Report aus dem Präsidium Juli/2020

Während wir im Präsidium und in der Geschäftsstelle unsere Veranstaltungen wie den Europäischen Tag der Restaurierung am 11. Oktober und die denkmal-Messe in Leipzig vom 5. bis 7. November planen […]

Während wir im Präsidium und in der Geschäftsstelle unsere Veranstaltungen wie den Europäischen Tag der Restaurierung am 11. Oktober und die denkmal-Messe in Leipzig vom 5. bis 7. November planen und neue Termine für verschobene Veranstaltungen und Fachtagungen festlegen, haben sich die Einladungen an den VDR zu Konferenzen mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern fast überschlagen. Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB), die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Archaeological Heritage Network (ArcHerNet) und ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) baten um unsere Teilnahme und unser Mitwirken.

Wir haben die Einladungen sehr gerne angenommen, um die Gelegenheit wahrzunehmen, Ihre Berufs-Interessen in politische Kreise zu tragen, der DBU und ICOMOS gegenüber fachliche Anliegen der Restaurator*innen zu erläutern und uns auf internationaler Ebene – zusammen mit ICOMOS-Vertretern aus Belgien, der Schweiz, Italien, Norwegen, von Europa Nostra, dem DNK, der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger etc. – als Vertreter*innen des deutschen Hands-on-Kulturgüterschutzes zu präsentieren. Manche Veranstaltungen waren von Anfang an als Videokonferenzen vorgesehen, andere sind als digitale Veranstaltungen umgeplant worden. Auch hier müssen wir konstatieren: Wären dies alles Präsenzveranstaltungen gewesen, hätten wir kaum überall dabei sein können. Teilzuhaben und mitzureden ist in Corona-Zeiten für unseren Verband manchmal einfacher, als es zuvor war. Entgegen der Chronologie beginnen wir mit der ICOMOS-Konferenz:

VDR bewertet ICOMOS-Grundsatzpapier zur qualitätvollen Restaurierung positiv

Die Leitlinien für eine qualitätvolle Restaurierung sind ein wichtiges Werkzeug und Orientierung für Akteure im Kulturerbebereich und sowohl bei europäischen, nationalen und regionalen Förderprojekten essentiell, so die Meinung des VDR. Anstelle der in Karlsruhe geplanten internationalen ICOMOS-Tagung fand am 13. und 14. Juli  die Online-Tagung „Europas Kulturerbe und kulturelle Vielfalt fördern – Wer? Wie? Mit wem? mit Unterstützung der Europäischen Akademie Berlin statt. Während sich Redner aus ganz Europa in den verschiedenen Sektionen zuschalteten, trafen sich in der Berliner Akademie jeweils eine Handvoll Akteure – mit Abstand – zum Auftakt der Tagung und zur Schlussdiskussion im Grunewald.

Weiterlesen zur Tagung "Europas Kulturerbe und kulturelle Vielfalt fördern"

In seiner Einführung betonte Gastgeber Prof. Dr. Jörg Haspel, Präsident von ICOMOS Deutschland, dass Denkmale und historische Stätten und vor allem Städte die Vielfalt und Zusammengehörigkeit Europas und seiner Bürger*innen abbilden. Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 gründete sich ICOMOS-intern eine zehnköpfige Autorengruppe, die ein Grundsatzpapier über Qualitätsanforderungen der Denkmalpflege an die Förderpolitik der EU erarbeitete. Ziel war es, die Förderlandschaft in Europa denkmalverträglich, bzw. denkmaldienlich zu gestalten. Zu diesem Papier „Europäische Qualitätsgrundsätze für EU-finanzierten Maßnahmen und ihre potentiellen Auswirkungen auf das Kulturerbe“ äußerten sich die Tagungsteilnehmer mit Key-Notes und Statements in drei verschiedenen Feedback-Sektionen. E.C.C.O. und der VDR waren eingeladen, in Sektion III aus Sicht der Denkmalpflege und der Denkmalrestaurierung Anregungen und Bedenken gegenüber dem Grundsatzpapier zu äußern.

Als Vertreterin von E.C.C.O. und Beauftragte des VDR sprach unsere Kollegin Anja Romanowski und teilte dem Forum mit, dass die europäische Vereinigung der Restauratorenverbände und der VDR als ihr mitgliederstärkster Verband die Qualitätsgrundsätze begrüßen und befürworten. Für die Qualitätssteigerung EU-geförderter Denkmalrestaurierung sei ein solcher Leitfaden fundamental und fehlte bislang. Außerdem wies Anja Romanowski darauf hin, dass man in Europa zu wenig über die Menschen wisse, die im Kulturerbesektor arbeiten. Hauptberuflich im Kulturerbesektor Beschäftigte seien statistisch nicht erfasst, so dass man dessen ökonomisches Potential nur schätzen kann.

