Nachruf auf Anton Siegl

Einen klassischen Nachruf hätte Anton Siegl sicher nicht haben wollen, dazu war er viel zu bescheiden. Dabei war er aber dennoch einer der ganz Wichtigen, der Unverzichtbaren, ein Meilenstein im Feld der Restaurierung. Er ist die Jahrzehnte mitgegangen, den Weg von der handwerklichen Restaurierung, der Zeiten der Verbände AdR und DRV zum wissenschaftlichen Fach der […]

Einen klassischen Nachruf hätte Anton Siegl sicher nicht haben wollen, dazu war er viel zu bescheiden. Dabei war er aber dennoch einer der ganz Wichtigen, der Unverzichtbaren, ein Meilenstein im Feld der Restaurierung. Er ist die Jahrzehnte mitgegangen, den Weg von der handwerklichen Restaurierung, der Zeiten der Verbände AdR und DRV zum wissenschaftlichen Fach der Konservierung heute, repräsentiert durch den VDR. Bereits in jungen Jahren kam er auf die Idee einen Bücherversand zu starten, versorgte fortan den Praktikanten wie den versierten Profi mit fachlichem Wissen, war Heimat und Anlaufstelle im persönlichen Gespräch auf Tagungen und Messen. Er kannte Gott und die Welt im Fach der Restaurierung/Konservierung, war vertraut mit jedem und mit allem. Weil er Bücher nicht nur publizierte und verkaufte, sondern auch las, konnte er sich ein eminentes Fachwissen aneignen, wurde so zu einem spezialisierten Berater. Nicht nur die Bücher, die er selbst verlegte, gelangten in sein Visier, sondern auch die, die andere Verlage veröffentlichten.

 

Foto 2 Messe denkmal 2016

Was sicher viele gar nicht wussten: Seine Belesenheit beschränkte sich nicht nur auf Fachliteratur: Er war im Grunde ein wandelndes Lexikon. Kaum ein Fachgebiet, auf dem er sich nicht auskannte, kaum ein Gedicht, das er nicht aus dem Stegreif rezitieren konnte. Ob philosophische, psychologische Themenfelder, ob gesellschaftliche Diskurse oder Fragen des Zeitgeschehens, er war überall bewandert, informiert, auf dem neuesten Stand. Das machten Gespräche mit ihm so interessant, spannend und tiefgründig, aber oft auch zu einem fröhlichen Erlebnis, weil er so witzig sein konnte, so schlagfertig konterte.

Dass er die Diagnose Gehirntumor kurz nach der Messe "denkmal" 2016 psychisch überstand, verdankte er seinem eisernen Willen, die Arbeit an die erste Stelle zu setzen. Egal wie schlecht es ihm ging, er zog morgens früh wie immer in die Buchhandlung, verrichtete die anfallenden Geschäfte stoisch ohne Wehklagen. Wir trafen uns wie immer ein paar Mal im Jahr, plauderten wie immer, freuten uns über zwischenzeitlich positive Untersuchungsergebnisse.

Jetzt ist alles vorbei, eine Entschuldigung an all diejenigen, die ihn manchmal nicht erreichen konnten, deren E-mails unbeantwortet blieben wegen zunehmender Einschränkungen. Um eine Nachfolge hat er sich nie gekümmert, er war ein Einzelkämpfer bis zuletzt. Ich vermisse ihn sehr.
Ulrike Besch