Schlaglichter auf die Mitgliederversammlung 2019

Am 23. November 2019 kam die Mitgliederversammlung des VDR zum 17. Mal zusammen. Die Versammlung bot allen interessierten Mitgliedern die Möglichkeit, sich persönlich über die Verbandsaktivitäten zu informieren, Stellung zu […]

Am 23. November 2019 kam die Mitgliederversammlung des VDR zum 17. Mal zusammen. Die Versammlung bot allen interessierten Mitgliedern die Möglichkeit, sich persönlich über die Verbandsaktivitäten zu informieren, Stellung zu beziehen, Anträge einzubringen und abzustimmen.  Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir die wichtigsten Themen nachfolgend zusammengefasst.

Das Preisgeld des „Riegel“ kommt dem Nachwuchs zugute

Mit einer erfreulichen Nachricht eröffnete VDR-Präsident Prof. Dr. Jan Raue die Sitzung. Der VDR war am vorangegangenen Mittwoch mit dem Preis „Riegel – KulturBewahren“ ausgezeichnet worden (wir berichteten). Prof. Dr. Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes, hielt die Laudatio. Ihm und vor allem auch Dr. Bertold Schmitt, Herausgeber des Magazins KulturBetrieb und Auslober des Preises, dankte das VDR-Präsidium herzlich. Der Preis sei eng mit der Rolle der Restauratoren verbunden, meinte Jan Raue. Das Bild des „Riegels“ verdeutliche, dass die Restaurierung das Objekt einerseits gegen Verfall und Zerstörung verriegle. Andererseits erschlössen die Restaurierenden die Bedeutung  des Objektes und entriegelten das Objekt somit forschend für das Publikum. Das Geld solle ab 2020 den Studienanfängern zugutekommen, für die die VDR-Geschäftsstelle Willkommenspakete schnüren wird.

Der VDR erhält den Riegel-Kulturpreis 2019. 2500 Euro gehen an den restauratorischen Nachwuchs. Im Bild v.li.: Dr. Bertold Schmitt, Prof. Dr. Jan Raue, Prof. Dr. Eckart Köhne. (Foto: KoelnMesse)
Der VDR erhält den Riegel-Kulturpreis 2019. 2500 Euro gehen an den restauratorischen Nachwuchs. Im Bild v.li.: Dr. Bertold Schmitt, Prof. Dr. Jan Raue, Prof. Dr. Eckart Köhne. (Foto: KoelnMesse)
Das von 2017-2019 amtierende Präsidium informierte und beantwortete Fragen.

Mehr Selbstbewusstsein durch gestiegene Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit

Das Präsidium berichtete, dass die Aktivitäten im berufspolitischen Umfeld intensiviert worden sind. Dazu gehört die Weiterführung der Bemühungen um den Berufstitelschutz genauso wie die Kooperation mit den Ingenieurkammern in mehreren Bundesländern, die den Restauratoren als Freiberuflern eine weitere Heimat geben können (wir berichteten). Durch den Erfolg des Europäischen Tags der Restaurierung habe man zunehmend „Gelassenheit und Freiheit“ erwirkt. Dies sei auch in der Zusammenarbeit mit anderen Bundes- und Spitzenverbänden spürbar. Der Rat des VDR werde zunehmend gesucht. Die Öffentlichkeitswirksamkeit des Verbandes sei deutlich gestiegen, was sich zuletzt anhand der Anfragen nach dem Brand von Notre Dame und dem Hochwasser in Venedig gezeigt habe.  Dass alle Aktivitäten des VDR ohne Fördergelder nur aus den Mitgliedsbeiträgen bestritten werden, setze dem Agieren des VDR zwar Grenzen, wirke sich jedoch, positiv gewendet, stärkend auf das Selbstbild und das Selbstbewusstsein eines in jeder Hinsicht unabhängigen Berufsverbandes aus.

Auseinandersetzungen zur adäquaten Vergütung  von Restauratoren stehen weiterhin im Fokus

Wie auf der Mitgliederversammlung deutlich wurde, besteht aktuell großer Bedarf, die Auseinandersetzung um die Eingruppierungen im Öffentlichen Dienst weiter zu begleiten. Die Arbeit könne jedoch nicht allein vom VDR geleistet werden. Verbandsmitglieder werden ermutigt, sich, soweit möglich auch mit Unterstützung der Gewerkschaften, in die korrekte Entgeltgruppierung einzuklagen und erhalten dafür Rückendeckung des VDR. Dabei hilft auch die 2019 eingeführte Rechtshilfekosten-Unterstützung (RKU), die im zurückliegenden Jahr bereits in mehreren Fällen in Anspruch genommen wurde
Im Stellenmarkt der VDR-Website werden zu niedrig dotierte Stellen nach Sichtung eines mehrköpfigen Teams derzeit nicht veröffentlicht. Die ausschreibenden Stellen werden entsprechend informiert, in der Hoffnung in den Personalverwaltungen ein Bewusstsein für eine adäquate Vergütung zu schaffen. Wie wirkungs- und sinnvoll dies ist, wird aktuell evaluiert und im Vorstand weiter diskutiert, zumal die Stellenanzeigen andernorts veröffentlicht werden und die Museen oftmals bei gleichbleibenden oder gar schrumpfenden Budgets wachsende Herausforderungen meistern müssen und hierbei auf Gelder der für sie zuständigen Ministerien angewiesen sind.

