„Mit Leiden- und Wissenschaft“ – Keynote von Jan Raue zur Tagung FORWARD

Am 30. Juni 2017 fanden sich in Berlin über 100 Restauratoren, Denkmalpfleger, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker ein, um auf der Tagung FORWARD über wissenschaftliches Arbeiten in Restaurierung und Denkmalpflege zu konferieren. Zur Einführung sprach Dr. Jan Raue, Präsident des VDR. Die Rede geben wir hier im Wortlaut wieder. Mit Leiden- und Wissenschaft. Einführung zur Tagung […]

Am 30. Juni 2017 fanden sich in Berlin über 100 Restauratoren, Denkmalpfleger, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker ein, um auf der Tagung FORWARD über wissenschaftliches Arbeiten in Restaurierung und Denkmalpflege zu konferieren. Zur Einführung sprach Dr. Jan Raue, Präsident des VDR. Die Rede geben wir hier im Wortlaut wieder.

Mit Leiden- und Wissenschaft.
Einführung zur Tagung FORWARD
Dr. Jan Raue, Präsident des VDR

Wenn wir dem Satz Robert Musils folgen, dass „nichts auf der Welt so unsichtbar [ist], wie Denkmäler“, dann trifft dieser mindestens ebenso auf diejenigen zu, deren Aufgabe es ist, die Denkmäler zu erhalten. Offenbar ist es kein neues Problem: unsichtbare Denkmäler – von Unsichtbaren gepflegt. Kann das aber sein, der Verband der Restauratoren – ein Berufsverband der Unsichtbaren? Oder, um es noch zuzuspitzen: Im besten Falle unbekannt, sichtbar nur im Scheitern? Das nämlich behauptet wiederum Max Friedländer über unseren Stand. Und wer, wie der VDR, diesen seinen Satz: „Der Restaurator betreibt das undankbarste Geschäft. Im besten Fall sieht und weiß man nichts von ihm (…). Seine Meisterschaft bleibt unverzichtbar, seine Unzulänglichkeit tritt zutage“ an den Anfang einer Image-Broschüre über seinen Beruf stellt, der zeigt als Berufsverband entweder einen extrem schrägen Humor, oder dass er die eigene Unsichtbarkeit bereits soweit verinnerlicht hat, dass sie Eingang in die professionelle DNA gefunden hat. Sie hat aber in den heutigen politischen und sozialen Strukturen einige gravierende Nachteile, ob als Individuum oder als Berufsgruppe. „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst du ohne ihr“, reimt dazu der Volksmund.

VDR-Präsident Dr. Jan Raue gibt unter dem Titel „Mit Leiden- und Wissenschaft“ eine Einführung ins Thema. Er blickt zurück auf die 1980er Jahre - das goldene Zeitalter der Restaurierung und Denkmalpflege. Er verweist auf die heutige Qualifikation von (sehr gut ausgebildeten) Restauratoren,  auf vorhandene Dissonanzen und positiv stimmende Entwicklungen.
VDR-Präsident Dr. Jan Raue gibt unter dem Titel „Mit Leiden- und Wissenschaft“ eine Einführung ins Thema. Er blickt zurück auf die 1980er Jahre - das goldene Zeitalter der Restaurierung und Denkmalpflege. Er verweist auf die heutige Qualifikation von (sehr gut ausgebildeten) Restauratoren, auf vorhandene Dissonanzen und positiv stimmende Entwicklungen.

Neues Format der Standortbestimmung

Anscheinend trübt also schon länger ein Nebel die Sicht und womit ließe der sich besser lichten, als mit klarer Geisteshaltung, sprich Wissenschaftlichkeit? Der Verband der Restauratoren hat dazu das Forum Wissenschaftliches Arbeiten in Restaurierung und Denkmalpflege, FORWARD ins Leben gerufen. Ich bin mit Ihnen zusammen Zeuge der ersten Schritte dieses neuen Formats der Standortbestimmung, des interdisziplinären Austauschs und des Herausarbeitens von Perspektiven. Was hat den Berufs- und Fachverband dazu bewogen? Es liegt auf der Hand: Eine gegenwärtig spürbar geringere Akzeptanz für Wissenschaftlichkeit auf dem Gebiet des Restaurierens und Konservierens, einhergehend mit einer drohenden Verschlechterung der Qualität auf diesem Gebiet. Gerade in diesen Tagen, kurze Zeit vor Beginn des Europäischen Jahres zum Kulturellen Erbe, ECHY 2018, ist eine solche Entwicklung bedrohlich für den unversehrten Bestand von Kunst und Kulturgütern und daher ein geradezu alarmierendes Signal.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wissenschaftliches Arbeiten in der Restaurierung heißt nicht, sich auf das Untersuchen und Analysieren von Ausgangslagen, auf das Planen von Konzepten zu beschränken. Wissenschaftlichkeit durchdringt auch das Tun der Restauratoren, das kundige Handanlegen am Objekt selbst – eines bedingt das andere. Wissenschaftlichkeit hat auch nichts per se mit Unsichtbarkeit zu tun. Eine wissenschaftliche Arbeitsweise trägt jedoch Züge, beispielsweise ein Abwägen verschiedener Vor- und Nachteile einer Handlung, ein Objektivieren von Entscheidungen, die einem schnellen und lauten Vernehmlichmachen von Meinung entgegenstehen. So sind öfter andere schon fertig mit ihrer Stellungnahme, schon draußen in der Öffentlichkeit, während Restauratoren noch im Labor oder in ihrer Werkstatt über das Objekt gebeugt sitzen.

