„Der VDR ist für mich ein Beispiel für positive Energie“ – Jan Raue verabschiedet sich als Präsident des VDR

Liebe Mitglieder des VDR, nach den zurückliegenden Jahren der Präsidentschaft für den VDR ist nun die Gelegenheit gekommen, Bilanz zu ziehen und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten. Für mich gehen an dieser Stelle elf Jahre im Vorstand, davon fünf als Sprecher der FG Wandmalerei, zwei als Vize- und vier als Präsident zu Ende. […]

Liebe Mitglieder des VDR,
nach den zurückliegenden Jahren der Präsidentschaft für den VDR ist nun die Gelegenheit gekommen, Bilanz zu ziehen und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten. Für mich gehen an dieser Stelle elf Jahre im Vorstand, davon fünf als Sprecher der FG Wandmalerei, zwei als Vize- und vier als Präsident zu Ende. In dieser Situation gestatten Sie es mir, neben den rein fachlichen und berufspolitischen Bemerkungen auch ein paar persönliche Gedanken zu äußern.

Rückblick voll Anerkennung

Blicke ich weit zurück, hat meine Generation den Verband in vergleichsweise unruhigen Zeiten übernommen. Die Vereinigung der sieben Vorgängerverbände war eine große, ja, historische Leistung. Sie ist das bleibende Verdienst der Kolleginnen und Kollegen, die die 1990er und 2000er-Jahre mitprägten. Die relativ kurze, zurecht euphorische Phase nach der gelungenen Vereinigung mündete in einen Abschnitt, in dem der „große“ VDR seinen Platz und seine Methoden erst finden musste. Es erscheint fast logisch, dass bei der Harmonisierung teils recht unterschiedlicher Ausgangslagen und Traditionen der Einzelverbände auch Spannungen auftraten. Unserem Vorvorgängerpräsidium unter der Führung Volker Schaibles ist es mit der Unterstützung Katharina Trifterers als Geschäftsführerin gelungen, diese Spannungen in produktive Kanäle zu leiten und ein modernes Selbstverständnis des VDR herauszubilden. Unsere Fach-, Landes- und Interessengruppen haben eine herausragende Rolle bei der Konsolidierung des vereinigten, großen Verbands gespielt und nehmen diese in vollem Umfang weiterhin wahr.

Unsere unmittelbaren Vorgänger im Präsidium, ich nenne aus diesem Kreis nur Christian Leonhardt als Präsident und Renate Poggendorf, die über das Modellieren an Satzung und Geschäftsordnung die Zweckmäßigkeit unserer Gremien und Regularien formte, hatten bereits einen konsolidierten und sehr gut arbeitsfähigen Berufs- und Fachverband übernommen. Susanne Danter, Ralf Buchholz, Ricarda Holly u.a. waren und sind uns wunderbare Wegbegleiter der Jahre beim VDR. Ich bitte um Verständnis, dass ich, so gern ich wollte, hier nicht alle nennen kann, die sich überdurchschnittliche Verdienste im ehrenamtlichen Engagement erworben haben – es würde einfach den Rahmen sprengen.

2011 war, so erinnere ich mich, ein Jahr in dem wir den Eindruck gewinnen konnten, der Berufsstand der Restauratorinnen und Restauratoren „habe es geschafft“, sei angekommen in einer Kultur der Wertschätzung seiner Vertreter und Würdigung seiner Prinzipien des bestmöglichen Erhalts des kulturellen Erbes. Ich spiele hiermit auf den Erlass des Restauratorengesetzes durch das Parlament des Landes Sachsen-Anhalt an, des zweiten solchen Gesetzes nach dem des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 1998. Es sah so aus, als könnten endlich die verdienten Früchte der anstrengenden Arbeit geerntet werden.

Alte Ziele, neue Wege in Europa

Die nächsten Ländergesetze purzelten uns aber nicht wie erwartet nicht in den Schoß und die unendliche Arbeit für den Beruf ging scheinbar einfach so weiter. Wir haben auf dem Weg aber etwas ganz Entscheidendes gelernt: Wir vertrauen auf unsere eigenen Stärken! Wir leben unser Verbandsleben selbstbewusst, wir freuen wir uns an den zahlreichen Fachtagungen, Weiterbildungsseminaren, unseren wissenschaftlichen Publikationen und – neuerdings – dem wunderbaren festlichen Event des Europäischen Tags der Restaurierung! Denn das ist alles selbstgemacht, selbstbezahlt und selbstgestemmt! Ein toller Webauftritt: bei uns alles mit den VDR-Mitgliedsbeiträgen verwirklicht! Das erhält uns nebenbei – was nichts Geringes ist! – auch unsere Unabhängigkeit und wir können mit Recht stolz auf diese Leistungen sein!

