Teil 21 der Serie „Mit Kalkül“: Smart in die Selbstständigkeit – So finanzieren Sie Ihre Existenzgründung

Sie kennen das bestimmt von anderen oder sich selbst: Unzählige Dinge sind zu bedenken, wenn Sie sich selbstständig machen möchten und fast alles scheint existentiell wichtig zu sein. Da ist […]

Sie kennen das bestimmt von anderen oder sich selbst: Unzählige Dinge sind zu bedenken, wenn Sie sich selbstständig machen möchten und fast alles scheint existentiell wichtig zu sein. Da ist es schwierig Prioritäten zu setzen. Eines sei Ihnen an dieser Stelle wärmstens empfohlen: Betrachten Sie die Finanzierung Ihres Unternehmens als oberste Priorität, denn sie ist ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Gründung und sollte sorgfältig geplant sein. Nicht immer ist ausreichend Eigenkapital für die Selbstständigkeit vorhanden. Finanzplanung ist nicht nur etwas für Profis, sondern gehört zum Handwerkszeug aller erfolgreichen Gründer:innen dazu. Das gilt auch, wenn man „nur“ mit einem Kleinunternehmen startet und zunächst keine hohen laufenden Kosten entstehen.

Gründungsfinanzierung – was ist das?

Aber was versteht man unter Gründungsfinanzierung? Dies sind im weiteren Sinne sämtliche Maßnahmen, die Sie in der Gründungsphase unternehmen, um die erforderlichen Mittel für Ihre Existenzgründung zu beschaffen. Schon die Auflistung Ihrer Kosten ist nach dieser Definition ein Teil der Gründungsfinanzierung. Bei einer kleinen nebenberuflichen Gründung kann die Finanzierung also schlicht darin bestehen, dass Sie Geld für einen Computer, für Fachzeitschriften und neue Visitenkarten vom eigenen Sparkonto abheben (Eigenmittel). Entgegen der Meinung vieler lassen sich die Unternehmensgründungen nicht nur vor Beginn der Selbstständigkeit oder in den ersten Monaten mit Fremdkapital finanzieren oder bezuschussen, sondern in der Regel gilt eine Gründungsphase von drei Jahren, während der Sie Förderungen wie Kredite oder nicht zurückzuzahlende Zuschüsse beantragen können.

Voraussetzung dafür, Fremdkapital zu erhalten, ist es, dass Sie einen wasserdichten Businessplan ausgearbeitet haben und die ökonomischen Faktoren Ihres Vorhabens durchrechnen können: Wie hoch ist der Kapitalbedarf für die Anfangsinvestitionen und die Überbrückung der Anlaufphase? Wie viel Geld werde ich in meinem Unternehmen ausgeben? Wie viel werde ich einnehmen? Wie viel Geld brauche ich zur Deckung meiner privaten Lebenshaltungskosten? Sie benötigen zu Beginn kein perfekt ausgestattetes Atelier oder eine komplexe Website, doch Ihre Geschäftsidee sollten Sie exakt durchkalkulieren. Die Möglichkeiten in Deutschland Zuschüsse, Förderungen oder günstige Kredite zu erhalten, sind vielfältig, aber nicht jede Geldquelle ist für jedes Vorhaben geeignet.

Seriös und solide – die Gründungsplattform des Bundeswirtschaftsministeriums

Auf der Gründerplattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) können Sie sich ganz einfach einen Überblick über das Gründen im Allgemeinen verschaffen, Tipps zum Erstellen und Überprüfen eines Businessplans einholen, sich über verschiedene Rechtsformen informieren sowie last but not least über die Finanzierungsformen und Förderprogramme informieren, die zu Ihrem Restaurierungsunter­nehmen passen. Auch wenn es wie eine Wissenschaft für sich erscheint, die richtige Finanzierung und/oder Förderung für das eigene Projekt zu finden, bahnt das BMWK seinen Usern einen gangbaren Weg durch den Dschungel. Hier die wichtigsten Links, die Sie auch auf weitere interessante Seiten führen:

https://www.existenzgruender.de/DE/Home/inhalt.html

https://www.existenzgruender.de/DE/Gruendung-vorbereiten/Finanzierung/Foerderprogramme/inhalt.html

https://gruenderplattform.de/finanzierung-und-foerderung?ppid=16171

https://www.existenzgruender.de/DE/Gruendung-vorbereiten/Gruendungswissen/Freie-Berufe/inhalt.html

Auf der Existenzgründer-Plattform des BMWK widmet sich eine Unterseite speziell den Freien Berufen. Sie können dort in Kurzform verständlich alles über die Besonderheiten des Restauratorenberufs erfahren, der sich als katalogähnlicher freier Beruf an den Regeln der klassischen Katalogberufe (Architekten, Ingenieure, Mediziner etc.) orientiert und auch beim Gründen einige Besonderheiten gegenüber den gewerblichen Unternehmen hat. Denn als Freiberufler melden Sie bekanntlich kein Gewerbe an und zahlen auch keine Umsatzsteuer, sondern informieren das Finanzamt über Ihre Existenzgründung und erhalten von dort eine Steuernummer.

