenberuf. Die Webinar-Reihe wird schon ab Januar 2021 fortgeführt.

Machen Sie mit!

Darüber hinaus möchten wir uns mit Ihnen, liebe Mitglieder, häufiger austauschen und werden eine Online-Sprechstunde zu Fachfragen der Restaurierung, zu betriebswirtschaftlichen Fragen, Werkvertragsgestaltungen und Honoraren anbieten. Anregungen für Themen nimmt die Geschäftsstelle in Bonn gerne entgegen.

Wir denken, dass wir 2020, auch wenn viele zu Hause blieben, stark nach außen wirken konnten und uns sichtbar in der digitalen Welt präsentiert haben. Auch im Inneren, in der Verwaltung, gab es einen Digitalisierungsschub, unter anderem mit dem Aufbau einer neuen Mitgliederdatenbank und der Installation einer Verbandssoftware. Diese soll ermöglichen, dass Sie künftig viel besser am Verbandsleben teilnehmen können, selbst aktiver über die Plattform kommunizieren und sich als Mitglied ansprechend präsentieren können. Hier handelt es sich um einen laufenden Prozess. Wir richten dazu Tools nach und nach ein. In ersten Probeläufen im Neuen Jahr werden wir einige von Ihnen bitten, die Software mit uns zu testen und für den VDR anzupassen. Darauf freuen wir uns und hoffen, dass auch Sie Spaß an den neuen Oberflächen entwickeln.

Der VDR 2021

Durch unsere Gespräche mit Ihnen wissen wir, dass sich Ihre Lebenslage im Home Office und die Auftragslage durch die Corona-Pandemie verschlechtert haben. Allerdings sahen viele von Ihnen im ersten Lockdown auch eine willkommene Zeit der Ruhe, eine Chance konzentriert und ohne Hektik zu arbeiten. Doch je länger die Krise dauert, desto mehr wachsen die Ängste. Ihre Furcht war – so entnehme ich es der Umfrage unter den Restaurator:innen im Sommer –, dass die Langzeitfolgen schlimm werden könnten, dass das Budget für den Kulturhaushalt durch Überschuldung des Staates schrumpfen wird und Restaurierungen seltener in Auftrag gegeben werden. Das Präsidium verspricht Ihnen Ihre Belange auch weiterhin in alle Richtungen zu vertreten. Wir lassen Politik und Öffentlichkeit 2021 immer wieder wissen, wie wichtig der Kultursektor und wie bedeutend Ihr Anteil daran ist.

Bitte bleiben Sie gesund und unterstützen weiter unsere Arbeit!
Ihr/ Euer Sven Taubert

Report aus dem Präsidium