Ich möchte in meiner Einführung einen kurzen Rückblick zum Zweck der Selbstvergewisserung unternehmen, möchte aktuelle Beispielen aus Beruf, Denkmalpflege und Museen zur Illustration der Lage anführen und letztlich zu einigen klaren Forderungen kommen, die in der gegenwärtigen Lage unverzichtbar erscheinen. Vor sechs Jahren feierte der VDR in Dresden sein 10-jähriges Bestehen als vereinigter Berufsverband der Restauratoren, hervorgegangen aus sieben Vorgängerorganisationen. Die Festveranstaltung dazu im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden trug den Titel Quo vadis Restaurierung?

FORWARD_Programm_Cover

Aufbruchstimmung in den 1980er Jahren

Das Format FORWARD sieht sich in deren Nachfolge. Mein Vor-Vorgänger als Präsident des VDR, Prof. Volker Schaible von der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, wählte damals folgende Worte für seine Einführung: „Blicken wir kurz zurück in die 1980er Jahre, als sich die Debatten zum Berufsbild und zur akademischen Berufsbildung von Restauratoren intensivierten (...). In fast allen Fachbereichen waren viele seit Generationen bedenkenlos angewandte Konservierungsmethoden plötzlich in Verruf geraten. Ein völlig neues restauratorisches Problembewusstsein erforderte zwingend die Ausbildung auf Hochschulniveau und demzufolge auch eine Präzisierung des Berufsbildes: Man war sich einig, dass nur ein speziell qualifizierter und gut ausgebildeter Restaurator, eine speziell qualifizierte und gut ausgebildete Restauratorin, überhaupt in der Lage war, hochkomplexe Restaurierungsaufgaben zu erfassen und angemessen zu bewältigen. Der Restaurator sollte über breit gefächerte Kenntnisse verfügen, um das Kunst- und Kulturgut in der Vielschichtigkeit seiner phänomenologischen Existenz bewerten und bearbeiten zu können. Man verlangte vom Restaurator ferner, die einzelnen Schritte nicht nur theoretisch und praktisch durchdringen, sondern auch eigenverantwortlich und weisungsunabhängig über sie zu entscheiden zu können. Da die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse nur noch in Teilbereichen fassbar waren, gehörte die Spezialisierung des Restaurators für eine bestimmte Gattung unserer Kunst- und Kulturgüter bald zum Nachweis einer besonderen beruflichen Qualifikation.“

Ja, die achtziger Jahre ...! Bei mir entsteht heute manchmal eine nicht für möglich gehaltene Nostalgie nach den 80ern, zwar weder nach der Mode noch nach der Musik, wohl aber wegen des vor allem durch das Jahr der Denkmalpflege 1975 generierten Aufbruchs in eine wissenschaftliche Restaurierung. „Man verlangte vom Restaurator ...“, so formulierte es Schaible, um dann eine ganze Kette von Voraussetzungen und Verantwortlichkeiten folgen zu lassen – derer sich die Restauratorenschaft nicht etwa selbst ermächtigen sollte, sondern die die Gesellschaft von ihr schlicht „verlangte“. Und weder die Berufsanfänger noch die bereits im Restauratorenberuf Tätigen haben sich damals lange bitten lassen. Ich selbst erinnere mich selbst bei der Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden Mitte der 1980er um acht zu vergebende Studienplätze rund 230 Mitbewerber gehabt zu haben. Plötzlich wollten alle Restauratorin und Restaurator werden! Und das war ein ost-west-übergreifendes Phänomen, – die Begeisterung für die Erhaltung der kulturellen Wurzeln war sogar ein Brückenbauer in diesen Zeiten, denkt man nur an die ersten Projekte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit west- und ostdeutscher Beteiligung

Die Zeit des Aufbruchs in eine bald reiche Früchte tragende Wissenschaftlichkeit war mitgestaltet, ja befördert von honorigen Akademikern aus den Nachbardisziplinen, vor allem der Kunstgeschichte, welche die jungen Restauratoren in die Pflicht nahmen, und denen die Begeisterung über die neuen Möglichkeiten in der Forschung, die solche Kooperationen eröffneten, in jeder Zeile anzumerken war – ich nenne hier nur stellvertretend die Namen von Johannes Taubert aus München sowie Ernst Badstübner und Wolfgang Wolters aus Berlin. Blickt man über den deutschen Tellerrand hinaus, erinnert sich wohl jeder von uns an den Klang der Namen Paul Philippot, Laura Mora und Cesare Brandi, die mit ihren Werken eine Atmosphäre wissenschaftlicher Neugier schufen, die von Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz geprägt war. Einer, der auch heute noch viele wissbegierige Fragen an die Restaurierung hat, ist Robert Suckale, und auch bei ihm ist dies keine Einbahnstraße, sondern er bewegt im Teilen von Wissen und im Einfordern von Forschungsergebnissen sich und andere zu neuen Ufern, verbunden mit hoher Wertschätzung des Beitrags der Restaurierung.