Durch unseren europäischen Dachverband E.C.C.O. sind wir auf europäischer Ebene bestens vernetzt, und es ist mir in dem Zusammenhang ein großes Bedürfnis, unserer langjährigen E.C.C.O.-Delegierten, der Generalsekretärin Anja Romanowski, herzlich zu danken. Wir Restauratoren tragen die Notwendigkeit des Ländergrenzen übergreifenden Schutzes und der Idee der gemeinsamen Verantwortung für ein großartiges kulturelles Erbe voller Überzeugung mit. Das Europäische Jahr des Kulturellen Erbes 2018 war sichtbarer Ausdruck dafür. Europa, das heißt für uns auch Achtung vor den Traditionen der Nachbarn. Deswegen ist eine alles überlagernde Dominanz nur einer Seite der Akteure am Denkmal in Europa fremd. Europa denkt nicht rein wirtschaftlich, Europa ist nicht nur Lobbyraum, Europa ist zum Glück auch ein von Verantwortung für das Erbe geprägter Kulturraum, der uns stärken kann. Es macht uns sehr stolz, über E.C.C.O. dazuzugehören und damit Teil der europäischen Stimme der fachgerechten Konservierung und Restaurierung zu sein. Darum kann ich voller Überzeugung sagen: Unsere Zukunft liegt in Europa.

Starke Partner im Land

Ein wirklicher Durchbruch in Richtung Konsolidierung der beruflichen Situation und Stärkung der Perspektiven war die in Brandenburg als Pionierleistung vollbrachte Aufnahme der Restauratoren in die Ingenieurkammer. Ein kleiner Schritt für Werner Koch und Olaf Schwieger als entscheidenden Protagonisten, ein großer Sprung für die Restauratorenschaft! Vor allem Präsident Matthias Krebs und dem inzwischen ehemaligem Geschäftsführer Dr. Martin Wulff-Woesten gilt unser nachhaltiger Dank! Inzwischen haben Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt nachgezogen, weitere Landes-Ingenieurkammern zeigen sich aufgeschlossen. Weiterbildung, Augenhöhe im Planerkreis, Altersvorsorge, Berufshaftpflicht-Versicherung für Planende sowie Honorarempfehlungen sind die entscheidenden Pluspunkte unserer Unterverkammerung bei den Ingenieuren. Hier zeigt sich, dass unsere Anstrengungen alles andere als nutzlos waren! In Potsdam spüren wir bereits die Vorteile des Vom-Ende-her-Denkens, was die beruflichen Chancen in der Restaurierung betrifft: Seit dem verstärkten Bemühen um die Konsolidierung der Perspektiven der Absolventen steigen auch die Bewerberzahlen wieder langsam an!

Dass in diesem Herbst der Verband erneut damit beauftragt wurde, das Restaurierungsprogramm Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen zu koordinieren, spricht für sich. Seit nunmehr elf Jahren arbeitet unsere eigens eingerichtete Koordinationsstelle eng mit den Vertretern des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft zusammen. In jährlich stattfindenden Jurysitzungen, zu deren Mitgliedern ich mich in den letzten Jahren zählen durfte, wird über eingehende Förderanträge zu unterschiedlichen Restaurierungsprojekten auf höchstem Qualitätsniveau beraten und entschieden.
Nach wie vor ist das Programm bundesweit einzigartig. Vielleicht gelingt es in den nächsten Jahren, auch in den anderen Bundesländern vergleichbare Initiativen zu starten.

Den Denkmalbehörden in Ländern und Kreisen danke ich für die exzellente Zusammenarbeit. Die korrekte Ausschreibung restauratorischer Leistungen ist das A und O der fachlich hochklassigen Erhaltung der Denkmäler. Die Landesämter und Unteren Schutzbehörden haben an der Stelle eine große Verantwortung, der sie in aller Regel hervorragend gerecht werden. Dank an Dr. Markus Harzenetter als Vorsitzendem der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger für seine klare Haltung zu den Belangen des Denkmalschutzes in der großen Tradition der Charta von Venedig!

