Schöne Madonnen unter die Lupe genommen

Das erste Fachkolloquium im Rahmen des Restaurierungsprogramms Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen fand am 9. April 2010 im LVR-LandesMuseum in Bonn statt. Es berichtet Programmkoordinatorin Christine Kowalski. Im Jahr 2009 stimmte die Jury des Restaurierungsprogramms Nordrhein-Westfalen der Förderung des Projekts „Fünf Skulpturen des 14. und 15. Jahrhunderts“ des LVR-LandesMuseums in Bonn zu. Die Bedeutung der […]

Das erste Fachkolloquium im Rahmen des Restaurierungsprogramms Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen fand am 9. April 2010 im LVR-LandesMuseum in Bonn statt. Es berichtet Programmkoordinatorin Christine Kowalski.

Im Jahr 2009 stimmte die Jury des Restaurierungsprogramms Nordrhein-Westfalen der Förderung des Projekts „Fünf Skulpturen des 14. und 15. Jahrhunderts“ des LVR-LandesMuseums in Bonn zu. Die Bedeutung der Objekte war der Jury deutlich vor Augen, so dass die Empfehlung eines Fachkolloquiums formuliert wurde.
Die eingeladenen Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Skulpturenrestaurierung wurden von Direktorin Dr. Gabriele Uelsberg begrüßt, die noch einmal die Tragweite der Förderung durch die Staatskanzlei und das große Echo auf die laufende Ausstellung „Schöne Madonnen am Rhein“ unterstrich. Die enge Zusammenarbeit zwischen Restauratoren und Kunsthistorikern im Haus hätten zu dieser einzigartigen Ausstellung und dem langfristigen Erhalt der fünf Skulpturen geführt. Die Untersuchungsergebnisse lassen auf weitere bedeutende Erkenntnisse für das Rheinland hoffen.

In den Vorträgen der ausführenden Restauratorinnen – Katharina Liebetrau, Marianne Kalus und Astrid Frenkel – wurde deutlich, dass die vielen früheren Restaurierungen und Renovierungen kaum ein ursprüngliches Erscheinungsbild der Objekte berücksichtigten. Den Restauratorinnen gelang es jedoch, durch ihre akribischen Untersuchungen kleine und kleinste Partikel der Erstfassungen zu entdecken. Mutmaßlich handelt es sich bei diesen sogar um die Originalfassungen, die den Experten durch digitale Rekonstruktionen wieder sichtbar gemacht wurden.
Der Umgang mit der Objektgeschichte jeder Skulptur wurde in der Werkstatt des LVR-LandesMuseums diskutiert. Hier kam die Kompetenz der Expertinnen und Experten zum Tragen, die die verschiedenen Positionen innerhalb der Restaurierung vertraten. „Wie konsequent wollen Sie bei einer Abnahme von Ausbesserungen und früheren Restaurierungen sein?“, fragte Bodo Buczynski, der eigens aus Berlin angereist war. „Restaurierung ist immer subjektiv“, formulierte Marc Peez vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. Deshalb gäbe es immer mehrere Wege, mit solchen Objekten und ihrer Objektgeschichte umzugehen. Besonders intensiv wurde die Skulptur „Stehende Madonna mit Kind“ aus dem Anfang des 15. Jahrhundert diskutiert.
Die Beendigung der Konservierungen und Restaurierungen wird im Laufe dieses Jahres erwartet.

 

Fotos:
(oben) Marianne Kalus erläutert die Ergebnisse zur Skulptur "Stehende Madonna mit Kind", Anfang 15. Jh., Höhe 95 cm, LVR-LandesMuseum Bonn, Inv.Nr. 14105
(unten) Rekonstruiertes Farbschema der stehenden Madonna mit Kind;
Bildnachweis: Marianne Kalus und VDR

von links: Ute Knipprath, Marc Peez, Katharina Liebetrau vor der „Stehenden Madonna mit Kind“
von links: Ute Knipprath, Marc Peez, Katharina Liebetrau vor der „Stehenden Madonna mit Kind“