Auftakt der Veranstaltungsreihe FOKUS in Dresden

Am 21.9.2019 fand die erste FOKUS-Veranstaltung der Fachgruppe Moderne und Zeitgenössische Kunst mit dem Titel: „Die Zukunft der Kunst – Sammlungen im Wandel“ im Japanisches Palais in Dresden statt. Ziel der neuen Veranstaltungsreihe ist es, Schlaglichter auf einzelne Themen der Erhaltung von moderner und zeitgenössischer Kunst zu werfen. Dabei sollen aktuelle Konservierungstheorien möglichst mit stärkerem […]

Am 21.9.2019 fand die erste FOKUS-Veranstaltung der Fachgruppe Moderne und Zeitgenössische Kunst mit dem Titel: „Die Zukunft der Kunst – Sammlungen im Wandel“ im Japanisches Palais in Dresden statt. Ziel der neuen Veranstaltungsreihe ist es, Schlaglichter auf einzelne Themen der Erhaltung von moderner und zeitgenössischer Kunst zu werfen. Dabei sollen aktuelle Konservierungstheorien möglichst mit stärkerem Praxisbezug fassbar gemacht und durch Diskussionen im kleineren Kreis zusätzlich Raum für ausführliche Fragen geschaffen werden.

 

Die erste Veranstaltung der Reihe thematisierte die Herausforderung des Erhalts zeitgenössischer Kunstsammlungen und Archive und schlug dabei eine Brücke zwischen materiellen und immateriellen Eigenschaften und der notwendigen transdisziplinären Erhaltungspraxis.

Als Auftakt führte Franziska Klinkmüller (Restauratorin der Sammlung Hoffmann/SKD) durch die Ausstellung “Die Erfindung der Zukunft” und gab damit einen lebendigen Einblick in die Arbeit mit einer restauratorisch bis jetzt noch wenig erschlossenen, aktuellen Kunstsammlung. Viele Fallbeispiele boten schon hier die Möglichkeit zur Diskussion und es zeigte sich schnell, dass jedes Werk eigene, spezielle Bedürfnisse zur Erhaltung mit sich bringt.

Der Vortrag von Artemis Rüstau (Doktorandin im NACCA-Projekt) mit dem Titel „Restaurierung – Werterhalt zwischen Materialität und Immaterialität“ schloss genau bei diesen Bedürfnissen an. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Einbeziehung von Forschungsmethoden der Sozialwissenschaften, insbesondere aus der Ethnographie, und den verschiedenen, zur Verfügung stehenden Entscheidungsfindungs- und Dokumentationsmethoden, um diesen speziellen Anforderungen professionell zu begegnen. Am Beispiel der Arbeit Storage Piece der Künstlerin Haegue Yang gab sie zusätzlich eine spannende Einführung in ihr aktuelles Forschungsthema, welches sich mit der Interaktion von Künstler*innen und Sammler*innen und deren Einflussnahme auf die Werkgeschichte und -identität beschäftigt.

Anschließend zeigte Anna Schäffler in ihrem Vortrag „Networks of Care – Dezentrale Erhaltungspraxis an der Schnittstelle von Restaurierung, Kunstgeschichte und Kuratieren“ nicht nur treffend die Notwendigkeit einer multidisziplinären Zusammenarbeit auf. Über ein materialbasiertes Verständnis hinausgehend arbeitete sie auch mit einem erweiterten Erfassung der Erhaltungsaufgabe, die auch den wertbasierten Aushandlungsprozess in einem Netzwerk verschiedener Akteur*innen umfasst. Daran anschließend argumentierte sie für eine stärkere Sichtbarkeit und Vermittlung der Praktiken und Prozesse der Erhaltung. Dies veranschaulichte sie an ihrem Ausstellungsprojekt “In Obhut. Anhand von Anna Oppermann” mit einem Schwerpunkt auf der posthumen Erhaltung prozesshafter Installationswerke.

Eine ausführliche und anregende Diskussionsrunde bildete den Abschluss der Veranstaltung. Hier wurde besonders der Wunsch nach einer weiteren Vernetzung der verschiedenen Disziplinen deutlich, zwischen verschiedenen Wissenschaften, aber auch innerhalb der unterschiedlichen Fachgruppen der Restaurierung selbst.

Wir freuen uns über den spannenden und erfolgreichen Einstieg in die Veranstaltungsreihe und ich danke den Vortragenden noch einmal herzlich im Namen des gesamten MZK-Fachgruppenvorstandes.

Jonathan Debik
Dresden, 23. Oktober 2019