Der Ansatz, unsere Positionen zu stärken, indem wir sie freundlich und kollegial in der Öffentlichkeit vertreten, gilt für alle Bereiche unserer Partnerschaften. Ich spreche von den Museen, zu denen wir nicht zuletzt über den Deutschen Museumsbund (DMB) beste partnerschaftliche Beziehungen pflegen. Der schönste Ausdruck dafür ist die Einladung, die DMB-Präsident Prof. Dr. Eckart Köhne ausgesprochen hat, in diesem Jahr, 2019, in seinem Haus, dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe, den Europäischen Tag der Restaurierung auf nationaler Ebene zu eröffnen. Das ist eine große Anerkennung unserer fachlichen Arbeit. Wir sind vielleicht nicht immer einer Meinung, was die Reisefähigkeit von Kunstwerken oder andere Entscheidungen zum bestmöglichen Handling der Museumsschätze betrifft, aber wenn dabei „gestritten“ wird, dann geschieht das respektvoll und fachlich und ist am Besten des Museumsbestandes und damit am Gemeinwohl orientiert. Wir sind der Überzeugung, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in den Museen eine hervorragende fachliche Arbeit auf Augenhöhe mit den Kunsthistorikern und Kustoden leisten. Ich bin mir auch sicher, dass die meisten Museumsdirektorinnen und -direktoren die angemessene Eingruppierung ihrer Restauratorinnen und Restauratoren tatkräftig befördern. Mir ist bewusst, dass die interne finanzielle Situation der Häuser nicht immer einfach ist, und dass dieser Prozess vielleicht nicht so rasch vorangeht, wie wir es gemeinsam wünschen, er aber gleichwohl unaufhaltsam ist. Hierzu wünsche ich meinen Nachfolgerinnen viel diplomatisches Fingerspitzengefühl.

Fachliche Impulse aus der Mitgliedschaft ...

In den letzten vier Jahren haben 28 Fachtagungen mit teils internationaler Ausrichtung stattgefunden, u. a. „Collecting and Conserving Performance Art“, „Kulturerbe Siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft“, „Im Fokus: Licht!“, „Trompe L‘Oeil“, „Im Wandel der Zeiten – Möbel um 1800“, „3D – Durchblick oder Datenmüll?“, „Textilobjekte mit Geschichte“, „Die Fassung bewahren“, 22 Exkursionen, 15 Seminare und Workshops sowie 5 Messebeteiligungen. Außerdem können wir die Veröffentlichung von 13 Tagungsbroschüren mit Zusammenfassungen der Vorträge und 5 Fachpublikationen vorweisen. Ist das nicht überwältigend? Kann es da noch Fragen geben, was den Unterschied zwischen unserer Konservierung-Restaurierung und der gewerblichen Wiederherstellung ausmacht? Wo das Herz des Fortschritts in Wissenschaft, Technologie und Philosophie der Restaurierung schlägt? Danke dafür allen beteiligten Fachgruppen!

... mit Rückenwind aus Bonn UND Berlin!

Ich möchte hier den Mitarbeiterinnen und dem einen Mitarbeiter des VDR für ihre täglich großartige Arbeit von ganzem Herzen danken. Unsere neue Geschäftsführerin, Dr. Christiane Schillig, hat sich innerhalb kürzester Zeit hervorragend in ihre vielfältigen Aufgaben eingearbeitet und sich bereits heute, nach reichlich einem Jahr der Zugehörigkeit zum VDR, als zentrale Stütze der Geschäftsstelle in Bonn etabliert. Alle Mitarbeiterinnen in Bonn, Nadine Limberger, Doris Theissen und Simone Heuken, Patricia Brozio, Stefanie Bründel, Julia Kun und Henrike Steinweg, nicht zu vergessen unsere derzeitige Auszubildende Alina Bökert, harmonieren auf fantastische Weise miteinander und sind jederzeit in der Lage, den VDR-Tanker auf Kurs zu halten. In der Vergangenheit war gelegentlich eine leichte Unwucht zwischen dem überbordenden ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder in den Funktionen und einer dann und wann beklagten Überlastung der Angestellten zu spüren. Dies hat sich im letzten Jahr zum Glück vollkommen aufgelöst, was ich auch den hinzugewonnenen sozialen und fachlichen Kompetenzen zuschreiben kann.