Als Präsident bezog ich aus der Sicht des VDR Stellung zu den Förderleitlinien. Meine Präsidiumskollegin Julia Brandt und ich hatten das Statement gemeinsam ausgearbeitet. Die Leitlinien wie in den ICOMOS-Qualitätsgrundsätzen erarbeitet, waren aus unserer Sicht längst überfällig und als „Werkzeug“ und Orientierung für Akteure sowohl in europäischen, nationalen oder regionalen Förderprojekten essentiell. Deshalb sollten sie verbreitet, genutzt und vor allem fortgeschrieben werden. Ganz wichtig war es mir, auf die nötige Kompatibilität von EU- und nationalen Projekten in der Förderpraxis hinzuweisen. Denn in der Praxis gibt es – viele von Ihnen wissen das aus eigener Erfahrung – skurrile Konstellationen, die ein „Verzahnen“ der jeweils unterschiedlich geförderten Projektbausteine verhindern. Mehrere Förderprogramme zu kombinieren, funktioniert in den allermeisten Fällen nicht.

Besonders erfreut hat uns, dass sich die zentralen Anliegen und ethischen Grundsätze des VDR  in den Empfehlungen von ICOMOS wiederfinden, vor allem, was die Programmplanung, die Ausschreibungen (vorherige Grundlagenermittlung, Untersuchungen und Forschung), die Umsetzung und Projektbewertung angeht. Auch deshalb habe ich im Namen des VDR explizit meine Mitwirkung angeboten, damit die Aufgaben praxisorientiert und interdisziplinär gelöst werden können.

Das Archaeological Heritage Network als Partner des VDR beim Kulturgüterschutz

Das gemeinsame Engagement für den Kulturgut- und Katastrophenschutz in Deutschland nimmt immer konkretere Formen an. Ein digitales Mitgliedertreffen zeigte dies eindrucksvoll. Die große Mehrheit der VDR-Mitglieder begrüßt dies. Als Mitglied im Archaeological Heritage Network war der VDR am 9. Juli zum Online-Mitgliedertreffen eingeladen.

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Weitere Mitglieder im Archaeological Heritage Network sind u. a. die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, die Deutsche Unesco-Kommission, der Verband der Landesarchäologen, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die Gerda Henkel Stiftung, das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz sowie verschiedene Hochschulen. Um bei Katastrophen wie dem Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar oder beim Elbehochwasser im Jahr 2002 präventiv zu schützen und in der Krise in konzertierten Aktionen zu retten, arbeiten bei ArcHerNet die genannten Partner zusammen. Auch schlossen sich in Deutschland nach Katastrohen wie z.B. dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs Notfallverbünde für den Kulturgüterschutz zusammen. Um ArcHerNet künftig noch besser zur Seite stehen zu können, haben wir im VDR den Arbeitsausschuss Kulturgüterschutz gegründet und werten gerade die Umfrage unter den Mitgliedern aus, wer von Ihnen auf dem Gebiet des Katastrophenmanagements bereits Erfahrungen gesammelt hat, bzw. wer Interesse hätte, sich in diesem wichtigen Arbeitsfeld (Prävention, Wasserschäden, Brandschäden, Kriegseinwirkungen etc.) fortzubilden und mitzuwirken. Dies sei schon einmal vorweggenommen: Die große Mehrheit der Befragten (98%) bewertete das Thema „internationaler Kulturgutschutz“ als wichtig bis sehr wichtig, niemand als unwichtig.

Vor dem Mitgliedertreffen lud ArcHerNet zum Online-Event Gemeinsam. Kulturgut. Retten. Einleitende Worte sprachen Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik des Auswärtigen Amtes und Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Daraufhin stellte Dr. Katrin Schöne den Sicherheitsleitfaden Kulturgut (SiLK), ein kostenloses Online-Tool für den Schutz von Kulturgütern in Museen, Bibliotheken und Archiven vor. Die arabische Übersetzung des Sicherheitsleitfadens erschließt dieses wichtige Werkzeug nun für den arabischen Sprachraum. Der Restaurator Christoph Rogalla von Bieberstein, der eng mit Vertretern des VDR zusammenarbeitet, stellte sein Projekt „KulturGutRetter“ vor. Es ist ein technikbasierter Mechanismus zur schnellen und effizienten Hilfe für bedrohtes Kulturerbe in akuten Krisensituationen. Dafür arbeiten Expert*innen von ArcHerNet, unterstützt vom Auswärtigen Amt, ebenso bei der Entwicklung von Rettungsmodulen mit wie das Technische Hilfswerk (THW) und das Leibniz-Forschungsmuseum. Auch die Restaurator*innen des VDR sind dabei gefragt.

DBU: Bei Förderanträgen Innovation und Resilienz mitdenken!

Die sogenannte große ökologische Transformation ist für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) das Hauptanliegen. Durch die Coronakrise wurde deutlich, dass es außerdem gleichzeitig darum gehen muss die Widerstandskraft der Gesellschaft gegenüber künftigen Krisen zu stärken. Die DBU ist eine wichtige Partnerin des VDR. Sie unterstützte beispielsweise 2018 das VDR-Symposium „Kulturerbe Siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft – Natur und Kultur im Spannungsfeld – Erhalt von Kulturlandschaft und gebauten Kulturgütern“. Am 7. Juli lud die DBU zum Online Salon „Nachhaltig aus der Krise“.