Auch die Bezahlung von Selbstständigen Restauratoren war Thema. Die von vielen gewünschte Honorarempfehlung seitens des VDR sei aber nicht rechtskonform, informierte Paul Grasse von der VDR-Geschäftsstelle. Auf europäischer Ebene wurden die Honorarempfehlungen der Architekten und Ingenieure gekippt. Der VDR habe daher  in der journalistischen Reihe „Mit Kalkül“ Hilfestellungen zur Berechnung des Stundenlohns veröffentlicht. Zudem habe ein Arbeitskreis aus Vertretern der Brandenburgischen Ingenieurkammer  und des VDR an einer Honorarordnung für Restauratoren gearbeitet. Als erster Schritt wurde 2019 ein Merkblatt zu Honorarsätzen erarbeitet und auf der Webseite der BBIK veröffentlicht.

Das Berufsregister und die Online-Restauratorensuche sollen überarbeitet werden

Der VDR bietet seinen Ordentlichen Mitgliedern seit einigen Jahren die Möglichkeit, sich in das Berufsregister einzutragen. Auf der Website wird das Register als „Restauratorensuche“ geführt, in der die Mitglieder eigene Profile anlegen können. Auf der Sitzung wies Vizepräsident Olaf Schwieger auf die Notwendigkeit der fachlichen Schärfung des Berufsregisters hin, damit es zukünftig als Referenz noch besser wirksam wird. Gerade für die Benennung von über den Studienabschluss hinausgehenden Fachrichtungen sollte ein Nachweis gefordert werden. Über eine Satzungsänderung muss die Mitgliederversammlung 2020 entscheiden. (Aktuell sind erste Überarbeitungen an der Restauratorensuche erfolgt, sodass die VDR-Mitglieder im ersten Quartal 2020 eine Aufforderung erhalten, ihre Einträge zu prüfen und aktualisieren.)

Der VDR sucht die engere Zusammenarbeit mit den Hochschulen

Paul Grasse berichtete über die Aktivitäten des Verbands im Bereich Hochschulen. Wichtigstes Ziel sei die Erhöhung des Bekanntheitsgrades des VDR und auch die des Organisationsgrades unter den Studierenden und Lehrenden. Die Landesgruppen des VDR und die Restaurator*innen in Ausbildung kooperieren mehrheitlich eng miteinander. Wichtig wäre eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Lehrkörper. Alle Hochschulen und der Verband sollten gemeinsam dafür eintreten, die Anerkennung des Berufes und der Ausbildung abzusichern und die Situation der Absolventen zu verbessern. (Dies wurde auch im Nachgang der MV beim Hochschultreffen im Dezember vermittelt.)

Einspruch gegen die Biozidverordnung notwendig

Die Biozidverordnung beschäftigt viele Restauratoren und war entsprechend auch Thema der MV. Hier beschloss man Informationen zum Stickstoff-Anhörungsverfahren zusammenzutragen, sodass einzelnen Restauratoren und Institutionen wissen, wie sie Einspruch erheben können. (Ein Aufruf zur Beiteiligung am Stickstoff-Anhörungsverfahren, das am 18. Januar endete, wurde im Nachgang der MV innerhalb und außerhalb der Mitgliedschaft verbreitet. Rund 1500 Einsprüche sind bei der EU eingegangen. Auch Medien wie ARTE berichteten.)

Der Europäische Tag der Restaurierung geht weiter

Die Geschäftsstelle berichtete, dass sich der Europäische Tag der Restaurierung trotz seiner „Jugend“ bereits zu einem Flaggschiff des VDR entwickelt habe. Der fixe Termin am 2. Sonntag im Oktober sei zentral für die Verstetigung und Weiterentwicklung des Formats und in der Summe der bisherigen Erfahrungen in vielerlei Hinsicht gut geeignet. Es gebe zwar gelegentlich Wünsche nach alternativen Terminen, denen dann jedoch stets wieder zahlreiche andere Argumente entgegenstünden. Nach dem fulminanten Start im EYCH-Jahr 2018 hätten sich im zweiten Jahr 80 Prozent der Teilnehmer wieder oder neu beteiligt. Es gab ein gutes Feedback mit breitem Rücklauf, ein relevantes Medienecho und TV-Beiträge. Die zentrale Eröffnung am Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gemeinsam mit dem Präsidenten des DMB, Prof. Köhne, trug zum Erfolg bei. Den Dank an alle Beteiligten begleitete Patricia Brozio mit der eindringlichen Bitte, sich rechtzeitig für den ETdR anzumelden, um eine gute Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld zu ermöglichen. Anja Romanowski bedankte sich im Namen von E.C.C.O. beim VDR für seine für die anderen europäischen Verbände wegweisende Rolle.

Patricia Brozio berichtet vom 2. Europäischen Tag der Restaurierung.