Wenn alles Restaurierung ist, ist nichts Restaurierung!

Ebenso stößt man in der Denkweise des genannten Johannes Taubert, in den Zeiten des Jahres der Denkmalpflege bis zu seinem frühen Tod Leiter der Restaurierungswerkstätten des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege, immer wieder auf die von ihm eingeforderte Verbindung der Restaurierung mit historischen, ikonographischen und stilkritischen Fragestellungen. Zu Recht hob Taubert unermüdlich die notwendige Klärung der termini technici hervor, um zu allgemein verständlichen Aussagen zu gelangen, – andernfalls war und ist die damals wie heute unersetzliche interdisziplinären Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Restauratoren und Kunstwissenschaftlern nicht fruchtbar. Werden aber heute, über 40 Jahre später, die termini technici aufgeweicht, zum Beispiel indem nach Ansicht Einiger jede handwerkliche Maßnahme, die rund um das Denkmal geschieht, als „Restaurierung“ zu gelten habe, dann muss man die Frage stellen: Cui bono – Wem zum Vorteil? Ganz sicher dient es nicht der Verständlichkeit in der interdisziplinären Zusammenarbeit und ganz sicher dient es damit nicht der qualitätvollen Erhaltung des kulturellen Erbes. Denn wenn alles „Restaurierung“ ist, ist „nichts“ Restaurierung! Welche sind aber die wirklichen Standards im Beruf? Fragen wie diese bewegen auch Ursula Schädler-Saub seit langem, und vor allem auch ihrem Einsatz ist die Stellungnahme zur Begrifflichen Klarheit der AG Restaurierung innerhalb ICOMOS Deutschland zu danken, die von den Restauratoren in der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) und vom VDR mitgetragen wird.

Unter anderem Julia Feldtkeller, Ursula Schädler-Saub und Ute Stehr erarbeiteten Materialien zum Werdegang des Berufs vom 18./19. Jahrhundert bis in die jüngere Vergangenheit. Was ist seitdem geschehen? Wohin hat sich diese – in den Texten spürbare – Atmosphäre des Aufbruchs verflüchtigt? Es ist eine Tatsache, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der letzten zwei Jahrzehnte für die Konsolidierung eines jungen Berufs alles andere als günstig waren. Das Berufsbild ist in der Öffentlichkeit immer noch zu diffus, es scheint zu spät für eine Verkammerung, der demografische Wandel mit seinem Nachwuchsmangel ruft Konkurrenten auf den Plan, der Bologna-Prozess hat neue Probleme mit der notwendigen Qualifikation für den Berufszugang verursacht, die Bestrebungen sind mitten hinein in die europäischen Deregulierungs- und Marktliberalisierungsströme geraten.

Restauratoren sind keine willfährigen Vollstrecker

Den Widrigkeiten entgegen steht ein hoher gesellschaftlicher Stellenwert, den Restaurierung auch heute hat, eine „Kredibilität auf dem Parkett“, die gut für den Smalltalk geeignet ist. Sie schlägt sich jedoch kaum in normativer Anerkennung in der Breite und Tiefe nieder, wie sie einer etablierten Disziplin zukommt. Erst diese würde ein gegen unfachliche Konkurrenz geschütztes und damit auskömmliches Berufsleben ermöglichen. Im Gegenteil, könnte man meinen, die manchmal naive Sympathie für den Beruf macht ihn vielleicht sogar angreifbar, so, wie es ein hübscher und beliebter junger Mann schwer hat, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden. Ist die Restaurierung so etwas wie der Richard David Precht unter den Denkmalwissenschaften?! Nein, im Ernst: Welche gefeierte Ausstellung eines der großen Museen unseres Landes, welche richtungsweisende denkmalpflegerische Leistung – ich verweise auf die Beispiele von Mechthild Most und Mechthild Noll-Minor im Rahmen von FORWARD – wären heutigentags denn noch möglich ohne die profunden wissenschaftlichen Kenntnisse der Restauratoren und deren Vernetzung in die Nachbardiziplinen? Doch es hat sich nach und nach wieder eingeschliffen, dass Restaurierungsleistungen überwiegend auf das Konto von Kuratoren oder Architekten gebucht werden. Die geläufige Formulierung, „der Architekt XY restaurierte dieses sonst dem Verfall preisgegebene Bauwerk“ steht beispielhaft für diese Sichtweise. Die Männer und Frauen in dem Beruf sind aber gerade keine Heinzelmännchen, keine willfährigen Vollstrecker oder bloße Stichwortgeber, heute weniger denn je.