Die publizistischen Vorerfahrungen von Christiane Schillig haben sie auch befähigt, die Situation der VDR-Beiträge, unserer tradierten Fachzeitschrift, weiter zu stabilisieren und produktiv am Zukunftskonzept mitzuarbeiten. Die alte und neue Redaktionsleitung leistet wunderbare publizistische Arbeit für unser Fach und den Verband – wir ehren dies heuer durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des VDR an Dr. Cornelia Weyer. Dank auch an Dr. Ute Stehr für das Schultern der Aufgabe der Redaktionsleitung!

Das Erscheinungsbild des VDR hat sich unter Mitwirkung von Patricia Brozio, der Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit, in den letzten vier Jahren modernisiert und verschlankt. Dank der fruchtbaren Kooperation mit dem Designer Fritjof Wild in Köln ist unsere Corporate Identity nun klar und frisch, orange und schwarz-weiß. Mir gefällt das außerordentlich gut und es macht mir Freude bei jeder neuen Publikation aus unserem Hause. Der Newsletter, der Monat für Monat, u.a. in der Verantwortung Gudrun von Schoenebecks, entsteht, hat sich mit nun bereits über 100 Ausgaben zur zentralen Informationsplattform der Restauratorenschaft in Deutschland etabliert.

Endlich: Wir haben nicht nur einen Koffer, nein, eine ganze VDR-Dependance in Berlin, besetzt durch unseren einzigen Mann in der Geschäftsstelle, den Berufspolitischen Referenten des VDR, Paul Grasse! Der langgehegte Wunsch, in der Hauptstadt die Fahne des VDR hochzuhalten und damit auch die zahlreichen zentralen Termine wahrnehmen zu können, ohne dass Tausende Kilometer Fahrtkosten investiert werden, aber auch ohne dass Informationsverluste durch ständig wechselnde Teilnehmer des VDR eintreten, hat sich damit erfüllt. Wie schön, dass alle früher damit verbundenen Sorgen bezüglich Verlagerung der gesamten Geschäftsstelle, geschweige Verlusten von Arbeitsplätzen, dabei komplett ausgeräumt werden konnten!

Seit dem Votum der Mitgliedschaft auf der 16. Mitgliederversammlung in Leipzig 2018 haben wir eine Rechtshilfekosten-Unterstützung (RKU) im VDR, um Mitglieder, die in gerichtliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung verwickelt werden, in die Lage zu versetzen, die Rechtsstreitigkeiten auch durchzustehen. Sie sollten nicht länger gezwungen sein mangels finanziellen Durchstehvermögens gegen Gegner klein beigeben zu müssen. Das stärkt unsere Mitglieder, das stärkt den VDR.

Für alle diese neuen Errungenschaften kamen wir nicht umhin, im letzten Jahr die Beiträge um stolze 30 Prozent anzuheben: Eine an sich beachtliche Erhöhung, die sich jedoch relativiert, wenn man bedenkt, dass die Beiträge 17 Jahre stabil gehalten worden waren. Es ist somit kaum mehr als der Ausgleich der Inflation all dieser Zeit. Präsidium und Vorstand haben sich die Erhöhung alles andere als leicht gemacht, und ich verschweige nicht, dass wir eine Austrittswelle befürchtet hatten. Wir wissen, wie schwer sich für viele unserer Mitglieder die Einkommenssituation darstellt. Es ist aber, im Gegenteil, ein kleines Wunder eingetreten. Aus unserer einfach einzigartigen Mitgliedschaft ist eine extrem geringe Zahl von Austritten im unteren einstelligen Bereich mit der Begründung der Erhöhung eingegangen. Jeder Austritt ist für uns schmerzlich, doch diese in Relation überaus geringe Zahl war das schönste Kompliment, der größte Vertrauensbeweis, der möglich war. Dafür bedanken sich alle, die beim VDR Verantwortung tragen, bei allen unseren Mitgliedern.

