Die Situation der Restaurator:innen im Frühjahr 2021

Ein Zwischenstand nach einem Jahr Pandemie // Zwischen dem 1. und 15. März 2021 führte der Verband der Restauratoren (VDR) seine zweite Umfrage zur Situation der Restaurator:innen während der Pandemie durch. Nachdem wir vor elf Monaten zuletzt die Lage statistisch erfasst hatten, war es an der Zeit einen aktuellen Überblick zu erhalten, um noch zielgerichteter […]

Ein Zwischenstand nach einem Jahr Pandemie //

Zwischen dem 1. und 15. März 2021 führte der Verband der Restauratoren (VDR) seine zweite Umfrage zur Situation der Restaurator:innen während der Pandemie durch. Nachdem wir vor elf Monaten zuletzt die Lage statistisch erfasst hatten, war es an der Zeit einen aktuellen Überblick zu erhalten, um noch zielgerichteter für die Berufsgruppe sprechen zu können und die spezifischen Bedürfnisse an die zuständigen Dachverbände und Ministerien zu vermitteln.

Bei der Datenerhebung im Februar und März 2021 wurden viele Fragen aus der Umfrage vom April 2020 wiederholt. Hinzu kam die Abfrage grundlegender Daten wie Alter und Geschlecht. Auch waren uns Details zur Kinderbetreuung wichtig, da viele Mitglieder bereits im zurückliegenden Jahr berichten, dass die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen die Berufsausübung erschwert. So wissen wir jetzt, dass 54% der selbstständigen und 45% der angestellten Restaurator:innen Kinder haben, wobei die Betreuung bei 58% bzw. 53% geteilt wird. Genauso wollten wir wissen, ob die staatlichen Hilfen bei unserer Berufsgruppe ankommen und überhaupt beantragt werden können, um hier auf etwaige Lücken hinweisen und ggf. zur Handlung auffordern zu können.

Corona-Infoseite

Ergebnisse Selbstständige

Den Fragebogen für die Selbstständigen füllten insgesamt 178 Mitglieder aus:  127 Restauratorinnen und 51 Restauratoren. Dabei liegt das Alter der Umfrageteilnehmer vorwiegend über 30 Jahren; die Mehrheit hat mehr als 20 Jahre Berufserfahrung. Rund ein Drittel der Befragten ist 50-60 Jahre alt. Nur 5% der Teilnehmer ist 20-30 Jahre alt, was leider wenig Aussagen zur Situation der Berufseinsteiger zulässt.

Vor dem Hintergrund der neuen staatlichen Hilfen wie der Neustarthilfe, bei der auch das Einkommen der Lebensgefährt:innen berücksichtigt wird, haben wir danach gefragt, ob im Haushalt ein zusätzliches Einkommen vorliegt. 60% geben an, dass sie Doppelverdiener sind. Auch hat uns in diesem Zusammenhang interessiert, ob das Einkommen der Befragten das Haupteinkommen der Familie/des Haushaltes ist, da sich finanzielle Einbußen beim Hauptverdiener besonders bemerkbar machen – vor allem, wenn die Einkünfte bereits vor der Pandemie nicht üppig waren. 40% gaben an, dass ihr Lohn das Haupteinkommen ist, 27%, dass das Einkommen in etwa gleich hoch ist mit dem Lohn der Lebensgefährten.

Coronabedingte Einschränkungen

Fragen, die uns besonders interessierten, waren ob die Restauratoren von der Krise betroffen sind und/oder waren, und wenn ja, in welcher Form.

68% gaben an, von der Krise betroffen zu sein. Dabei nannten sie dieselben Faktoren wie im letzten Jahr in ähnlicher Gewichtung. Hier die dringlichsten:

  1. Verschiebung von Aufträgen aus öffentlicher Hand (18% sehr betroffen, 20% eher betroffen)
  2. Allgemeine Auftragszurückhaltung/Verunsicherung (22% sehr betroffen und 15% eher betroffen)
  3. Engpässe bei der Beschaffung von Arbeitsmaterial (8% sehr betroffen, 27% eher betroffen)
  4. Wegfall Kinderbetreuung (26% sehr betroffen und 5% eher betroffen)
  5. Nichterreichbarkeit von Ämtern (12% sehr betroffen, 15% eher betroffen)
  6. Verschiebung von Aufträgen aus privater Hand (10% sehr betroffen, 14% eher betroffen)
  7. Absage von Aufträgen aus öffentlicher Hand (10% sehr betroffen und 14% eher betroffen)

Bei 84% der Befragten kam es bisher glücklicherweise nicht dazu, dass bei fest zugesagten oder beauftragten Projekten Aufträge mit oder ohne Entschädigung storniert wurden oder Zahlungsverzögerungen eingetreten sind. Bei 11% gab es allerdings Zahlungsverzögerungen, bei 7% Zahlungsausfälle.