Von Restauratoren, besonders auch im VDR, veranstaltete Fachtagungen und herausgegebene Publikationen belegen ihre große Effizienz auch auf wissenschaftlichem Gebiet. Sie finden in hoher Frequenz statt – meist in bestechender fachlicher Qualität – und Restauratoren müssen sich dennoch fragen lassen, warum sie oft kein größeres öffentliches Echo über den Tag hinaus finden, nicht in Forschungsprojekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) münden, keine Sonderforschungsbereiche nach sich ziehen. Ich bin unglaublich dankbar gegenüber der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die hier mit einem Beitrag von Paul Bellendorf vertreten ist, die sich wie keine andere Stiftung in Deutschland kontinuierlich über Jahrzehnte um die Wissenschaft der Restaurierung verdient gemacht hat. Im selben Atemzug möchte ich das Restaurierungsprogramm Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen nennen, das einzige Förderprogramm dieser Art in Deutschland, das, koordiniert und wissenschaftlich begleitet durch den VDR, auch im laufenden Jahr wieder 19 Restaurierungsprojekte, überwiegend an kleineren Museen ermöglicht. Ein großes Dankeschön auch dafür!

Öffentlichkeitswahrnehmung im Stil von "kaputt und ... zugenäht!"

Aber solange ein solches Engagement noch Ausnahme bleibt, kann die Restaurierung vielfach noch als eine Art Gemischtwarenladen wahrgenommen werden, der jeden dazu einlädt, sich selbst zu bedienen, das Angebot teils zu verfremden und zu verfälschen und zusätzlich sein eigenes Image mit einem Prestige aufzupolieren, deren eigentliche Wertschöpfer und Urheber im Dunklen bleiben. Und damit komme ich zu den Negativbeispielen. So kann es zu solchen Fernsehsendung, wie dem ZDF-Sonntagsnachmittagsspektakel „kaputt und ... zugenäht!“ kommen, das ein katastrophal laienhaftens Bild vom Restauratorenberuf zwischen Flohmarkt und Trödelhändler transportiert. Der VDR hat gegen das Format Beschwerde eingelegt und seine Zusammenarbeit zur Anpassung an die fachliche Realität angeboten, jedoch vom ZDF-Intendanten eine nichtssagende und am angeblichen Publikumsgeschmack orientierte Antwort bekommen. Wenn vorgeblich der Massengeschmack nicht anders bedient werden kann, was ist dann mit der Fachöffentlichkeit?

Das Buch "Altes Zeug" des Deutschen Kulturrats, welches 2016 erschien, vereint in sich „Beiträge zur Diskussion zum Kulturguterhalt“. Kann man sich ernsthaft vorstellen, dass kein einziger der rund 95 Artikel von restauratorischer Seite verfasst wurde?! Und doch ist das der Fall. Derselbe Kulturrat brachte mit Heft 1/2016 eine thematische Ausgabe von Politik & Kultur zum Thema „Original + Digital. Zur Zukunft der Sammlungen in Archiven und Bibliotheken“ heraus und – Sie ahnen es – wiederum ohne einen einzigen Artikel eines Restaurators oder einer Restauratorin, dafür auf dem Titelbild das Foto eines vermeintlichen Restaurators, entindividualisiert, ohne Kopf, dafür mit Pinsel in der behandschuhten Hand. Wir waren schon einmal weiter: Ich behaupte einmal, das wäre vor 30 Jahren undenkbar gewesen! Aber ich kann mich nicht gegen Ignoranz und Diskriminierung wehren, ohne mögliche eigene Fehler und Versäumnisse zu analysieren. Wie viel von der vielbeschworenen Unsichtbarkeit ist selbstverschuldet, manchmal vielleicht sogar als Bequemlichkeit empfunden, weil aus der Verantwortung entlassend? Dass man dagegen aktiv werden kann und muss, beweist, dass einige Wochen nach einem durch mich gesuchten Gespräch, nach dem „Einfordern der Sichtbarkeit“, zwei ganzseitige Artikel aus der Feder von VDR-Mitgliedern in ebenjener Zeitung Politik & Kultur (Heft 4/16) erscheinen konnten: "Ästhetische und historische Werte eines Denkmals bewahren und erschließen - Was tun Restauratoren für den Kulturgutschutz?" und "Gesichter des Kulturerbes - Zur Situation der jungen Restauratorinnen und Restauratoren in Deutschland".

