Teil 6 der Serie „Mit Kalkül“ – Restauratoren als Kleinunternehmer

Wer möglichst viel Arbeitszeit damit verbringen möchte, Objekte zu restaurieren anstatt sich der Finanzverwaltung und den Steuern zu widmen, hat die Wahl sich als Kleinunternehmer anzumelden. Kleinunternehmer werden von bürokratischen Pflichten entlastet. Während Unternehmer dazu verpflichtet sind Ihren Kunden Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) in Rechnung zu stellen und im Rahmen der regelmäßigen Umsatzsteuer-Voranmeldung an das Finanzamt abzuführen, […]

Wer möglichst viel Arbeitszeit damit verbringen möchte, Objekte zu restaurieren anstatt sich der Finanzverwaltung und den Steuern zu widmen, hat die Wahl sich als Kleinunternehmer anzumelden. Kleinunternehmer werden von bürokratischen Pflichten entlastet.

Während Unternehmer dazu verpflichtet sind Ihren Kunden Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) in Rechnung zu stellen und im Rahmen der regelmäßigen Umsatzsteuer-Voranmeldung an das Finanzamt abzuführen, entfällt diese Notwendigkeit bei Kleinunternehmern. In der Umsatzsteuer-Voranmeldung wird sowohl die Umsatzsteuer angegeben, die man eingenommen hat, als auch die Umsatzsteuer (Vorsteuer), die man bei den eigenen Einkäufen bezahlt hat. An das Finanzamt abgeführt wird dann die Differenz aus Umsatz- und Vorsteuer (Zahllast).

Restauratorinnen und Restauratoren können von der Kleinunternehmerregelung profitieren, wenn sie im Jahr der Gründung einen Gesamtumsatz von nicht mehr als 17.500 Euro erwirtschaften. Die Umsatzgrenze bezieht sich immer auf ein ganzes Kalenderjahr. Wer mit der Selbstständigkeit in der Mitte des Jahres startet, muss den voraussichtlichen Umsatz auf zwölf Monate hochrechnen. Für die Folgejahre gilt, dass Kleinunternehmen im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro Umsatz nicht überstiegen haben dürfen und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen. Bei den genannten Gesamtumsatz-Grenzen handelt es sich um Bruttobeträge, das heißt, die Umsatzsteuer ist darin bereits automatisch enthalten. Sie muss nicht noch einmal extra berechnet und auf den Rechnungsbetrag aufgeschlagen werden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Die Restauratorin Thea Jacobi hat sich im Oktober 2016 selbstständig gemacht und schätzt ihren monatlichen Gesamtumsatz auf durchschnittlich 1.200 Euro. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet, sind das 14.400 Euro. Damit liegt sie unter der Umsatzschwelle von 17.500 Euro und kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Im zweiten Jahr ihrer Selbstständigkeit, 2017, erzielt sie einen Umsatz von 16.000 Euro. Das heißt, sie bleibt weiter Kleinunternehmerin. 2018, im dritten Jahr ihrer Selbstständigkeit, laufen die Geschäfte besser. Anfang des Jahres geht Thea Jacobi von einem Gesamtumsatz von 35.000 Euro aus und stellt Ende des Jahres fest, dass sie 37.500 Euro erzielt hat. Mit diesem Betrag liegt sie unter 50.000 Euro, so dass für sie 2018 noch die Kleinunternehmerregelung gilt. Aber selbst wenn sie 2018 auf einen Gesamtumsatz von über 50.000 Euro gekommen wäre, hätte sie die Kleinunternehmerregelung wahrnehmen dürfen. Es sei denn die Restauratorin hätte bereits zu Beginn des Jahres einschätzen können, dass ihr Umsatz die Grenze von 50.000 Euro überschreitet. Dann wäre sie bereits für 2018 umsatzsteuerpflichtig geworden. Und 2019? Nun muss Thea Jakobi zur regulären Besteuerung wechseln und auf ihren Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen, denn 2018 hat sie die Umsatzschwelle von 17.500 Euro klar überschritten.
Ganz wichtig: Bei der Umsatzgrenze von 50.000 Euro kommt es immer auf die Prognose an, die zu Beginn des Jahres erstellt wird. Liegt die Prognose unter 50.000 Euro, kann die Kleinunternehmerregelung für das laufende Jahr in Anspruch genommen werden, selbst wenn der tatsächliche Umsatz später davon abweicht. Wenn Restauratoren im Laufe des Jahres feststellen, dass die Umsatzgrenze von 17.500 Euro überschritten wird, müssen sie mit Beginn des kommenden Jahres allerdings in ihren Rechnungen die Umsatzsteuer ausweisen.

