Teil 20 der Serie „Mit Kalkül“: Sicher in die Zukunft – So bauen Sie auf drei Säulen der Altersvorsorge

Betriebsrente, Riester- oder Rürup-Rente oder lieber eine Lebensversicherung, Aktienfonds oder Immobilien? Für die Altersvorsorge gibt es viele Möglichkeiten, kostspielige und günstige, risikobelastete und relativ sichere, renditearme. Sich den Durchblick zu verschaffen […]

Betriebsrente, Riester- oder Rürup-Rente oder lieber eine Lebensversicherung, Aktienfonds oder Immobilien? Für die Altersvorsorge gibt es viele Möglichkeiten, kostspielige und günstige, risikobelastete und relativ sichere, renditearme. Sich den Durchblick zu verschaffen und dann noch die richtige Wahl zu treffen, fällt schwer. Trotzdem ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn es geht darum, Armut im Alter zu verhindern.

Angestellte und Beamte verlassen sich oftmals auf die gesetzliche Rentenversicherung, während Selbstständige in den Jahren der Gründung ihres Unternehmens mit vielen anderen Versicherungsfragen mehr als beschäftigt sind. Wir als VDR möchten uns an dieser Stelle der Altersvorsorge für Restaurator:innen widmen, weil wir aus vielen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen heraushören, wie sehr dringliche Fragen verdrängt werden. Die Zahlen des Allensbacher Instituts für Demoskopie bestätigen den Eindruck. Demnach sind über die Hälfte aller Selbstständigen gar nicht oder nur unzureichend für das Alter abgesichert.

Das Niveau der gesetzlichen Rente sinkt

 

Hinzu kommt, dass die gesetzliche Rente voraussichtlich immer weniger zum Einkommen im Alter beitragen wird. Die anhaltend niedrige Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung fordern von der gesetzlichen Rentenversicherung ihren finanziellen Tribut. Immer weniger Erwerbstätige müssen mit ihren Beiträgen immer mehr Renten finanzieren. Die Folge: Das Rentenniveau sinkt. Außerdem wird der steuerpflichtige Teil der Rente schrittweise steigen.

Privat für das Alter vorzusorgen, ist daher wichtig. Es wird geraten, dies mit den sogenannten drei Säulen anzugehen. Ein Patentrezept können wir Ihnen hier nicht liefern, zu sehr hängt die richtige Lösung damit zusammen, in welcher Lebens- und Einkommenssituation Sie sich befinden, welcher „Anlagetyp“ Sie sind – risikofreudig oder vorsichtig – und natürlich, ob Sie selbstständig oder angestellt arbeiten. Denn nicht jeder kann jede Vorsorgeform wählen.

Etwas einfacher ist es als gesetzlich Rentenversicherter: Die Deutsche Rentenversicherung informiert Sie unaufgefordert bereits ab dem 27. Lebensjahr regelmäßig über Ihre bisher erworbenen Rentenansprüche, sofern Sie mindestens fünf Jahre Beitragszeiten haben. Außerdem wird Ihre voraussichtliche Rentenhöhe im Alter hochgerechnet und der aktuelle Stand der Erwerbsminderungsrente erläutert. So können Sie frühzeitig prüfen, ob und in welchem Umfang eine ergänzende betriebliche oder private Altersvorsorge notwendig ist.

Erste Säule – die Basis

 

Damit werden alle Vorsorgelösungen bezeichnet, die für die künftigen Rentner eine Basisversorgung sicherstellen sollen. Dazu gehört zum einen die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung, der alle Angestellten und manche Selbstständige wie viele Handwerksberufe verpflichtend angehören.

Zum anderen zählen dazu die berufsständischen Versorgungswerke, über die bestimmte freie Berufe – Ärzte, Apotheker, Anwälte, Architekten, Steuerberater und andere – obligatorisch abgesichert sind. Anders als die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung legen Versorgungswerke die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an – dabei zahlt jeder Versicherte für seine eigene Rente ein.

Auch Freiberufler müssen damit rechnen, dass sie künftig weniger Rente aus den Versorgungswerken beziehen. Die anhaltenden Niedrigzinsen drücken mittlerweile auf die Erträge. Den Anbietern fällt es immer schwerer, das Rentenniveau für ihre Mitglieder zu sichern. Auch Freiberufler sollten sich daher mit den zusätzlichen Vorsorgemöglichkeiten auseinandersetzen.

Wer keine verpflichtende Basisabsicherung hat – Selbstständige, die weder freiwillig in der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung versichert, noch Mitglied in einem Versorgungswerk sind –, müssen sich komplett selbst um ihre Rente kümmern. Sie sollten sich in jedem Fall damit befassen, welche Möglichkeiten es gibt.

Zweite Säule – geförderte private Vorsorge

 

Zur zweiten Säule der Altersvorsorge zählen geförderte Vorsorgeverträge, insbesondere die betriebliche Altersvorsorge und die private Riester-Rente. Sie ist in den letzten Jahren in Verruf geraten, weil sie nicht für alle sinnvoll ist. Bei der betrieblichen Altersvorsorge sparen Arbeitnehmer oft in klassische Ren­ten­ver­si­che­rungen an, die der Arbeitgeber ausgewählt hat (Direktversicherung). Als Arbeitnehmer haben Sie auf die betriebliche Altersvorsorge sogar grundsätzlich einen gesetzlichen Anspruch. Sie zahlen auf ihre Beiträge keine Steuern und Sozialabgaben. Wenn der Arbeitgeber – das kann er freiwillig – noch etwas dazugibt, lohnen sich solche Verträge in den meisten Fällen: Als Faustregel gelten die eingesparten Sozialbeiträge von etwa 20 Prozent.