Schäden an Denkmalen durch unsachgemäße Eingriffe

Solche Beispiele medialer Art sind schon ärgerlich, lassen sich aber, wie man sieht, durch Intervention oft aus der Welt schaffen. Anders verhält es sich mit konkreten Fällen in der Denkmalpflege, wo Unersetzliches durch unsachgemäße Eingriffe beschädigt oder sogar für immer zerstört wird. Wie verhalten wir uns dazu, wenn eine Gruppe von „Dorfverschönerern“ sich entschließt, den Giebel ihrer Dorfkirche in einer Wochenendaktion neu zu putzen, obwohl das mittelalterliche Fugenbild erst 15 Jahre zuvor aufwendig konserviert worden ist? Der einmalige Befund des 13. Jahrhunderts mit Zirkelschlägen und Außenfarbfassung, im Rahmen eines DBU-Projekts bearbeitet und publiziert, ist nun unwiederbringlich verloren. Was ist unsere Reaktion, wenn ein Architekt aus ästhetischen Gründen gegen alle Absprachen eine mittelalterliche Fassade sandstrahlen lässt und dabei die Spuren ihrer Polychromie des 15. Jahrhunderts ausradiert?

Auch dies geschah an einem Samstag und im Jahr 2015: „Gebiert der Schlaf der Restauratoren am Wochenende Ungeheuer in der Denkmalpflege?“, um einen Goya-Bildtitel sehr frei zu zitieren. Der Ernst der Situation gebietet darauf hinzuweisen, dass dies nur zwei von rund zwei Dutzend erschreckenden und nicht auf Wochenenden beschränkten Beispielen sind, die sich allein in den letzten Jahren in Deutschland ereigneten. Werden solche Fälle nicht befördert, sogar ermutigt, wenn die Begrifflichkeiten „Restaurator“ und „Restaurierung“ unreguliert für jede Interpretation freigegeben sind? Die Politik fordert von uns, solche Fälle zu dokumentieren, da ihr andernfalls die Hände gebunden seien, im Interesse des Kulturgutschutzes tätig zu werden. Wir werden diese uns übertragene Aufgabe annehmen.

Goya, Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer, Capricho No. 43, 1797-98, Madrid
Goya, Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer, Capricho No. 43, 1797-98, Madrid

Aktuelle Entwicklungen wachsam und kritisch begleiten

Nach dieser ersten Standortbestimmung komme ich zu den jüngsten aktuellen Entwicklungen auf dem Feld der Leidenschaften und Wissenschaften. Nach uns vorliegenden Unterlagen beabsichtigt der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) bis zum Jahr 2019 auf Grundlage von § 42 Handwerksordnung (HwO) eine bundeseinheitlich gesetzliche Regelung über den „Restaurator im (Gewerbebezeichnung-)Handwerk“ zu schaffen. Dazu laufen nach unserem Wissen bereits Gespräche zwischen dem ZDH und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Begleitend zu diesem Vorhaben bildete der ZDH eine Plattform handwerkliche Restaurierung und Denkmalpflege, in welche einige Verbände, wie unter anderem der Deutsche Museumsbund (DMB) und die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) eingebunden sind – der VDR als maßgeblich betroffener bundesweiter Berufs- und Fachverband der Restauratorinnen und Restauratoren in Deutschland jedoch nicht. Sorge bereitet uns dabei die Vorstellung, dass aufgrund dieser Initiative ab 2019 zwar die handwerklichen Akteure innerhalb der Denkmalpflege in eine bundeseinheitliche gesetzliche Regelung eingebunden sein sollen, nicht jedoch die Restauratoren, die über ein Hochschulstudium qualifiziert sind und ihren Beruf freiberuflich ausüben.

Die Restauratoren innerhalb des VDR haben zwar in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele gesellschaftliche Kräfte und Ebenen angesprochen und auf das Nichtvorhandensein eines flächendeckenden Berufstitelschutzes für Restauratoren und die negativen Konsequenzen für das Kulturgut hingewiesen. Stets sind sie jedoch von Bundesebene mit dem Argument, Restaurierung sei ein Teil der Kultur, auf die Ebene der 16 Länder verwiesen worden. Allein unter Verweis auf Artikel 3 des Grundgesetzes, Gleichbehandlung, bitten wir nun ein Augenmerk darauf zu haben, dass es jetzt nicht zu einer Situation kommt, wo für eine bestimmte gewerbliche Gruppe auf dem Gebiet der Restaurierung eine bundesweite Regelung geschaffen wird, welche den akademisch ausgebildeten Restauratoren seit Jahrzehnten abgesprochen worden ist. Und wenn doch, dann ist zumindest für eine angemessene und gerechte Einbeziehung der Restauratoren im Normsetzungsprozess Sorge zu tragen.

