Teil 23 der Serie „Mit Kalkül“: Risiko mindern durch freiwillige Arbeitslosenversicherung

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, ob sich eine Arbeitslosenversicherung für Sie lohnt, auch wenn Sie selbstständig sind? Das freiberufliche Unternehmertum ist mit Risiken und Unwägbarkeiten verbunden, die Sie […]

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, ob sich eine Arbeitslosenversicherung für Sie lohnt, auch wenn Sie selbstständig sind? Das freiberufliche Unternehmertum ist mit Risiken und Unwägbarkeiten verbunden, die Sie möglicherweise etwas abfedern möchten und im Falle des Misslingens Ihres Unternehmensprojekts nicht in prekärer Lage sein wollen. Wir möchten an dieser Stelle darlegen, welche Voraussetzungen für eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige erfüllt sein müssen, mit welchen Kosten dabei zu rechnen ist und für wen sich die Versicherung eher lohnt.

Der Gesetzgeber ermöglicht seit 2006, dass Selbstständige freiwillig in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung einzahlen können. Mit dieser Versicherung entsteht wie für Angestellte ein Anspruch auf Arbeitslosengeld als Lohnersatzleistung. Scheitert das Unternehmensprojekt, profitieren Selbstständige von einer sozialen Absicherung, die in der Regel über dem Niveau des Arbeitslosengelds 2 (ALG2) liegt.

Voraussetzungen für eine freiwillige Arbeitslosenversicherung Selbstständiger

Wenn Sie mindestens 15 Stunden in der Woche für Ihre selbstständige Tätigkeit als Restaurator:in aufwenden, gehören Sie zum berechtigten Personenkreis, um Zugang zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung zu erhalten. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass Sie in den letzten 30 Monaten vor der Existenzgründung mindestens 12 Monate lang in der Arbeitslosenversicherung versichert waren, zum Beispiel als Arbeitnehmer:in, mit versicherungspflichtigem Krankengeldbezug oder versicherungspflichtigen Erziehungszeiten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Versicherungspflichtverhältnis durchgehend gegeben war, oder ob Sie einzelne Versicherungszeiten zusammenrechnen. Auch Zeiten der freiwilligen Weiterversicherung können berücksichtigt werden. Das ermöglicht zum Beispiel Auslandsbeschäftigten, die sich nach ihrer Rückkehr ins Inland selbstständig machen, die freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung. Zudem müssen Sie spätestens drei Monate nach der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit einen Antrag auf Versicherung stellen. Eine freiwillige Arbeitslosenversicherung zu einem späteren Zeitpunkt ist nicht möglich. Das heißt, dass für etablierte Soloselbstständige und andere Unternehmer:innen diese Versicherung keine Option darstellt.

Freiwillige Versicherung mehrfach nutzen

Der Antragsteller muss unmittelbar vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit eine Entgeltersatzleistung des Sozialgesetzbuchs III (z.B. Arbeitslosengeld) bezogen haben. Die Dauer des Bezugs spielt dabei keine Rolle. Das Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag in der Arbeitslosenversicherung ist nicht möglich, wenn der oder die Antragsteller bereits anderweitig versicherungspflichtig sind, zum Beispiel als Arbeitnehmer:in, bei Kindererziehungszeiten oder Wehrpflicht oder zu einem Personenkreis gehört, der grundsätzlich versicherungsfrei ist wie Beamte.

Selbstständige können die Möglichkeit der freiwilligen Versicherungen mehrmals nutzen. Es ist möglich, sich als Selbstständige(r) zu versichern, Arbeitslosengeld zu beziehen, wieder eine selbstständige Tätigkeit zu beginnen und nochmals Arbeitslosengeld zu beantragen. Allerdings beschränkt die Bundesagentur für Arbeit die Versicherungsberechtigung insofern, als zwischen der ersten und der zweiten Phase der Arbeitslosigkeit Versicherte mindestens 12 Monate lang in die Arbeitslosenkasse einzahlen müssen. Sonst verweigert die Agentur eine erneute Versicherung.

Wo stelle ich einen Antrag auf freiwillige Arbeitslosenversicherung?

Wer sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern möchte, muss einen Antrag bei der Agentur für Arbeit am Wohnort stellen, und zwar innerhalb der ersten drei Monate der Selbstständigkeit. Antragsteller sind gefordert anhand einer Bescheinigung – beispielweise des Steuerberaters – nachzuweisen, dass sie eine selbstständige Tätigkeit ausüben, die mindestens 15 Stunden wöchentlich beansprucht.