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Zurzeit fördert die DBU eine Reihe von Projekten, sie sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und ihre Folgen für das Erreichen der Umwelt- und Klimaziele befassen. Ziel aller Projekte ist es, die Widerstandskraft der Gesellschaft gegenüber künftigen Krisen zu stärken. Richtungsweisend für die DBU ist es, wie die „große ökologische Transformation“ dauerhaft und konsequent gefördert werden kann.

Beim Online Salon diskutierten Alexander Bonde, Generalsekretär der DBU, Prof. Dr. Ellen Matthies, Umweltpsychologin an der Universität Magdeburg und WBGU, Ulrich Petschow, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Prof. Dr. Reinhard Loske, Präsident an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, Dr. Holger Berg, Co-Leiter im Forschungsbereich Digitale Transformation Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH und Dr. Cornelia Soetbeer, Abteilungsleiterin Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz der DBU, sowie Prof. Dr. Markus Große Ophoff, Fachlicher Leiter des DBU Zentrums für Umweltkommunikation. Alle waren sich darin einig, dass es weitreichende Veränderungsprozesse in der Wirtschaft geben müsse und eine bessere Kenntnis darüber, was Menschen wirklich benötigen, um zu existieren und sich wohlzufühlen. Reinhard Loske plädierte dafür, dass Wirtschaft als soziales System begriffen werden sollte und die Ökonomie in gesellschaftliche Bezüge eingebettet gehört.

Für Restaurator*innen, die sich um eine Förderung ihrer Projekte bei der DBU bewerben möchten, sind diese Ziele – Klima- und Umweltschutz, Resilienz, Digitalisierung, Innovation – in den Anträgen mitzudenken. Näheres zu den Voraussetzungen für Förderungen finden Sie im Artikel "Constanze Fuhrmann - Innovativ muss nicht immer High Tech bedeuten" im Restauratorenblog.

Neue Formen der Selbstständigkeit auch für Restauratoren? – BFB-Videokonferenz

Nicht nur das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft ist der Auffassung, dass sich der Arbeitsmarkt stark verändern wird, neue Formen der Beschäftigung und der Selbstständigkeit sich entwickeln werden. Wichtig sei es aber auch Deutschland gründungsfreundlich zu machen und Menschen stärker darin zu unterstützen diesen Weg einzuschlagen. Die letzte BFB-Videokonferenz vor der Sommerpause fand am 30. Juni statt. Schwerpunktthema neben der Coronakrise, der Betroffenheit der Freien Berufe und der Hilfsprogramme war dieses Mal die Frage nach dem Wandel der Arbeitsbedingungen.

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Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e. V., hielt zum Thema "Wandel der Arbeitsbedingungen" ein Impulsreferat. Er geht wie viele andere davon aus, dass sich – beschleunigt durch die Corona-Pandemie –  Beschäftigung räumlich dezentralisieren und virtualisieren wird. Seine These ist, dass durch einen veränderten Arbeitsmarkt auch neue Formen der Selbstständigkeit gedacht werden müssen. Der Anteil der Solo-Selbstständigen, zu denen viele Restaurator*innen zählen, sei seit 2012 rückläufig, ebenso der Anteil der Selbstständigen, die Mitarbeiter*innen beschäftigen. Es sei wichtig Deutschland gründungsfreundlich zu machen und Flexibilisierung zuzulassen. Das könnte zum Beispiel durch ein neues Arbeitszeitgesetz geschehen, nach dem es künftig nur noch eine wöchentliche, nicht mehr aber eine tägliche Höchstarbeitszeit gebe. Auch das arbeitsrechtliche Schutzsystem sei nicht in jedem Fall zeitgemäß. Arbeitnehmerähnlich tätige Selbstständige könnten zur Altersvorsorge verpflichtet werden. Werkverträge seien ein komplexes Thema und nicht per se zu verurteilen.

Nach der Sommerpause wird der regelmäßige Austausch der BFB-Geschäftsführer*innen sowohl digital, als dann ab Herbst wohl auch wieder „physisch“ weitergehen. Durch die Corona-Krise sind die im BFB zusammengefassten unterschiedlichen Verbände und Kammern eng zusammengerückt. Die Freiberufler konnten – vereint unter dem Dach BFB – in die Politik ein Bild der Vielfalt und der Relevanz vermitteln. Die Stimme des BFB wurde in der Bundespolitik gehört, man agiert auf Augenhöhe mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und den Wirtschaftsverbänden. Diese gesteigerte Aufmerksamkeit unterstrich der BFB durch die Kampagne „Mit System relevant. Wir helfen. Freie Berufe“ durch Spots und großformatige Werbung in Berlin, bei der sowohl die Heilberufe, die beratenden Berufe, die kulturellen und die technisch-naturwissenschaftlichen Berufe eindrucksvoll im Bild präsentiert wurden und wo auch der VDR seinen festen Platz behauptet.

Bleiben Sie uns gewogen – Ihr Sven Taubert

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