Nicht alle Projekte konnten bisher schon 1:1 umgesetzt werden, um manche ringen wir nach wie vor, so z.B. um den schon so lange von vielen gewünschten Preis für wissenschaftliche Restaurierung des VDR. Ich möchte dem FKR für die geleistete Arbeit aufrichtig danken. Ich habe Respekt für alles, was bislang versucht worden ist. Mit ein bisschen Kompromissfähigkeit und Glück schaffen wir es vielleicht noch, zukünftig durch aktive zentrale Steuerung durch den VDR auch hier eine gute Ausgangsposition für die Nachfolger und die Vollendung der Idee zu schaffen. Ich bin vorsichtig optimistisch!

Als ein Beispiel für die positive Energie, die der VDR seinen Ehrenamtlichen zurückgeben kann – und damit als Werbung, in den Führungsgremien einzusteigen! – möchte ich abschließend FORWARD nennen, das aus dem Boden gestampfte „Forum Wissenschaftliches Arbeiten in Restaurierung und Denkmalpflege“ im Frühjahr 2017. Von der ersten Idee über die Umsetzung an der HTW in Berlin (danke, Tatjana Held!) bis zur exzellenten Publikation war das für alle Beteiligten trotz der vielen Arbeit eine große Bereicherung. Nie vor- und nie nachher habe ich erlebt, im Kreis der Gleichgesinnten in einer berufspolitischen Frage so kreativ und wirksam sein zu können. Ich nutze dieses Beispiel gern, um Werbung für die Übernahme einer leitenden Funktion im VDR zu machen – wir sind ein „Laden“, wo man die Abwesenheit von Bürokratie, Schwerfälligkeit und Resignation erleben und genießen kann. Wo gibt es das so noch einmal?!

Baustellen

Kurz vor Schluss noch ein Einschub zu dem, was noch nicht abschließend gelungen ist, wo die offenen Baustellen auf die Nachfolger warten. Ich habe kein Problem, diese anzusprechen, da unglaublich viel Energie von uns in diese gesteckt worden ist.

In der Phase ab 2013, in der ich in das Präsidium des VDR mit einstieg, erstarkten aufseiten unserer bisherigen Partner im Handwerk neue Kräfte, die mit der kooperativeren Politik ihrer Vorgänger nicht vertraut waren. Der VDR hatte sich bis dahin und hat sich seither immer seiner Selbstverpflichtung aus dem Kooperationsvertrag mit dem ZDH gestellt. Es ist uns Restauratorinnen und Restauratoren gelungen, auf der Basis der außerordentlich kollegialen Zusammenarbeit in der Praxis, eine Kultur der Anerkennung und Unterstützung für die Vertreter der Restauratoren im Handwerk zu entwickeln. Wenn aber die politische Seite des Handwerks jedem Handwerksmeister die Berechtigung verleihen möchte, sich „Restaurator“ zu nennen, wird die Chance vergeben, Qualitätssicherung und Verbraucherschutz endlich bundesweit zu verwirklichen. Andere europäische Länder, denken wir an das in kultureller Hinsicht so maßgebliche Italien, sind da inzwischen weiter.

Wie alle unsere VDR-Mitglieder wissen, bleiben unsere Diplom-Restauratoren (FH) trotz ihrer meist sechsjährigen Ausbildung (2 Jahre Vorpraktikum, 4 Jahre Hochschulstudium) auf Beschluss der Kultusministerkonferenz leider auf dem DQR-6 festzementiert. Profitiert haben währenddessen die Kolleginnen und Kollegen der RiH, für die die Handwerksführung zukünftig die Einordnung in den Deutschen Qualifikationsrahmen auf Stufe 7 (DQR-7) durchsetzen möchte. Zeitgleich klagt die Zusatzversorgungskasse des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks eines unserer Mitglieder, FH-Diplomabsolvent ohne handwerklichen Berufsabschluss, durch alle Instanzen, um ihn zum Handwerker zu erklären und entsprechend abgabepflichtig zu machen. Zufall oder nicht, in beiden Fällen geht es zentral um unser Selbstverständnis als Freier Beruf und die Frage der gesellschaftlichen Wertschätzung unserer Leistungen.