Die Riester-Rente kommt vor allem für Angestellte infrage. Riester-Verträge sind zwar oft private (fondsgebundene) Ren­ten­ver­si­che­rungen oder Fondssparpläne, die allerdings staatlich gefördert werden. Einerseits zahlt der Staat Zulagen, andererseits lassen sich Beiträge von der Steuer absetzen. So profitieren kinderreiche Familien von den Zulagen und alleinveranlagte Gutverdiener vor allem vom Steuervorteil. Die Renditechancen sind jedoch überschaubar: Weil Anbieter eine Beitragsgarantie geben müssen, legen sie risikoarm an. Das mindert die Chancen auf eine hohe Rendite. Je nach Anlageform sind die staatlichen Zulagen derzeit die einzige Rendite. Die Riester-Rente wird in der Regel mit dem offiziellen Rentenbeginn standardmäßig als lebenslange Rente ausgezahlt. 30 Prozent können auch als Kapital ausgezahlt werden. Eine vorzeitige Auszahlung der Riester-Rente ist nicht möglich.

Spätere Renten aus dieser zweiten Säule müssen Sparer mit ihrem persönlichen Steuersatz im Alter versteuern. Bei Betriebsrenten zahlt man im Alter zudem die vollen Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Umso wichtiger ist es, dass der Arbeitgeber ebenfalls einen Beitrag zur Betriebsrente leistet.

Dritte Säule – private Vorsorge

 

In die dritte Säule fallen alle privaten Vorsorgeverträge ohne besondere Förderung, also klassische oder fondsgebundene private Le­bens- oder Ren­ten­ver­si­che­rungen. Die Beiträge für solche Sparformen führen Verbraucher aus ihrem Nettogehalt ab – das heißt, sie haben bereits Einkommensteuer auf die Beiträge abgeführt.

Als Ausgleich dafür zahlen Sparer in der Ansparphase keine Steuern auf Dividenden- oder Zinserträge. Und auch die späteren Renten sind nur geringfügig besteuert, nämlich mit dem sogenannten Ertragsanteil. Wie hoch dieser ist, kann nachgelesen werden. Eine Tabelle zum Ertragsanteil findet man im Paragraf 22 des Einkommensteuergesetzes. Wer sich das angesparte Kapital auf einmal auszahlen lassen möchte, bezahlt den persönlichen Einkommensteuersatz auf die Hälfte der Summe.

Säule 0 – freie Kapitalanlage

 

Über die drei Säulen hinaus können sich Sparer selbstverständlich auch überlegen, flexibel – also ohne eine Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung – anzusparen. Das geht zum Beispiel mit einem Sparplan auf börsengehandelte Aktien-Indexfonds (ETF-Sparplan). Dabei fließen monatlich geringe Raten von 50 Euro oder 100 Euro in einen kostengünstigen Aktien-Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF). Alternativ können Sparer auch einmalig einen größeren Betrag in einen Aktienfonds oder ETF anlegen. Es wird geraten, langfristig dabeizubleiben und einen Fonds zu wählen, der viele Aktien aus unterschiedlichen Ländern, Branchen und Währungen enthält. Dann gleichen sich Schwankungen an den Börsen eher aus, und die Chance auf eine gute positive Jahresrendite nimmt zu.

Wer Geld flexibel anlegt, kommt nicht in den Genuss spezieller steuerlicher Vorteile. Beiträge in ETFs beispielsweise bezahlt der Sparer aus dem bereits besteuerten Nettoeinkommen. Zins- oder Dividendeneinnahmen und spätere Verkaufserlöse muss er dann erneut mit dem Abgeltungssteuersatz besteuern. Je nach persönlicher Risikofreude und Kenntnisstand des Aktienmarktes ist es möglich, sein Geld in einzelne Aktien anzulegen.

Selbst, wenn sie nicht immer gemeinsam mit den sonstigen Vorsorgelösungen genannt werden, können sich auch Immobilien zur Altersvorsorge eignen. Allerdings steigen die Preise für Immobilien von Jahr zu Jahr, vor allem in den größeren Städten und Ballungsräumen. Niedrige Finanzierungskosten wiegen daher die (zu) teuren Kaufpreise nicht unbedingt auf. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte also genau abwägen. Ebenfalls wichtig: Bei selbst genutzten Immobilien gibt es Steuervorteile. Sowohl die Wertsteigerungen und auch monatlichen Erträge in Form der eingesparten Miete sind steuerfrei.

Geplante Änderungen bei der Altersvorsorge der Selbstständigen

 

Die Corona-Pandemie hat für viele Selbstständige, vor allem Solo-Selbstständige, gezeigt, dass es bei der Mehrzahl nicht nur an Rücklagen mangelt und sie schnell auf die Grundsicherung angewiesen sind, sondern auch, dass sie die Altersvorsorge nur rudimentär betreiben können.

Vor diesem Hintergrund will die Bundesregierung einen erleichterten Zugang zur gesetzlichen Altersvorsorge schaffen: Für alle neuen Selbständigen, die keinem obligatorischen Alterssicherungssystem unterliegen, soll nach dem neuen Koalitionsvertrag ab einem bisher noch nicht festgelegten Stichtag eine Pflicht zur Altersvorsorge mit Wahlfreiheit eingeführt werden. Selbstständige werden in der gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert sein, sofern sie nicht über ein unbürokratisches „Opt-Out“ ein privates Vorsorgeprodukt wählen, das insolvenz- und pfändungssicher ist. Vor dem Hintergrund, dass in den ersten Jahren einer Selbstständigkeit häufig weniger Geld zur Verfügung steht, soll zudem eine Karenzzeit von zwei Jahren gelten.

Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restaurator:innen für Restaurator:innen ist. Sie können keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an Ihren Anwalt oder Steuerberater!

Dr. Christiane Schillig

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