Beschädigungsverbot im Kulturgutschutzgesetz von 2016

Prestige und Ethos der Restaurierung im heutigen Sinn verdanken sich gerade ihrer Wissenschaftlichkeit. Diese ist kein „Ballast“ in der Restaurierung, den man bei einer angestrebten bundesweiten Regelung unter den Tisch fallen lassen könnte. Das müsste auch und gerade dem Bund klar sein, hat er sich doch erst im letzten Jahr ein Kulturgutschutzgesetz gegeben und darin eine „fachgerechte Konservierung und Restaurierung“ und „Forschung nach anerkannten wissenschaftlichen Standards“ am national wertvollen Kulturerbe festgeschrieben:
„§ 18 KGSG – Beschädigungsverbot
(1) Es ist verboten, Kulturgut, das in ein Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes eingetragen ist, zu zerstören, zu beschädigen oder dessen Erscheinungsbild nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend zu verändern, sofern dieses nicht zur fachgerechten Konservierung und Restaurierung oder zur Forschung nach anerkannten wissenschaftlichen Standards erfolgt. § 304 Absatz 1 und 2 des Strafgesetzbuches bleibt unberührt.“ (Kulturgutschutzgesetz vom 31.07.2016)
Das ist geltende Gesetzeslage, aber die Realität stellt uns manchmal vor ganz eigene Phänomene, die schon durch die Abwesenheit jeder Logik ihre Wissenschaftsferne dokumentieren. Welchen objektiven Nutzen für die Gesellschaft hätte die angepeilte Lösung „Restaurierung minus Wissenschaft gleich bundeseinheitliche Regelung für Handwerker“, wenn es für die Restaurierung inklusive Wissenschaft weiterhin heißt, jeder darf sich – mit Ausnahme der beiden Länder Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt – ohne Vorliegen irgendwelcher Vorkenntnisse „Restaurator“ nennen? Geht man jetzt diesen Weg, entsteht der Eindruck, nicht der Nutzen für die Allgemeinheit sondern das Bedienen von Partikularinteressen stünde hinter der Handwerksinitiative.

Zu einem Detail der angestrebten Regelungen sehen wir noch ganz besonderen Beratungsbedarf: Wenn das damit verbundene Ziel der Handwerkspolitiker, bis 2019 der Gruppe der Restauratoren im Handwerk (RiH) den EQR-7 zuzuerkennen, in dieser Form zur Durchsetzung kommt, hat dies zur Folge, dass Handwerker – so hochgeschätzt und qualifiziert sie auf ihrem, logischerweise, handwerklichem Gebiet sind – eine höhere akademische Einstufung erfahren würden als die Absolventen der ehemaligen achtsemestrigen Diplomstudiengänge der Fachhochschulen. Das betrifft nahezu Tausend unserer Mitglieder, welche in Deutschland weiterhin auf EQR-6 angesiedelt bleiben. In Zukunft könnten diese Wettbewerbsnachteile erleiden, indem sie, nach meist zwei Jahren fachlichem Vorpraktikum und vier Jahren FH-Studium, Handwerkern gegenüber als wissenschaftlich unterqualifiziert eingestuft werden. So eine absurde Regelung muss unbedingt verhindert werden! Nur der konsekutive Bachelor/Master mit mindestens zehn Semestern erreicht heute auf dem Weg des Hochschulstudiums den EQR-7, welchen das Handwerk nun für sich über eine Zusatzqualifizierung für Meister innerhalb von 800 Stunden anstrebt. Um einer solchen Einstufung auch nur annähernd gerecht werden zu können, müssen die Ausbildungsinhalte höchsten wissenschaftlichen Standards genügen und diese können nicht selbstverliehen oder -behauptet, sondern müssen objektiv nachprüfbar sein.

Nochmals mache ich den eingangs dieses Abschnitts gemachten Punkt zum Grundgesetz, Artikel 3, stark: Der Hebel des politischen Handwerks, die angestrebten Meriten für ihre Klientel zu erreichen, ist zu postulieren, der wissenschaftlichen Restaurierung in möglichst allen Punkten „gleich“ zu sein – dafür dann aber eine privilegiertere Stellung als jene zu erlangen. Maß und Mitte sind jedoch zu wahren! Entfernt sich der Normsetzungsprozess zu stark von dem, was durch die Betroffenen noch nachvollziehbar ist, erodiert die Grundlage unseres Gemeinwesens. Zu diesem Punkt verweise ich auch auf die einschlägigen Stellungnahmen der European Confederation of Conservator-Restorers‘ Organisations (E.C.C.O.), dem Dachverband der europäischen Restauratorenverbände (Broschüre "Kompetenzen für den Zugang zum Beruf des Konservators-Restaurators), bei FORWARD vertreten durch die Generalsekretärin Anja Romanowski, sowie von ENCoRE.

VDR-Präsident Dr. Jan Raue während seiner Rede auf der ersten Tagung des neuen Formats FORWARD im Juni 2017.
VDR-Präsident Dr. Jan Raue während seiner Rede auf der ersten Tagung des neuen Formats FORWARD im Juni 2017.

Gesicht zeigen gegen zunehmende Wissenschaftsskepsis

Wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass die Wissenschaft anscheinend in ihrer Würdigung so weit hinten herunter fällt? Existieren größere gesellschaftliche Strömungen, die dies begünstigen? In der Tat hat sich vor wenigen Wochen der March for Science weltweit auf den Weg gemacht, um ein Unbehagen über zunehmende Wissenschaftsskepsis, ja -feindlichkeit landauf-landab zu artikulieren. Und es wäre sehr kurz gesprungen, dies allein auf eine Reaktion auf Donald Trump und seine Leugnung des menschgemachten Klimawandels zu reduzieren! Der VDR unterstützt die Idee des Marsches für die Wissenschaft aus ganzer Überzeugung, sind es doch gerade die Restauratoren, die sich ihre wissenschaftliche Ausbildung an den Hochschulen, beginnend vor rund 50 Jahren erkämpft haben. Umso schmerzlicher und befremdlicher sind Tendenzen, die wir seit einigen wenigen Jahren spüren, wonach auch für unser Fach Wissenschaftlichkeit in ihrer Bedeutung kleingeredet wird.