Engpässe im zeitlichen Verlauf

Wir fragten, wann es zu deutlichen pandemiebedingten Engpässen kam oder voraussichtlich kommen wird. Dazu sagten unsere Kolleg:innen:

  • 31%: sie können es nicht sagen.
  • 19%: dass es nicht zu erwarten ist.
  • 15%: dies war der Fall zwischen März-Mai 2020.
  • 15%: dass finanzielle Engpässe in den kommenden 6 Monaten zu erwarten sind.

Zahlungsfähigkeit ohne staatliche Hilfen

Um die finanzielle Lage der Restauratorengemeinschaft besser beurteilen zu können, fragten wir wie lange unsere Mitglieder bei der aktuellen Einnahmesituation (ohne staatliche Hilfen und mit rein betrieblichen Rücklagen) ungefähr zahlungsfähig bleiben. Mit 53% gab in etwa die Hälfte an, dass sie noch über ein halbes Jahr zahlungsfähig sind, 10% die nächsten 4-5 Monate, 29% sind es voraussichtlich die nächsten 2-3 Monate; 8,4% gaben an, bereits nicht mehr zahlungsfähig zu sein oder kurz davor zu stehen.

Umsatzrückgänge

Entsprechend haben 34% keinen Umsatzrückgang (38% waren es im Vorjahr), 17% sogar mehr Umsatz (im Vorjahr waren es nur 3%, die von der Krise profitierten).

Zirka 30% der Befragten verzeichnen Umsatzrückgänge von bis zu 30%. Dies war im Vorjahr ähnlich und ist relevant zu wissen für die aktuell angebotenen staatlichen Hilfen. Denn die Überbrückungshilfe III setzt für die Beantragung Grenzwerte voraus. Diese liegen bei mindestens 30% Umsatzrückgang für die Betriebskostenhilfe bzw. mindestens 60%  für die Neustarthilfe. Die Hilfspakete können zwar auch mit einem geringeren Umsatzrückgang beantragt werden (!) als die vorgegebenen 30% bzw. 60%, aber dann ist mit (anteiligen) Rückzahlungsforderungen zu rechnen. Eine Antragstellung wird aber von vielen Seiten dennoch empfohlen, da die Antragsbedingungen anders sind als sie zunächst erscheinen.

12,4% der Teilnehmer geben an, dass ihr Umsatzrückgang bei über 30% liegt. 60% Umsatzrückgang verzeichnen glücklicherweise nur 7,4%. Damit liegen die Zahlen im vergleichbaren Bereich zum Vorjahr, wobei die Zahl der Restauratoren, die gar keine Einkünfte mehr hatten, im Vergleich von April 2020 zu März 2021 von 7% auf 0,5% gesunken ist.

Hilfspakete

Gefragt wurde, ob die Restaurator:innen über die Hilfspakete informiert sind. Dazu gaben 35% an, nicht informiert zu sein. 42% haben sich über die VDR-Seite informiert. Auch werden die Seiten des Bundes und der Länder als viel genutzte Informationsquellen genannt.

Der VDR fragte, ob staatliche Hilfen beantragt wurden: Die meisten Restaurator:innen meinten „Nein“ (57%); 17% haben es vermutlich vor. Wenn Hilfen beantragt wurden, dann:

  1. 52% Corona-Soforthilfe (bis zu 9T Euro im Frühjahr 2020)
  2. 21% Förderungen von Restaurierungsprojekten durch die Ernst von Siemensstiftung
  3. Konkrete Betriebskostenhilfen über die Überbrückungshilfen II und III
  4. 20% Neustarthilfe

Mit der Beantragung  sind die Befragten überwiegend zurechtgekommen. Wenn es Probleme bei der Antragstellung bestanden, dann lag dies vorwiegend daran, dass kein Anspruch auf Hilfen bestand.

Als besonders hilfreich erachtet werden vor alle die:

  1. Förderung durch die EvS Stiftung (wobei die Einschränkung auf nur Kunstwerke manche Restaurierungsprojekte ausschließt)
  2. Zinsfreie Stundung von Steuern, Beratungsleistungen
  3. Neustarthilfe für Soloselbstständige
  4. Betriebskostenhilfe

32% sagen, dass es dem Staat eher nicht und gar nicht gelungen ist, ihnen wirtschaftliche Sicherheit zu geben. 40% äußern sich neutral. 28% bejahen dies.

Die Befragten fordern v.a. mehr unbürokratische Hilfe (wie Soforthilfen im Frühjahr 2020). Sie sagen: Helfen würden v.a. die Kinderbetreuung, ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine bessere Impfstrategie und verpflichtende Ortstermine der Ämter (für Objektbesichtigungen/ Projektbesprechungen/ Beauftragungen).