Institut für Freie Berufe berät und unterstützt Gründer:innen

Ebenfalls speziell für Restaurator:innen zu empfehlen ist das Institut für Freie Berufe (IFB) an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. Aufgrund der Fokussierung ist es eine wichtige Anlaufstelle für Freiberufler:innen, die vor und nach der Existenzgründung fachmännischen Rat und Unterstützung benötigen.

http://ifb.uni-erlangen.de/gruendungsberatung/

Täglich beantworten die Mitarbeiter eine Vielzahl an Fragen, in denen es neben der allgemeinen Frage, welche Besonderheiten für Freiberufler gelten, auch um Haftung geht oder um die Gefahr einer Scheinselbstständigkeit. Neben individuellen Gründungsberatungen bietet das IFB fachspezifische Workshops und Seminare sowie geförderte Coachings für Freiberufler:innen.

Förderkredite der Investitionsbanken und der KfW

Der Staat weiß, dass es für junge Gründer:innen schwer sein kann, einen Bankkredit zu bekommen. Gleichzeitig hat er ein Interesse daran, dass viele neue Unternehmen – besonders durch Frauen – gegründet werden. Deshalb unterstützt er Gründer:innen mit unterschiedlichen Maßnahmen.

Neben kostenfreien Beratungsangeboten wie die anfangs erwähnten durch das BMWK spielen vor allem Förderkredite eine Rolle in der öffentlichen Gründungsförderung. Sie zeichnen sich durch günstige Zinsen und lange Laufzeiten aus und können teilweise auch ohne Eigenkapital aufgenommen werden. Außerdem wird häufig eine tilgungsfreie Anlaufphase bis zu drei Jahren gewährt. Dadurch wird Ihre Liquidität gerade in der Anfangsphase, in der die Kosten hoch sind und die Umsätze nur langsam steigen, geschont.

Förderkreditgeber sind regionale Akteure – vor allem die Landesförderinstitute der Bundesländer (meist genannt „Investitionsbank für …“) und bundesweite Akteure – vor allem die KfW. Die meisten Förderkredite werden aber über die Hausbank ausgereicht, das heißt, bei Ihrer Hausbank wird entschieden, ob ein Förderkredit in die Finanzierung eingebunden werden soll, und es wird geprüft, ob Ihre Unterlagen ausreichend sind.

Gründungszuschuss und Einstiegsgeld der Agentur für Arbeit

Der sogenannte Gründungszuschuss kann Empfänger:innen von Arbeitslosengeld I als finanzielle Unterstützung in der Anfangsphase der Selbstständigkeit dienen. Da ein Unternehmen nur sehr selten vom ersten Tag an profitabel ist, erhält der Gründer bis zu 15 Monate lang einen Zuschuss zum zuletzt erhaltenen Arbeitslosengeld in Höhe von 300 Euro monatlich zur sozialen Absicherung.

https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslosengeld/existenzgruendung-gruendungszuschuss

Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle Bezieher:innen von Arbeitslosengeld I, unter Umständen auch anderer Leistungen nach Sozialgesetzbuch III, wenn sie noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen haben und mit der Gründung eines Unternehmens ihre Arbeitslosigkeit beenden möchten. Voraussetzung dafür ist, dass Sie den Zuschuss bei der Agentur für Arbeit persönlich beantragen, die Selbstständig­keit hauptberuflich ausüben und damit Ihre Arbeitslosigkeit beenden. Außerdem muss eine fachkundige Stelle bescheinigen, dass Ihr Geschäftsmodell und Ihre persönlichen Voraussetzungen eine Existenzgründung und einen langfristigen Erfolg in der Selbstständigkeit ermöglichen. Fachkundige Stellen sind zum Beispiel die IHK oder Banken.

Das sogenannte Einstiegsgeld können Empfänger des Arbeitslosengeld II beantragen, die sich selbstständig machen möchten. Dieser Zuschuss wird maximal 24 Monate lang gezahlt. Die Höhe der Förderung wird individuell bemessen.

Top Ten der Fördermöglichkeiten

Sehr hilfreich ist die Website der Initiative „Deutschland startet“. Auf dieser Plattform sind  übersichtlich und verständlich zehn Möglichkeiten zusammengestellt, wie man sein junges Unternehmen vom Staat, von Banken, anderen Institutionen oder Privatpersonen mitfinanzieren lassen kann. Wichtig zu wissen: Hier geht es nicht speziell um das Gründen eines Unternehmens durch Freiberufler:innen, so dass Sie die für Sie passenden Programme aus der Auswahl filtern müssen.

https://www.deutschland-startet.de/top-10-foerdermoeglichkeiten/

Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restaurator:innen für Restaurator:innen ist. Sie können keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an Ihren Anwalt oder Steuerberater!

Dr. Christiane Schillig

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