Archäologische Fachgruppen sollen zusammengelegt werden

Auf Antrag beschloss die Versammlung, die beiden Fachgruppen  "Archäologische Ausgrabungen" und "Archäologische Objekte" zusammenzulegen und die dadurch entstehende neue Gruppe mit "Archäologisches Kulturgut" zu benennen. Hintergrund war, dass die beiden Fachgruppen immer schon eng zusammenarbeiteten und die Grabungstechniker 2016 ihren eigenen Verband (VGFA) gegründet hatten. Die Zusammenlegung beider Gruppen soll künftig einerseits den geschichtlichen Hintergrund beider Gruppen bewahren und anderseits die Arbeit beider Gruppen unter einem Dach und unter einem gemeinsamen Namen fortsetzen. Hier soll besonders die Zusammenarbeit mit allen archäologischen Berufsverbänden wieder intensiviert werden. (Die Zusammenlegung ist mittlerweile weitgehend vollzogen, auch im Berufsregister, die betroffenen Mitglieder sind entsprechend informiert. Die Website der Fachgruppe wird derzeit inhaltlich überarbeitet. Die Navigation der VDR-Website ist entsprechend angepasst worden.) 

Cornelia Weyer wird Ehrenmitglied im VDR.
Auch Christian Leonhardt ist neues VDR-Ehrenmitglied.

Der VDR hat zwei neue Ehrenmitglieder

Bis 2019 leitete Dr. Cornelia Weyer die „Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut, die tradierte Fachzeitschrift des VDR. Ihr gelang es die auch international maßgebliche Fachzeitschrift der Konservierung-Restaurierung in publizistisch schwierigen Zeiten zu erhalten und sie in den fast zehn Jahren als Leiterin der Redaktion fachlich und ästhetisch zu prägen. Diese Leistung und auch ihre Verdienste im Präsidium und im Weiterbildungsausschusses ehrte die Mitgliedschaft durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des VDR an Dr. Cornelia Weyer.
Die Ehrenmitgliedschaft wurde außerdem Christian Leonhardt verliehen. Er arbeitet seit vielen Jahren engagiert für die berufspolitischen Belange des Berufsverbandes und des Denkmalschutzes besonders in Schleswig-Holstein. Nach mehreren Jahren im Präsidium des VDR übernahm er für vier Jahre das Amt des Präsidenten. Über das gewöhnliche Maß hinaus engagiert sich Christian Leonhardt weiterhin für die Landesgruppe Schleswig-Holstein und die Etablierung des Restauratorengesetzes. Zum Ersten Tag der Europäischen Restaurierung 2018 konnte die Landesgruppe einen Nachwuchspreis verleihen, der vom Ehepaar Leonhardt gesponsert wurde, und auch 2019 ausgelobt wurde.

Neue Gremiensprecher wurden gewählt

Die Fach-, Interessen- und Landesgruppen informierten über Neuwahlen im Rahmen der Messe.
In der Interessengruppe Öffentlicher Dienst bleibt Renate Poggendorf die Vorsitzende. Erste Stellvertreterin ist Mareike Mehlis, der zweite Stellvertreter Christian Lühning-Reger. Die IG ÖD bat zudem um mehr Engagierte aus dem Bereich der Angestellten der Länder.
In der Interessengruppe Selbständige Freiberufler wurde Caroline Weiss erneut zur Vorsitzenden gewählt, stellvertretende Vorsitzende sind Christine Fölsch und Ines Frontzek.
In der Fachgruppe Archäologische Objekte bleibt Tatjana Held Vorsitzende. Ihre Stellvertreterinnen sind Christine Lessmann und Miriam Braun.
In der Fachgruppe Steinkonservierung wurde Wanja Wedekind wiedergewählt. Seine Stellvertreterinnen sind Franziska Müller und Beate Skasa-Lindermeir.

 

Abstimmung

Die Mitglieder wählten ein neues Präsidium und neue Kassenprüferinnen

Am Ende der MV standen die Neuwahlen des Präsidiums. Mit Ausnahme von Gisela Gulbins traten die Präsidiumsmitglieder (Jan Raue, Birgit Schwahn, Olaf Schwieger und Anne Harmssen) nicht wieder zur Wahl an. Als Leiter der geheimen Wahl stellte sich Alexander Gatzsche zur Verfügung. Gegen 17 Uhr stand dann fest: Der neue Präsident des VDR ist Sven Taubert, Vizepräsidentin und Schatzmeisterin ist Gisela Gulbins, Susanne Danter wird ebenfalls Vizepräsidentin, Dirk Sturmfels und Julia Brandt wurden als Präsidiumsmitglieder gewählt (wir berichteten).
Außerdem wurden als neue Kassenprüferinnen Daniela Hedinger, Henrike Bierbrodt und Anette Klöpfer gewählt.

Das neue Präsidium (v.li.) Sven Taubert, Susanne Danter, Gisela Gulbins und Dirk Sturmfels (nicht im Bild: Julia Brandt)

Text: Patricia Brozio mit Auszügen aus dem Protokoll von Paul Grasse
Fotos: Gudrun von Schoenebeck