Ich darf darauf hinweisen, dass die o.g. Klage gegen unser Mitglied in allen bisherigen Instanzen gescheitert ist. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch in der letzten Instanz der Fall sein wird! Und zum anderen Thema: Wir werden genau beobachten, ob die Inhalte der erweiterten Ausbildung zum RiH die Qualifikationsstufe DQR-7 objektiv rechtfertigen, d.h. dem Master auf Universitätsniveau gleichwertig sind. Sollten gravierende Diskrepanzen sichtbar werden, müssen diese auf allen bildungspolitischen Ebenen angesprochen werden.

Wie schon oft zuvor, habe ich zuletzt vor zwei Wochen bei der Jahresversammlung des Deutschen Nationalkomitees in Naumburg, 28.10.19, wiederholt: Die Akteure im Bereich Denkmal und Museen haben überhaupt gar keine andere vernünftige Option, als sich gegenseitig zu stärken! – Wenn eine von beiden Seiten weiter glaubt, sich auf Kosten der anderen profilieren zu können, werden alle darunter leiden, werden weiter aller Interessen und damit letztlich auch der Fortbestand des kulturellen Erbes Schaden nehmen. Und genau das bemerken wir ja auch schon: zurückgehende Bewerberzahlen in allen Bereichen der Denkmalpflegeberufe, ob im Handwerk oder bei den Akademikern! Ich wünsche mir, dass sich das Handwerk und die Restauratoren auf der politischen Ebene endlich genauso achtungsvoll und gegenseitig stärkend begegnen, wie dies immer noch und allem zum Trotz auf der berufspraktischen Ebene der Denkmalbaustellen gute Tradition ist. „Mission accomplished!“ kann ich hier leider nicht vermelden (das ist, scheint’s, den ganz großen Präsidentenkollegen vorbehalten).

Merci

Aus diesem für die Leser sicher viel zu umfangreich geratenen Rückblick lassen sich sicher einige Aufgaben des VDR für die Zukunft ableiten. Weiter möchte ich gar keine Richtungen vorzugeben versuchen. Das vor uns liegende Unbekannte wird Entscheidungen erfordern, die heute noch gar nicht absehbar sind. Ich bin tiefer in den VDR eingestiegen, als ich es ursprünglich je vorgehabt hatte. Es hat sich so ergeben. Damit stehe ich nicht allein, im Gegenteil, und es gibt nicht wenige, die im Ehrenamt noch viel mehr geleistet haben und weniger Ruhm dafür abbekommen haben. Das weiß ich, es ist keine Floskel. Vielen Dank, dass so viele von Ihnen das Präsidium so nachhaltig unterstützt haben. Danke an den Vorstand. Respekt allen Sprecher-Gremien der Fach-, Landes- und Interessengruppen – Sie sind das Rückgrat des VDR, Sie sind auch die Quelle seiner fortlaufenden Erneuerung. Danke an jedes einzelne Mitglied, das mit seinen Beiträgen den VDR erst ermöglicht!

Ich möchte einen Lorbeerkranz für die Mitglieder des amtierenden Präsidiums flechten, für die Vizepräsidentin und Schatzmeisterin Birgit Schwahn und Vizepräsident Olaf Schwieger, sowie für die Präsidiumsmitglieder Anne Harmssen und Gisela Gulbins. Was könnte ich jetzt alles an guten Geschichten erzählen! Ich hebe es für den Bunten Abend auf und sage hier nur: Es war eine großartige Zeit im Präsidium, wir konnten uns in guten und schwierigeren Phasen immer aufeinander verlassen!

Danke für das Vertrauen und die Ehre, Präsident eines so lebendigen Berufsverbands sein zu dürfen. Wir konnten viel bewirken, weil der VDR ein kraftvoller mitgliedergeprägter Verband ist. Weil Sie, die Mitglieder, unglaublich motiviert und begeistert sind, – dazu, wenn nötig, mutig und leidensbereit. Ich wünsche uns allen von Herzen, dass nun langsam für den VDR einmal die fetten Jahre anbrechen. Vielleicht konnten wir einen kleinen Grundstein dafür legen. So oder so: Es hat viel Spaß gemacht!

Herzlich,
Ihr Jan Raue

Präsidium 2019 (v.li.): Birgit Schwahn, Christiane Schillig, Anne Harmssen, Gisela Gulbins, Olaf Schwieger und Jan Raue
Präsidium 2019 (v.li.): Birgit Schwahn, Christiane Schillig, Anne Harmssen, Gisela Gulbins, Olaf Schwieger und Jan Raue