Ehe Sie sich als Restaurator, d. h. als Freiberufler, für die Kleinunternehmerregelung entscheiden, sollten Sie prüfen, ob sich das für Sie lohnt. Sich zwei Fragen vorab zu stellen, ist dabei wichtig:

  1. Stehen große Investitionen an?

Wenn Sie viel anschaffen müssen, ist eine sogenannte Regelbesteuerung vorzuziehen, um die Vorsteuern abziehen zu können. Kleinunternehmer zu sein, zahlt sich je nach Höhe Ihrer Investitionen nicht aus.

  1. Werden vorwiegend Unternehmen oder Privatpersonen beliefert?

Im ersten Fall ist die Regelbesteuerung sinnvoller, denn Unternehmer bevorzugen fast immer Rechnungen mit ausgewiesener Umsatzsteuer, die sie selbst wieder verrechnen können. Im zweiten Fall wäre die Kleinunternehmerregelung wahrscheinlich günstiger. Denn dadurch kann sich ein Wettbewerbsvorteil ergeben, weil die Endpreise niedriger ausfallen. Das wissen Privatpersonen zu schätzen.

Wenn Sie unter der Gesamtumsatz-Grenze von 17.500 Euro liegen, sollten Sie in jedem Fall sorgfältig abwägen, ob Sie freiwillig davon absehen sich als Kleinunternehmer eintragen zu lassen. Auf die Regelung zu verzichten bedeutet, dass Sie für fünf Jahre an die Entscheidung der Regelbesteuerung gebunden sind. Erst im sechsten Jahr ist ein Wechsel hin zum Kleinunternehmer wieder möglich.

Kleinunternehmer und Freiberufler haben einen weiteren Vorteil: Sie zahlen keine Gewerbesteuer. Da Einzelunternehmer einen Anspruch auf einen Steuer-Freibetrag von 24.500 Euro haben, spielt die von den Städten und Gemeinden erhobene Gewerbesteuer für Kleinunternehmer in der Regel keine Rolle: Mit einem Jahresumsatz von 17.500 Euro lässt sich unter normalen Umständen kein Gewerbeertrag erzielen, der höher als 24.500 Euro ist.

Darüber hinaus dürfen Sie als Kleinunternehmer die einfache Buchführung betreiben anstelle der viel aufwändigeren doppelten Buchführung. Gegenüber dem Finanzamt ermitteln Sie ihren steuerlichen Gewinn zudem in der Regel durch eine einfache Einnahmenüberschussrechnung (EÜR). Diese Vergünstigungen allerdings haben sie auch als Freiberufler und zwar auch dann noch, wenn Sie die Gesamtumsatz-Grenze für Kleinunternehmer überschreiten.

Für viele Restauratoren ist die Befreiung von Bürokratie DAS Hauptargument für die Entscheidung als Kleinunternehmer zu firmieren. Wer langfristig denkt, ist aber sicher interessiert daran, dass die eigene Freiberuflichkeit auch ein wirtschaftlicher Erfolg wird. Wenn das eintritt, ist die Kleinunternehmerregelung nicht mehr anzuwenden. Sie kann eine Übergangslösung sein, bis die Umsätze steigen.

Text: Dr. Christiane Schillig

Hinweis: Weitere Teile der Serie "Mit Kalkül" finden VDR-Mitglieder im internen Mitglieder-Bereich dieser Website (bitte einloggen) unter "Betriebswirtschaftliche Infos".