Rabatt für Existenzgründer – die Hälfte des Beitragssatzes für die freiwillige Versicherung

Die Berechnungsgrundlage für die Beiträge liegt momentan bei monatlich 3.290 Euro im Westen und 3.115 Euro im Osten. Der Beitragssatz beträgt momentan (im Herbst 2022) 2,4 Prozent. Für Existenzgründer:innen sieht der Staat einen Rabatt vor. Sie zahlen im Jahr der Gründung und im darauffolgenden Kalenderjahr nur den halben Beitragssatz und werden in der sozialen Absicherung in diesem Fall den Angestellten gleichgesetzt. Für Vollzahlende heißt das im Westen Deutschlands monatliche Kosten von 78,96 Euro und für Existenzgründer:innen Kosten von 39,48 Euro. Im Osten liegen die Beiträge etwas niedriger bei 74,76 Euro für Vollzahlende und 37,38 Euro für Gründer:innen.

Die Beiträge ändern sich, wenn die Bezugsgrößen steigen oder der Gesetzgeber den Beitragssatz anhebt. Die Bezugsgröße der Arbeitslosenversicherung ist mit der Rechengröße der gesetzlichen Rentenversicherung identisch. Sie orientiert sich an der Lohnentwicklung.

Die Höhe des Arbeitslosengeldes für freiwillig versicherte Selbstständige

Im Gegensatz zum Einkommen von Festangestellten kann der Umsatz Selbstständiger von Monat zu Monat stark variieren. Daher lässt sich schwerer errechnen, wie hoch das Arbeitslosengeld für freiwillig versicherte Selbstständige ausfällt. Zur Berechnung der Ansprüche wird ein fiktives Arbeitsentgelt angenommen, wenn Sie in den letzten zwei Jahren vor Beginn der Arbeitslosigkeit nicht mindestens 150 Tage Arbeitsentgelt aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung erzielt haben.

Das fiktive Arbeitsentgelt bemisst sich an der Art der Beschäftigung, auf die die Agentur für Arbeit vermitteln soll, und die dafür notwendigen Qualifikationen. Daraus ergeben sich Richtwerte. Das sind bis zu 1.700 Euro Arbeitslosengeld bei Steuerklasse III ohne Kind im Jahr 2022 in der höchsten Qualifikationsgruppe 1 (Absolventen von Hoch-/Fachhochschulen). In diese Qualifikationsgruppe 1 lassen sich VDR-Restaurator:innen einordnen. Für Handwerksmeister und Fachschulabsolvent:innen wären es laut Qualifikationsgruppe 2 bis zu 1.460 Euro. Die tatsächliche Höhe der Bezüge kann – auch wegen der unterschiedlichen Steuerklasse – abweichen. Unabhängig davon, wie hoch die Arbeitslosenbezüge tatsächlich ausfallen, dürfen bis zu 165 Euro monatlich hinzuverdient werden.

Denken Sie daran, dass Sie als Bezieher:in von Arbeitslosengeld dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und alle Möglichkeiten nutzen müssen, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Dazu gehören auch eigene Bemühungen.

Dauer der finanziellen Unterstützung mit Arbeitslosengeld

Wie lange Sie Arbeitslosengeld erhalten, kommt darauf an, wie viele Monate Sie in den letzten fünf Jahren in die Arbeitslosenkasse eingezahlt haben. Erst ab 12 Monaten erhalten Sie eine Leistung, und zwar überweist die Bundesagentur mindestens sechs Monate lang Lohnersatzentgelt. Waren Sie 20 Monate lang freiwillig versichert, sind dies zehn Monate. Versicherte ab 50 erhalten bis zu 15 Monate Arbeitslosengeld, wenn sie in den letzten fünf Jahren mindestens 30 Monate versichert waren. Sind die Versicherungsnehmer:innen mindestens 58 Jahre alt und können 48 Versicherungsmonate vorweisen, verlängert sich die Bezugszeit des Arbeitslosengeldes auf bis zu 24 Monate.

Eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige – ja oder nein?

Ob die freiwillige Arbeitslosenversicherung sinnvoll ist, muss jeder Selbstständige am Beginn seiner Existenzgründung selbst entscheiden. Mit einer hohen Qualifikation wie der Hochschulbildung im Fach Konservierung-Restaurierung kann es sich lohnen, als Gründer:in diese Absicherung als sogenannten „doppelten Boden“ zu wählen, weil die Hochschulausbildung zur höchsten Qualifikationsgruppe 1 zählt und das Arbeitslosengeld höher liegt als die Leistungen des Arbeitslosengelds II. Es ist individuell abzuwägen, ob die monatlichen Beitragszahlungen diese Investition in die soziale Absicherung rechtfertigen.

Wer bereits etabliert ist – zum Beispiel als Soloselbständige(r) – und sich dennoch finanziell absichern möchte bzw. auch mal mit einer längeren Auftragsflaute rechnen muss, könnte, wenn möglich, als Alternative auch den klassischen Aufbau von Vermögen betreiben. Dies ließe sich später gegebenenfalls zur Altersvorsorge nutzen.

Einen ersten Überblick über die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige gibt es auf dem Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restaurator:innen für Restaurator:innen ist. Sie können keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an Ihren Anwalt oder Steuerberater!

Dr. Christiane Schillig

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