Wir Restauratoren schätzen aus unseren Erfahrungen in der Praxis die Zusammenarbeit mit qualifizierten Handwerkern und Restauratoren im Handwerk sehr. Wir fordern eine viel bessere Ausbildung in den traditionellen Handwerkstechniken, die, wenn die Entwicklung so weiter geht, teils bald völlig verschwunden sein werden. Wie wichtig uns das ist, beweist die Zusammenarbeit mit dem Verband der RiH in einer Facharbeitsgruppe, die sich unter anderem um Kooperation in Schnittmengenbereichen, um Weiterbildung und Synergieeffekte bemüht. Unsere loyale und solidarische Einstellung zu den Kollegen im Handwerk kann und darf uns nicht davon abhalten, auf Schieflagen, wie oben genannt, hinzuweisen. Und andere Beteiligte in der Denkmalpflege müssten es doch auch längst bemerkt haben! Die Vorgänger der heutigen Verantwortungsträger forderten in den zitierten 1980er Jahren noch, die Restauratorenausbildung möge sich der gewachsenen Komplexität der Aufgaben anpassen. Heute entsteht manchmal schon fast der Eindruck, die Bestrebungen gingen gerade in die andere Richtung. Sind denn die Restaurierungsprojekte derzeit simpler als vor 40 Jahren? Nach allem, was man aus Museen und von Denkmalen hört, im Gegenteil! Warum, um alles in der Welt, sollte man dann die nochmals deutlich komplexeren Aufgaben heute mit heiliger Einfalt und hemdsärmeliger Empirie bewerkstelligen können? Alle Beteiligten sollten sich dafür einsetzen – mit mehr Kommunikation, mehr Transparenz – dass der Fortschritt auch Bestand hat.

Wir fordern Haltung ein und kein Wegducken

Ich versuche noch einmal, unsere Situation deutlicher zu machen: Wenn statt der Ideen zur „handwerklichen Restaurierung“, wie sie momentan an die Behörden herangetragen werden, von Handwerkspolitikern eine „handwerkliche Archäologie“, eine „handwerkliche Bauforschung“ oder vielleicht sogar eine „handwerkliche Inventarisation“ eingefordert würden – dann fielen die Reaktionen aus manchen Denkmalämtern vorhersehbar kaum so schmerzlich vage und vieldeutig aus, wie manchmal noch heute. Dann würde allen sofort klar: Das ergibt keinen Sinn! Ja, zugegeben, die Wortkonstrukte klingen jetzt noch gewöhnungsbedürftig, aber glauben Sie mir, noch vor wenigen Jahren hätten auch die meisten Restauratoren die aktuelle Entwicklung auf ihrem Gebiet für unvorstellbar gehalten. Auch hier gilt ganz genauso: das ergibt überhaupt keinen Sinn! Tausende Diplome, hunderte Masterarbeiten und Forschungsprojekte, dutzende Dissertationen und eine unübersehbare Zahl von wissenschaftlichen Fachtagungen mit ihren Publikationen später, fordern wir nun, uns als das anzuerkennen, was Denkmalpflege und Museen in einer gar nicht so weit zurückliegenden Zeit einmal selbst mit auf den Weg gebracht haben. Jetzt fordern wir Haltung ein und kein Wegducken. Jetzt verteidigen wir den Standard und sind sehr glücklich, dabei zahlreiche Verbündete zu haben. Das ist der Grund und das ist der Sinn von FORWARD, dem Forum für Wissenschaftliches Arbeiten in der Restaurierung und Denkmalpflege. Wir freuen uns, dabei so verlässliche Partner, wie beispielsweise in Brandenburg und Berlin an unserer Seite zu wissen: Danke, Thomas Drachenberg, Landeskonservator in Brandenburg, und danke, Matthias Wemhoff, Landesarchäologe in Berlin, für die langjährige inspirierende Zusammenarbeit und die optimistisch stimmenden Grußworte zu FORWARD in diesem Zusammenhang!