Einfluss der Mehrwertsteuersenkung

Die Senkung der Mehrwehrtsteuer auf 16% hatte offensichtlich mehrheitlich keinen Einfluss auf die Auftragslage der Restauratoren (58%), und wenn, dann äußerte sich die Maßnahme eher in einem Mehraufwand bei den Abrechnungen. Auch übten Auftraggeber mehr Druck aus, Aufträge fertigzustellen und abzurechnen.

Investitionen in der Krise

Abschließend wollten wir noch wissen, ob die Krise Einfluss auf betriebliche Investitionen hatte. 58% haben in Technik und Digitalisierung investiert, 14% in Geräte/Möbel zur Umsetzung von Hygienemaßnahmen (Glastrennwände/Luftfilteranlagen usw.).

Ergebnisse Angestellte

Den Fragebogen für die Angestellten füllten 130 Restauratorinnen und 35 Restauratoren aus (insgesamt 165 Mitglieder). Dabei liegt das Alter der Umfrageteilnehmer vorwiegend zwischen 30-60 Jahren mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. 57% der Befragten sind Doppelverdiener. Von den befragten Angestellten sind 23% auch selbstständig tätig, wobei in 90% der Fälle die Anstellung das Haupteinkommen ausmacht.

Coronabedingte Einschränkungen:
69% der Umfrageteilnehmer:innen sind von Krise betroffen. Genannt werden hierbei vor allem:

  1. Verbot/Einschränkung von Dienstreisen/Ortsterminen (sehr betroffen 27%, eher betroffen 30%)
  2. Erschwerte Arbeitsbedingungen wegen Kinderbetreuung (sehr betroffen 15%, eher betroffen 10%)
  3. Heimarbeit (13% sehr betroffen, 13% eher betroffen)
  4. Angst um befristete Anstellung (ohne Prozentangabe, Mehrfachnennung unter „Sonstige“ im Freifeld)

Als weitere Einschränkungen nannten die Befragten zudem Schwierigkeiten bei der Praktikantenbetreuung, Besprechungen am Objekt direkt, Arthandling, Ausstellungsaufbau, Kurierreisen, Dienstreisten und Teammeetings.

Finanzielle Einschränkungen bestehen hier im Gegensatz zu den selbstständigen Kolleg:innen weniger. 91% der befragten Angestellten erhalten noch vollen Lohn.

Arbeiten im Homeoffice

17% geben an, dass die Arbeit im Homeoffice erst nach staatlicher Anordnung ermöglicht wurde. Wenn im Homeoffice gearbeitet wird, dann erfolgen dort v.a. Tätigkeiten wie Dokumentationen, Recherchen, Publikationen, planerische und organisatorische Tätigkeiten wie das Erstellen von Leistungsverzeichnissen für die Auftragsvergabe, Schriftverkehr, Online-Meetings und -Weiterbildungen.

Hygienemaßnahmen am Arbeitsplatz

Wir wollten wissen, welche Schutzmaßnahmen für die Arbeit vor Ort ergriffen wurden. 61% der Befragten geben an, dass ihre Arbeitgeber teilweise in Hygienemaßnahmen investiert haben; 34% sogar umfangreich. Vor allem für Masken und Desinfektionsmittel wurde gesorgt. Schutzausrüstung wird nur bei 9% nicht zur Verfügung gestellt. Zudem wurden Arbeitsplätze entzerrt. Die Distanz von zwei Metern ist bei den meisten einhaltbar.

Optimierungen während Pandemie
Wie im Frühjahr 2020 wollten wir auch 2021 wissen, ob es zu Optimierungen kam. Hier ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr passiert:

  • Ausbau Digitalisierung (66%)
  • Abarbeiten Altlasten/Arbeiten am Objekt (48%)
  • Beantragung von Fördermitteln (27%)
  • Ausbau Öffentlichkeitsarbeit (28%)
  • Renovierungen während der Schließung für Publikumsverkehr (27%)
  • Keine (nur 18%)

Einfluss der Mehrwertsteuersenkung

Zu guter Letzt stellten wir auch hier die Frage nach den Auswirkungen der temporären Mehrwertsteuersenkung. Hier wurde bestätigt, was die Abfrage unter den Selbstständigen zeigte. Die Mehrheit sagte keine (79%). Zudem wurde bestätigt, dass Auftragnehmer teils dazu aufgefordert wurden, Projekte noch in der zweiten Jahreshälfte abzuschließen und Schlussrechnungen zu stellen (10%). 9% nutzen die Ersparnis um neue Gerätschaften anzuschaffen.

 

Dank

Wir danken allen VDR-Mitgliedern für die Teilnahme! Die Daten helfen uns, entsprechende Hilfestellungen für unsere Mitglieder zu erarbeiten und Forderungen an die Ministerien und Dachverbände zu formulieren und weiterzureichen.