In den letzten Wochen wurden auch die Ergebnisse einer mit fast 800 Teilnehmern repräsentativen Umfrage unter den Mitgliedern des VDR zu ihrer beruflichen Situation vorgestellt. Wir können damit erstmals belastbare Fakten auf bundesweiter Ebene vorweisen und ich bin sicher, dass uns manche überraschende – positive wie negative – Erkenntnisse in diesem Zusammenhang bevorstehen. Sorgen, wie man in einem nicht geregelten akademischen Beruf erfolgreich sein soll, die Not, sich zwischen wissenschaftlichem Arbeiten und Kompromissen zugunsten des wirtschaftlichen Überlebens entscheiden zu müssen, spielen dabei eine zentrale Rolle. Hier schließt sich bei mir der Kreis zur eingangs zitierten „Unsichtbarkeit“. Deuten wir die Zitate aus dem Geist des 19. Jahrhunderts endlich neu! Wenn schon Max Friedländer die „Meisterschaft“ der Restauratoren als solche benannt und als „unverzichtbar“ gepriesen hat, dann fassen wir dies als Aufruf auf, die Unsichtbarkeit endlich zu überwinden. Friedländer nannte die Restaurierung ein „undankbares Geschäft“ – ich hätte einige Vorschläge, dies abzuändern.

Generell gilt: Eine zukünftige bundeseinheitliche gesetzliche Regelung, nach der man sich nicht unerlaubt als „Restaurator im Handwerk“ bezeichnen, aber nach der jeder weiterhin sagen darf „Ich bin Restaurator“, entbehrt jeglichen Sinns. Das sollten auch diejenigen im politischen Handwerk erkennen, die sich gerade darum bemühen. Dass es dazu nicht ohne die notwendigen Korrekturen kommen darf, dafür steht die Politik in den Ländern, aber vor allem auch im Bund in der Pflicht! Wohlverstanden, der VDR hat nichts dagegen, dass die RiH eine geregelte Berufsausübung genießen sollen, im Gegenteil – aber bitte, die gleichen Rechte auch für die wissenschaftlich arbeitenden Restauratoren! Das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) möchten wir dringlich anregen, Transparenz in den Normsetzungsprozess zu bringen. Sachverstand, Begrifflichkeit und Eckwerte haben nicht nur Auswirkungen und Gültigkeit für Fragen des Vollzugs sondern auch Konsequenzen für die Erhaltung des kulturellen Erbes in seiner Unversehrtheit (vgl. „Beschädigungsverbot“, § 18(1) KGSG). Von den Bundesländern fordern wir eine länderweise (und eines Tages bundeseinheitliche!) Regelung zum Berufstitelschutz nach dem Vorbild der Länder Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, so, wie sie in der Wahlaussage von Armin Laschet für die CDU in Nordrhein-Westfalen vollkommen klar und unmissverständlich zugesagt worden ist.

Zeit für sichtbare Zeichen der Anerkennung

Weiter regen wir freundlich das Staatsministerium für Kultur und Medien (BKM), insbesondere Frau Monika Grütters persönlich an, einen Preis für wissenschaftliche Restaurierung auf Bundesebene auszuloben – er ist ein schmerzliches Desiderat in unserer Kulturlandschaft! Es wäre der charmanteste Ausdruck einer langjährigen fruchtbaren Verbundenheit und es wäre eine hochwillkommene Ermutigung für tausende Restauratorinnen und Restauratoren in der geschilderten, nicht immer einfachen Situation. Wir bitten die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) zu prüfen, welche Hemmnisse einer Öffnung der Konservatoren-/Gebietsreferenten-Laufbahn in den Landesdenkmalämtern für Restauratoren mit Masterabschluss noch entgegenstehen und in einen Dialog darüber mit dem VDR zu treten. Und nicht zuletzt sind die Ingenieurkammern der Länder zu nennen. Der Ausbau der erfolgreich in Brandenburg begonnenen Aufnahme von Restauratoren in die Ingenieurkammern, Bildung von Fachsektionen, Vergabe eines geschützten Titels in dem Zusammenhang muss auch in anderen Bundesländern weiter verfolgt werden. Ich spreche auch die uns kollegial im Bundesverband der Freien Berufe (BFB) verbundenen anderen Freien Berufe, wie Architekten, Ingenieure, vielleicht sogar demnächst Ärzte an: Was hier gerade mit den – unverkammerten, daher am wenigsten geschützten – Restauratoren geschieht, könnte den Charakter eines Testlaufs haben, darüber, was den Freien in Zukunft an Kompetenzen streitig gemacht werden kann. Erkennen Sie mit uns die Zeichen, durchaus im eigenen Interesse!

Ich danke allen Beteiligten aus Museen, Labors, Denkmalpflege und Praxis, Hochschulen und Architekturbüros, die FORWARD bis hierher ermöglicht haben. Wir Restauratoren wissen um die gegenseitigen Abhängigkeiten, um den Mehrwert, die die Kooperationen ermöglichen. Ihre kollegiale Bereitschaft, über Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit zu berichten, ehrt uns. FORWARD ist als längerfristiges Format angelegt, nicht als Tagungs-Eintagsfliege, sondern als Projekt, das sich auf den Weg zu einem klar definierten Ziel gemacht hat. Ich freue mich sehr, dass die Tagung FORWARD 2017 an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin stattfinden konnte und danke ihrem Vizepräsident Matthias Knaut sowie dem der Hochschule verbundenen Förderverein KOREGT e. V. für die großzügige gastfreundliche Unterstützung.

Zum Rückblick auf die Tagung FORWARD mit Zusammenfassungen der Vorträge und Fotos